SPD und Grüne drängen auf Teil-Entkriminalisierung von Abtreibungen

SPD und Grüne drängen auf Teil-Entkriminalisierung von Abtreibungen

Berlin () – SPD, Grüne und Linke fordern eine Streichung des Paragrafen 218 zum von Schwangerschaftsabbrüchen aus dem Strafgesetzbuch. „Die Kriminalisierung prägt das gesellschaftliche Klima, erschwert den Zugang zu Informationen und verschlechtert die Versorgungslage, insbesondere in Süd- und Westdeutschland“, sagte Carmen Wegge, Sprecherin für und Verbraucherschutz der SPD-Bundestagsfraktion, der „Welt“ am Freitag.

Laut der am Mittwoch vorgestellten Elsa-Studie empfindet eine überwiegende Mehrheit von ungewollt schwangeren Frauen eine Stigmatisierung durch die Gesellschaft. Dass Abbrüche grundsätzlich rechtswidrig und nur unter Ausnahmen straffrei sind, sei ein Grund dafür.

Die Sozialdemokraten fordern nun, das zu ändern. Alle öffentlichen Krankenhäuser müssten zur Durchführung von Abbrüchen verpflichtet werden. Schwangerschaftsabbrüche sollten aus dem Strafrecht herausgelöst werden, bis zur zwölften Woche rechtmäßig und straffrei sein, so Wegge. Eine Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen solle ermöglicht werden. „Der Schwangerschaftsabbruch ist der jährlich am häufigsten durchgeführte medizinische Eingriff bei Frauen. Er ist bereits Teil der Lebensrealität vieler Frauen, und wir müssen die Stigmatisierung endlich beenden.“

Die Union sieht in den bestehenden Pflichtberatungen vor einem Abbruch einen „sicheren, neutralen Raum, um über genau diese Ängste und Gefühle zu sprechen“, so Anja Weisgerber (CSU), stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion. Je informierter Frauen seien, desto geringer die persönlichen Zweifel und das Stigmatisierungsgefühl.

„Für uns ist klar, dass wir die bestehende Regelung zum des ungeborenen Lebens keinesfalls aufweichen werden“, sagte Weisgerber der „Welt“. Ein „Aufbrechen des gesellschaftspolitischen Kompromisses“ des Paragrafen 218 könne zu einer „neuen, polarisierten Debatte führen“ und Frauen im Schwangerschaftskonflikt belasten. Das Bundesgesundheitsministerium sieht ebenfalls keinen Handlungsbedarf.

Die Grünen hingegen leiten einen Handlungsauftrag aus der Studie ab. Schwangerschaftsabbrüche seien heute noch eines der „größten Tabus, über das selbst im engsten Freundeskreis nicht gesprochen wird“, sagte Ulle Schauws, Sprecherin für Frauenpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion. „Denn ein Abbruch steht immer noch im Strafgesetzbuch und ist verboten, auch wenn es einen Weg gibt, straffrei zu bleiben.“ Diese Rechtslage befördere Stigmatisierung. „Und die Moral der katholischen Kirche trägt ebenso dazu bei.“

Eine Verbesserung der Versorgungslage könne es erst durch eine Entkriminalisierung geben, so Schauws. Erst dann könne es genügend Ärzte geben, die eine umfassende Ausbildung als Bestandteil der gynäkologischen Weiterbildung erhielten.

Auch die Linke bekräftigt ihre Forderung nach einer Reform. „Wie viele Nachweise braucht die Bundesregierung noch, um Frauen nicht weiter zu entmündigen?“, fragte Kathrin Gebel, frauenpolitische Sprecherin der Linksfraktion. Der Paragraf 218 müsse gestrichen werden, denn er bevormunde ungewollt Schwangere ebenso wie Ärzte und wirke sich negativ auf die Versorgungslage aus. „Schwangerschaftsabbrüche sollten ein normaler Teil der Gesundheitsversorgung sein“, sagte Gebel.

