Fake-Food – der große Betrug im Supermarkt

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Fake-Food – der große Betrug im Supermarkt

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Was Fake-News sind, das hat sich inzwischen herumgesprochen, aber was Fake-Food ist, das wissen leider nur wenige Verbraucher. Gefälschtes Essen heißt die korrekte Übersetzung, aber im Grunde handelt es sich um einen dreisten Etikettenschwindel, mit dem gefälschte Lebensmittel immer häufiger in den Supermarkt gelangen. Die Kunden bemerken diesen Schwindel nicht immer, aber es gibt Kontrolleure, die den Betrügern schnell auf die Spur kommen. Sie setzen unter anderem auch eine neue Technik beim bekannten Fingerabdruck ein und sie sehen sich die Etiketten der Supermarktware sehr genau an.

Die Mafia ist im Geschäft

Die Mafia ist in den Augen der meisten Menschen eine Verbrecherorganisation, die sich nur auf Italien beschränkt. Wer das glaubt, der irrt sich gewaltig, denn auch in immer mehr deutschen Supermärkten ist die Mafia sehr präsent. Sie sorgt zum Beispiel dafür, dass billiger italienischer Schaumwein als teurer Champagner in den Supermarktregalen steht, in dem sie einfach die Etiketten vertauscht. So wird aus der Flasche Spumante, die einen Euro kostet, ein vermeintlich edler Tropfen aus Frankreich, der 30,- Euro die Flasche kostet. Mit diesen und ähnlichen Tricks werden Preise wie im Drogenhandel erzielt und im besten Fall sind die Fälschungen nur minderwertig, im schlimmsten Fall jedoch können sie für die Gesundheit sehr gefährlich werden.

Gefährliches Fake-Food

Verbraucher haben so gut wie keine Chance, Fake-Food von regulärer Ware zu unterscheiden und das macht die Fälschungen so gefährlich. Ein böses Beispiel für diese Lebensmittelpanscherei stammt aus dem Jahre 2008. Damals streckten chinesische Produzenten Milchpulver mit dem Kunststoff Melamin, 300.000 Kinder wurden schwer nierenkrank, sechs Babys starben. Eine solche lebensgefährliche Fälschung ist leider keine Seltenheit und für die Kontrolleure ist es sehr schwer, dem Fake-Food auf die Spur zu kommen, da sie nicht wissen, wonach sie eigentlich suchen sollen. Jetzt wurde aber eine neue Strategie entwickelt, um echte Lebensmittel vom gefährlichen Fake-Food zu unterscheiden.

Ein Nachweis für echte Lebensmittel

Die Kontrolleure arbeiten mehr und mehr mit einem Nachweis für echte Lebensmittel, einer Art von Fingerabdruck, der über die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe sehr genau und unverwechselbar informiert. Es reicht ein Abgleich, um festzustellen, was echt ist und was nicht, damit haben die Behörden endlich ein Instrument gefunden, was ihnen einen technologischen Vorsprung verschafft. Fälschungen können so schneller und auch deutlich einfacher aufgedeckt werden als das noch vor wenigen Jahren der Fall war. Erste Erfolge konnten die Prüfer jetzt verbuchen, als sie einen Fälscher von Oregano überführen konnten, der seit einigen Jahren einen schwungvollen Handel mit gestreckten Gewürzen betrieben hat. Die Universität im irischen Belfast kam dem kriminellen Gewürzhändler auf die Schliche. Dort im Labor konnte einwandfrei nachgewiesen werden, dass sich nicht nur das typische Pizzagewürz, sondern auch klein geschnittene Olivenblätter und auch andere Pflanzenteile in den Tüten befanden. Dieses Fake-Food war jahrelang tonnenweise in Supermärkten, in Nudelsoßen und auf tiefgekühlten Pizzen gelandet.

Ein Fall für Interpol

In Deutschland arbeitet das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zusammen mit den Überwachungsbehörden der einzelnen Bundesländer sowie mit Euro- und auch Interpol an neuen Strategien gegen die Lebensmittel-Mafia. Zwei Millionen Euro gibt das Ministerium aus, um eine eigene Datenbank aufzubauen, um das Fingerabdruckverfahren noch einfacher und sicherer zu machen. Die Signaturen verraten, ob der Käse tatsächlich aus dem Emmental kommt und dass Olivenöl auch wirklich extra Vergine ist. Es ist vor allem die Industrie, die Sicherheit möchte, denn den Herstellern entsteht durch Fake-Food nicht nur ein finanzieller Verlust, sie verlieren letztendlich auch das Vertrauen ihrer Kunden. Inzwischen gibt es Daten zu mehr als 30.000 Fruchtsäften, 19.000 Weinen und mehr als 10.000 Honigen. Diese Lebensmittel werden international gehandelt und das macht sie anfällig für Fälschungen aller Art. Alleine durch chinesische Fälschungen von Honig entstand in den USA ein Schaden von 180 Millionen Dollar.

Bild: © Depositphotos.com / gyn9037

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.