Für den Sudan gibt es sehr bald “kein Zurück mehr”

Köln:

Die internationale Gemeinschaft muss der Krise im Sudan dringend Vorrang einräumen und ihre Bemühungen zur Verhinderung einer Hungersnot verstärken, so die Hilfsorganisation Islamic Relief. Ein neuer IPC*-Bericht (https://www.ipcinfo.org/ipcinfo-website/countries-in-focus-archive/issue-104/en/), der gestern veröffentlicht wurde, zeigt, dass in den nächsten drei Monaten Höchstwerte an Hunger und eine Hungerkatastrophe für Massen an Menschen drohen. Mehr als 25 Millionen Menschen im Sudan – mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Landes – sind derzeit von schwerem Hunger und Nahrungsmittelknappheit betroffen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Islamic Relief in Darfur, wo die Ernährungszentren unterstützt, sehen bereits, wie an schwerer Unterernährung verzehren, da der seit mehr als einem Jahr andauernde Konflikt die Bauern von ihrem Land vertrieben, die Märkte zerstört und die humanitäre Hilfe behindert hat. In den letzten Wochen haben schwere Kämpfe und die Belagerung von Al-Faschir, der Hauptstadt von Nord-Darfur, die Region noch näher an eine Hungersnot gebracht.

Elsadig Elnour, Landesdirektor von Islamic Relief im Sudan, sagt zur Lage vor Ort: “Hilfsorganisationen warnen seit Monaten vor einer drohenden Hungersnot im Sudan, aber es scheint, dass niemand zuhört. Noch können große Verluste an Menschenleben verhindert werden, wenn die internationale Gemeinschaft aufmerksam wird und handelt, um einen Waffenstillstand zu unterstützen und mehr Hilfe für die hungernden Familien bereitzustellen. Doch je länger die Welt wartet, desto näher kommen wir dem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt und die Auswirkungen des Hungers für Millionen von Menschen unumkehrbar werden. Kleine Kinder zahlen den Preis der Unterernährung für den Rest ihres Lebens, da ihre körperliche und geistige Entwicklung stark beeinträchtigt wird.”

In einigen Teilen von Darfur benutzen die Teams von Islamic Relief jetzt Kamele, um die Nahrungsmittel zu den Gesundheits- und Ernährungszentren zu transportieren, da die Gefahr besteht, dass Lastwagen überfallen und geplündert werden.

IPC-Bericht: Schlimmste Ernährungsunsicherheit, die je im Land verzeichnet wurde

Der neue IPC-Bericht stellt fest, dass der Sudan mit der schlimmsten Ernährungsunsicherheit konfrontiert ist, die je in dem Land verzeichnet wurde. Die 5-Phasen-Skala des IPC zeigt, dass etwa 25 Millionen Menschen, also mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Landes, von einer “Krise” (Akuter Hunger, Phase 3) oder einem “Notfall” (Humanitärer Notfall, Phase 4) des Hungers betroffen sind und 755.000 Menschen von einer “katastrophalen” Hungersnot (Phase 5).

Die Gefahr einer Hungersnot ist in Darfur am größten, aber 14 Gebiete im ganzen Land sind extrem gefährdet – insbesondere Khartum, Kordofan, Al-Dschazira und Blue Nile.

Elsadig Elnour fährt fort: “Viele dieser am schlimmsten betroffenen Gebiete sind traditionell Kornkammern, in denen viel Nahrung produziert wird. Doch der seit über einem Jahr andauernde Krieg hat die Nahrungsmittelproduktion stark eingeschränkt und Millionen von Menschen gezwungen, ihr Land und ihre Häuser zu verlassen. Viele Landwirte berichten uns, dass es aufgrund der Präsenz bewaffneter Gruppen zu gefährlich für sie ist, zu pflanzen oder zu ernten, während Händler und Lebensmitteltransporter auf den Straßen geplündert und behindert werden und Hilfskonvois ebenso an Zugängen behindert werden.

Mindestens 8 Millionen Menschen sind in den letzten sechs Monaten in den Hungerzustand geraten und die Zahl der Menschen in IPC-Phase 5 – der extremsten, der Hungersnot – ist in nur wenigen Monaten von Null auf 755.000 angestiegen

Die größte Binnenvertreibungskrise der Welt benötigt mehr diplomatische Bemühungen

Der Sudan hat sich zur weltweit größten Binnenvertreibungskrise entwickelt: Mehr als 10 Millionen Menschen – fast ein Viertel der Bevölkerung – sind inzwischen aus ihren Häusern vertrieben worden. Viele sind nun völlig von humanitärer Hilfe oder dem Wohlwollen der jeweiligen lokalen Gemeinschaften, in die sie flüchten, abhängig.

Islamic Relief appelliert an die internationale Staatengemeinschaft, die diplomatischen Bemühungen zu verstärken, um die Konfliktparteien dazu zu bringen, einen Waffenstillstand zu vereinbaren und einzuhalten sowie die Mittel für die humanitäre Hilfe dringend aufzustocken. Nach der ersten Hälfte des Jahres hat der von den Vereinten Nationen geleitete Plan für humanitäre Hilfe im Sudan 2024 nur 17 Prozent der benötigten Mittel erhalten.

Die internationale Hilfsorganisation fordert ebenso die Konfliktparteien im Sudan dazu auf, die Friedensverhandlungen wiederaufzunehmen, den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten und die häufigen Behinderungen der humanitären Hilfe zu beenden.

Islamic Relief ist seit 40 Jahren, seit 1984, im Sudan tätig. Als Reaktion auf die derzeitige Krise haben Teams vor Ort mehr als 830.000 Menschen mit Nahrungsmitteln, Lebensmitteln, Bargeld-Hilfen, Wasser, sanitären Einrichtungen und medizinischer Versorgung versorgt.

*Erläuterung IPC-Bericht und IPC-Klassifizierung:

Der IPC-Bericht zum Sudan zum Nachlesen unter https://www.ipcinfo.org/ipcinfo-website/countries-in-focus-archive/issue-104/en/

Die “Integrated Food Security Phase Classification” (IPC), auf Deutsch “Integrierte Klassifizierung der Ernährungssicherheitsphasen”, ist eine globale Skala zur Klassifizierung von Lebensmittel- und Ernährungskrisen bzw. der globale Standard zur Messung der Ernährungsunsicherheit.

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Pressekontakt: Sara Ahmed Martinez
Pressereferentin
Telefon: 0221 200 499-2279
E-Mail: presse@islamicrelief.de

Quellenangaben

Bildquelle: Eine junge Mutter mit ihren Kindern und weiteren Kindern in einem Lager für Binnenvertriebene in Sennar, im Sudan. / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/50131 / Die Verwendung dieses Bildes für redaktionelle Zwecke ist unter Beachtung aller mitgeteilten Nutzungsbedingungen zulässig und dann auch honorarfrei. Veröffentlichung ausschließlich mit Bildrechte-Hinweis.
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