
Berlin () – Die Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Monika Schnitzer, hält eine Reform der Erbschaftsteuer für zwingend erforderlich. Der Vorschlag der SPD habe die Debatte zwar neu eröffnet, doch „klar ist: Eine Reform ist unausweichlich“, schreibt Schnitzer in einem Gastbeitrag für das „Handelsblatt“ (Mittwochausgabe).
Das Bundesverfassungsgericht habe die geltenden Regelungen mehrfach beanstandet, zudem sei ein weiteres Verfahren anhängig. Änderungen würden daher notwendig sein – „unabhängig von Konjunkturlage oder politischem Timing“.
Schnitzer kritisiert eine systematische Begünstigung großer Vermögensübertragungen, insbesondere von Betriebsvermögen. In Deutschland würden Erbschaften und Schenkungen „sehr ungleichmäßig besteuert“, schreibt sie. Während steuerpflichtige Übertragungen zwischen 100.000 und 200.000 Euro im Durchschnitt mit rund 13 Prozent belastet würden, liege der effektive Steuersatz bei sehr großen Vermögensübertragungen von mehr als 20 Millionen Euro bei nur etwa acht Prozent.
Diese Ungleichbehandlung „widerspricht dem Leistungsfähigkeitsprinzip und trägt zur Verfestigung der Vermögensungleichheit bei“, so die Ökonomin. Zwischen 30 und 50 Prozent des privaten Vermögens in Deutschland stammten aus Erbschaften und Schenkungen.
Die häufig geäußerte Sorge, eine gleichmäßigere Besteuerung von Betriebsvermögen gefährde Unternehmen, weist Schnitzer zurück. Diese Befürchtung werde „empirisch nicht gestützt“. Internationale Studien fänden „keine systematischen negativen Effekte auf Beschäftigung oder Investitionen“.
Eine mögliche Liquiditätsbelastung zum Zeitpunkt der Übertragung lasse sich durch „großzügige Stundungsregelungen“ begrenzen. Der SPD-Entwurf sehe hierfür eine Frist von 20 Jahren vor. Dies sei „zielgenauer als die heutigen Verschonungsregeln“, die unternehmerischen Entscheidungen durch Lohnsummen- und Fortführungsauflagen verzerrten. Die Aufregung über den Vorschlag der SPD sei deshalb unbegründet, so Schnitzer.
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| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Monika Schnitzer (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Personen werden im Beitrag namentlich erwähnt?
Monika Schnitzer
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Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, SPD, Bundesverfassungsgericht, Handelsblatt
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Berlin
Wie lässt sich der Inhalt des Artikels in einem Satz zusammenfassen?
Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, fordert in einem Gastbeitrag eine dringend erforderliche Reform der Erbschaftsteuer in Deutschland, um die ungerechte Besteuerung großer Vermögensübertragungen zu ändern und die Vermögensungleichheit zu reduzieren.
Was war der Anlass oder Auslöser für das berichtete Ereignis?
Der Hintergrund für das Ereignis ist die Forderung nach einer Reform der Erbschaftsteuer in Deutschland. Monika Schnitzer weist auf die wiederholten Beanstandungen der geltenden Regelungen durch das Bundesverfassungsgericht hin und kritisiert die ungleiche Besteuerung von Erbschaften und Schenkungen. Sie betont, dass eine Reform notwendig ist, um Vermögensungleichheit zu verringern und die Steuerlast gerechter zu verteilen, unabhängig von der politischen Lage oder wirtschaftlichen Bedingungen.
Wie wurde auf das Ereignis durch Politik oder Öffentlichkeit reagiert?
Im Artikel wird darauf hingewiesen, dass Monika Schnitzer, die Vorsitzende des Sachverständigenrats, eine Reform der Erbschaftsteuer für dringend notwendig hält und die Debatte durch SPD-Vorschläge neu belebt wurde. Sie kritisiert die ungleiche Besteuerung von Vermögensübertragungen und betont, dass Ängste vor negativen Auswirkungen auf Unternehmen unbegründet seien.
Welche Folgen oder Konsequenzen werden im Beitrag thematisiert?
Die Folgen oder Konsequenzen, die im Artikel erwähnt werden, sind: Reform der Erbschaftsteuer erforderlich, Ungleichbehandlung bei der Besteuerung von Erbschaften führt zu Vermögensungleichheit, systematische Begünstigung großer Vermögensübertragungen problematisch, keine negativen Effekte auf Beschäftigung oder Investitionen laut internationaler Studien, mögliche Liquiditätsbelastung durch großzügige Stundungsregelungen begrenzbar, Aufregung über den Vorschlag der SPD unbegründet.
Liegt zu dem Thema bereits eine Reaktion oder Stellungnahme vor?
Ja, im Artikel wird eine Stellungnahme von Monika Schnitzer, der Vorsitzenden des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, zitiert. Sie betont, dass eine Reform der Erbschaftsteuer "unausweichlich" sei und kritisiert die derzeitige ungleiche Besteuerung von Erbschaften und Schenkungen, die zur Vermögensungleichheit beitrage.
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