Frankreich – nach der Wahl ist vor der Wahl

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Frankreich – nach der Wahl ist vor der Wahl

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Voller Angst hat Europa am 23. April nach Frankreich geschaut und gehofft, dass das Unmögliche nicht eintritt und Marine Le Pen als Siegerin aus dem ersten Wahlgang hervorgeht. Durchatmen, als feststand, dass nicht Le Pen, sondern Emmanuel Macron als Sieger in die Stichwahl geht. Jetzt heißt es wieder warten und wieder zittern, wie die Stichwahl am 7. Mai ausgeht, denn das Ergebnis im ersten Wahlgang mit 24 % für Macron und 21,3 % für Le Pen war denkbar knapp. Aber warum haben so viele Angst vor Marine Le Pen und warum sehen sie Emmanuel Macron als den neuen Heilsbringer?

Marine Le Pen gegen den Rest der Welt

Wenn es in Frankreich in die Stichwahl geht, dann versuchen die beiden Kandidaten so viele Stimmen wie möglich aus den Lagern der Verlierer des ersten Wahlgangs zu bekommen. Das funktioniert in der Regel auch, aber bei dieser Wahl ist alles ein wenig anders. Der noch amtierende Präsident François Hollande ist davon überzeugt, dass Marine Le Pen im zweiten Wahlgang sehr schwach abschneiden wird und er rief die Sozialisten und die Konservativen dazu auf, dem Sozialliberalen Macron die Stimme zu geben. Solche Aufrufe können allerdings schnell nach hinten los gehen, denn in Frankreich könnte jetzt der Eindruck entstehen, dass hinter dem Senkrechtstarter Macron wieder das verhasste Establishment steht. Das stellt Marine Le Pen auf die Seite des Volkes, das genau mit diesem Establishment große Probleme hat.

Wer ist besser für Frankreich?

Welcher der beiden Kandidaten besser für Frankreich ist, das lässt sich kaum beantworten, denn durch das Land zieht sich ein tiefer Riss. Auf der einen Seite stehen diejenigen, die sich abgehängt fühlen, die Europamüde sind und die sich von der Regierung verraten fühlen. Auf der anderen Seite stehen die, denen es wirtschaftlich gut geht, die von der Europäischen Union profitieren und die sich mehr als Teil eines großen Ganzen denn als Franzosen sehen. Frankreich geht es nicht sonderlich gut, das Land lebt im Ausnahmezustand, die Angst vor dem Terror ist omnipräsent und auch aus wirtschaftlicher Sicht ging es dem Land schon mal besser. Frankreich steht vor der Frage: Weitermachen wie bisher oder einfach mal etwas Neues wagen?

Marine Le Pen und ihr schweres Erbe

Marine Le Pen, 1968 geboren, trägt ein schweres Erbe, denn sie ist die Tochter von Jean-Marie Le Pen, dem Gründer des France National, einer Partei, die als rechtsextrem eingestuft wird. Vater und Tochter waren lange ein Team innerhalb der Partei, bis sich Le Pen Senior 2015 zu einer antisemitischen Äußerung hinreißen ließ und von seiner Tochter aus der Partei geworfen wurde. Trotzdem unterstützt der 88-jährige den Wahlkampf seiner Tochter und rät ihr, aggressiver in den Wahlkampf zu gehen, denn mit dieser Taktik hat es Donald Trump schließlich auch ins Weiße Haus geschafft. Jean Marie Le Pen hat es selbst einmal in die Stichwahl zum Präsidenten geschafft, das war 2002 und er verlor damals sehr deutlich gegen Jacques Chirac.

Emmanuel Macron – das neue Wunderkind

Emmanuel Macron sagt von sich er sei sozialliberal, er gehört keiner Partei an und steht an der Spitze einer Bewegung, die sich „En Marche!“ „Die Bewegung“ nennt. Der Sohn aus reichem Hause hat sich für Philosophie interessiert, bevor er Investmentbanker bei Rothschild wurde und jetzt auf dem Sprung ist, der nächste Präsident Frankreichs zu werden. In seinem Wahlprogramm ist zu lesen, dass der 39-jährige das Sozialsystem und auch das Parlament ausbauen will, zu den drängenden Problemen hat sich Macron allerdings noch nicht geäußert. Es scheint, als würde eine Art künstlicher Hype um Macron erzeugt, um mit allen Mitteln die Wahl von Marine Le Pen zu verhindern, weil vielleicht nicht sein kann, was nicht sein darf.

Bild: © Depositphotos.com / Studioclover

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Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.