Digitale Etiketten in Supermärkten – gibt es bald Flatterpreise wie an der Tankstelle?

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Digitale Etiketten in Supermärkten – gibt es bald Flatterpreise wie an der Tankstelle?

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Es gibt wohl kaum einen Autofahrer, der sich noch nicht über die sogenannten Flatterpreise an der Tankstelle geärgert hat. Kaum hat man getankt, springt der Preis um und der Liter Benzin kostet plötzlich drei Cent weniger. Wenn man einige Stunden später wieder an der Tankstelle vorbeifährt, dann hat sich der Preis schon wieder geändert, man kann im Grunde nie sicher sein, für den günstigsten Preis getankt zu haben. Diese Flatterpreise wird es möglicherweise auch bald in deutschen Supermärkten und Discountern geben, denn immer mehr Märkte wollen auf digitale Etiketten umsteigen.

Eine kundenfeindliche Entwicklung

Was an deutschen Tankstellen schon seit vielen Jahren üblich ist, soll bald auch in Supermärkte und Discounter Einzug halten: Die Preise werden mehrmals am Tag geändert. Wenn der Salat nicht mehr ganz so frisch ist, dann wird er kurzfristig ein paar Cent billiger gemacht, steht am Abend ein Fußballspiel an, dann steigt der Preis für die Kiste Bier kurz vor Feierabend schnell um einen Euro an. Auch Rabatte für Frühaufsteher sind jederzeit möglich und bis 9:00 Uhr gibt es einige Produkte zu stark reduzierten Preisen, fünf Minuten nach neun steigen die Preise dann wieder. Möglich wird das durch digitale Etiketten, eine Entwicklung, die die Verbraucherschützer mit großer Sorge sehen. Wenn sich die Preise im Minutentakt ändern, dann kann der Kunde das nicht mehr nachvollziehen und bleibt letztendlich ratlos zurück, kritisiert der Verbraucherschutz.

Ohne großen Zeitaufwand

Bislang waren Preisänderungen in den Supermärkten mit einem großen Aufwand an Zeit und Geld verbunden. Hunderte von Preisschildern mussten neu ausgedruckt und an den Artikeln angebracht werden. Digitale Etiketten machen alles viel einfacher, denn wenn die Preise steigen oder fallen, dann reicht nur ein Knopfdruck. Deshalb experimentieren die großen Lebensmittelketten bereits seit drei Jahren mit den elektronischen Preisanzeigern, auch wenn digitale Etiketten, inklusive der passenden Software und der Verbindungstechnik eine Investition in fünfstelliger Größenordnung notwendig machen. Der Aufwand lohnt sich, denn Preisschwankungen sind gerade im Lebensmittelhandel an der Tagesordnung.

Die Kunden machen das nicht mit

Jeder achte Supermarkt hat bereits digitale Etiketten, bei zehn Prozent der Läden in Deutschland sind die Etiketten noch in der Testphase und weitere 40 % beobachten den Markt, können sich aber durchaus vorstellen, auch auf digitale Etiketten umzusteigen. Ob es allerdings zu einem stetigen Auf und Ab der Preise kommt, wie das bei Tankstellen der Fall ist, das halten Experten für nicht realistisch, denn das würden die Kunden nicht lange mitmachen. Änderungen bei den Preisen wird es nach wie vor immer in der Nacht geben, zum Beispiel bei Aktionen oder wenn die Preise an die der Konkurrenz angepasst werden müssen. Diese Argumentation hinkt jedoch ein wenig, denn schließlich machen die Autofahrer die ständig schwankenden Preise an den Tankstellen auch mit, wie sollen sie sich dann gegen die Flatterpreise in den Lebensmittelgeschäften wehren?

Digitale Etiketten sorgen für Verunsicherung

Die Verbraucherschutzorganisationen sind aber nicht nur beunruhigt, wenn sie an die rasanten Preisänderungen denken, sie fürchten auch um die Transparenz der Preise. Es ist heute durchaus möglich, mithilfe von Smartphones Profile der einzelnen Kunden zu erstellen und die aktuellen Bewegungsdaten damit zu kombinieren, um den Verkäufen ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Wenn zum Beispiel ein Kunde länger als zwei Minuten vor einem Fernseher steht und sich offensichtlich für dieses Modell interessiert, dann kann ein Algorithmus über die Datenverarbeitung aktiviert werden und ein Sonderangebot wird auf dem digitalen Etikett einblendet. Wenn der nächste Kunde vor dem Fernseher steht, dann ist dieses Sonderangebot nicht mehr zu sehen. Algorithmen, die selbstständig lernen und auf der Basis von Datenanalysen Preise festlegen, sind schon lange keine Zukunftsmusik mehr. Für den Kunden hingegen bleibt die Preisklarheit dann auf der Strecke.

Bild: © Depositphotos.com / photoholicgirl

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.