Die Kirche habe zu viel Macht, so die Linke-Politikerin. „Obwohl kirchliche Krankenhäuser bis zu 100 Prozent aus öffentlichen Geldern finanziert werden, drücken sie sich aus ideologischen Gründen vor ihrer Verantwortung als Gesundheitsdienstleisterin und lehnen auch medizinisch notwendige Abbrüche ab“, sagte Gebel. „Das Kirchenrecht darf keine OP- diktieren – im Krankenhaus gilt das Grundgesetz und nicht die Bibel.“

Die AfD lehnt eine Abschaffung des Paragrafen 218 indes ab. Das Bundesverfassungsgericht habe 1993 den Schutz ungeborenen Lebens betont, sagte Beatrix von Storch, stellvertretende Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion. Schwangerschaftsabbrüche dürften nicht als normal angesehen werden. „Es geht um ein Menschenleben. Das darf nie vergessen werden“, sagte sie. Es gebe eine „moralische Verantwortung für das ungeborene Kind“.

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Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Das Strafgesetzbuch in einer Bibliothek (Archiv)

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Institutionen, Organisationen oder Verbände kommen im Artikel vor?

SPD, Grüne, Linke, CSU, Bundesgesundheitsministerium, katholische Kirche, AfD

Zu welchem Zeitpunkt hat das beschriebene Ereignis stattgefunden?

Nicht erwähnt

An welchem Ort oder in welcher Region spielt das Geschehen?

Die Orte, an denen das beschriebene Ereignis stattfindet, sind: Berlin.

Wie lässt sich der Inhalt des Artikels in einem Satz zusammenfassen?

SPD, Grüne und Linke fordern die Streichung des Paragrafen 218 aus dem Strafgesetzbuch, um Schwangerschaftsabbrüche zu entkriminalisieren und die Stigmatisierung sowie die Versorgungslage zu verbessern, während die Union und AfD an der bestehenden Regelung festhalten.

Was war der Anlass oder Auslöser für das berichtete Ereignis?

Der Auslöser für die Forderung zur Streichung des Paragrafen 218 ist die am Mittwoch vorgestellte Elsa-Studie, die zeigt, dass viele ungewollt schwangere Frauen sich durch die bestehende Rechtslage stigmatisiert fühlen. Die SPD, Grüne und Linke argumentieren, dass die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen das gesellschaftliche Klima negativ beeinflusst, den Zugang zu Informationen erschwert und die medizinische Versorgung, insbesondere in bestimmten Regionen, verschlechtert. Sie fordern eine Entkriminalisierung und bessere Regelungen für den Zugang zu Abbrüchen.

Wie wurde auf das Ereignis durch Politik oder Öffentlichkeit reagiert?

Im Artikel wird beschrieben, dass SPD, Grüne und Linke die Streichung des Paragrafen 218 zur Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen fordern, um Stigmatisierung zu reduzieren und die Versorgungslage zu verbessern. Die Union und die AfD hingegen lehnen eine Abschaffung des Paragrafen ab und betonen den Schutz des ungeborenen Lebens.

Welche Folgen oder Konsequenzen werden im Beitrag thematisiert?

Die im Artikel erwähnten Folgen oder Konsequenzen sind:

Kriminalisierung prägt das gesellschaftliche Klima, erschwert Zugang zu Informationen, verschlechtert Versorgungslage in Süd- und Westdeutschland, Stigmatisierung durch die Gesellschaft, negative Auswirkungen auf die Versorgungslage, Bevormundung ungewollt Schwangerer und Ärzte, unzureichende Ausbildung von Ärzten, Einfluss der katholischen Kirche auf medizinische Entscheidungen, potenziell polarisierte Debatte, Unsicherheit und Zweifel bei Frauen im Schwangerschaftskonflikt.

Liegt zu dem Thema bereits eine Reaktion oder Stellungnahme vor?

Ja, im Artikel wird eine Stellungnahme zitiert. Carmen Wegge, Sprecherin für Recht und Verbraucherschutz der SPD-Bundestagsfraktion, betont, dass die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen das gesellschaftliche Klima negativ beeinflusst und den Zugang zu Informationen sowie die Versorgungslage insbesondere in Süd- und Westdeutschland erschwert. Sie fordert eine Streichung des Paragrafen 218 und der Abbruch sollte bis zur zwölften Woche rechtmäßig und straffrei sein.

Deutsche Textservice Nachrichtenagentur