Wachsende Kritik an Reiches Führungsstil im Ministerium

Wachsende Kritik an Reiches Führungsstil im Ministerium

() – Die Kritik an der Amtsführung von Katherina Reiche wächst innerhalb und außerhalb des von ihr geführten Bundeswirtschaftsministeriums.

Kritiker beklagen gegenüber dem „Spiegel“ Mikromanagement und fehlende Einbindung von Fachleuten. So kursiere im Ministerium ein Dokument, das minutiös vorschreibe, wie die Reden von Ministerin Katherina Reiche (CDU) vorzubereiten seien.

Die Anweisungen beträfen sowohl die Einordnung der Rede („Was erwarten die Zuhörenden?“) als auch kleinste technische Details – etwa dass die Begrüßung des Publikums „ohne Aufzählungszeichen, linksbündig“ und der Redetext in „ausführlicher Punktation“ aufzuschreiben seien. Klammern seien nur zu benutzen, wenn sie „unverzichtbar“ seien. Alle Dokumente seien in A4-Hochformat, Schriftsatz Arial 16 Punkt, Zeilenabstand 1,5 zu formatieren.

Das Schreiben, über das der „Spiegel“ berichtet, ging unter anderem an das Referat LB4, verantwortlich für „Reden und strategische Kommunikation“. Dort aber gibt es keine Redenschreiber mehr, wie mehrere Insider bestätigen. Die ehemalige Referatsleiterin, eingesetzt von Reiches Amtsvorgänger Robert Habeck (Grüne), sei direkt nach dem Regierungswechsel gegangen. Auch die beiden Redenschreiber, die unter ihr dienten, hätten die Abteilung verlassen. Ob und wann ihre Stellen neu besetzt werden, wollte das Ministerium auf Anfrage nicht verraten.

Das Dokument mit den Formatierungsregeln gelte manchen im Ministerium als Ausdruck von Reiches Hang zum Mikromanagement, der sich auch an anderen Stellen zeige. Anfang Januar soll die Abteilungsleiterin für Industriepolitik ihren Leuten erklärt haben, wie die Mappen für die Ministerin richtig zu packen seien und wie Reiche auf Themen vorbereitet werden müsse, heißt es laut „Spiegel“ aus dem Umfeld des Ministeriums.

Ähnliche Schulungen sollen auch in anderen Abteilungen stattgefunden haben oder geplant sein. Für die EEG-Novelle habe sich Reiche Input von den Chefs großer Energiekonzerne geholt, während ihre Fachabteilung teils parallel mit der Arbeitsebene derselben Konzerne gesprochen habe. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft habe der CDU-Politikerin bei einer Vorstands- und Präsidiumssitzung im Oktober nur vorab eingereichte Fragen stellen dürfen, berichten Beteiligte. Das Ministerium wollte diese Vorgänge nicht kommentieren.

Derzeit liegen mehrere wichtige Gesetzesvorhaben unter Federführung des BMWE hinter dem Zeitplan, darunter der Industriestrompreis und die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes. Auch die Aushandlung einer Kraftwerksstrategie für den Energiesektor zog sich länger hin als geplant.

In der Wirtschaft wächst die Ungeduld. „Von einem Aufbruch ist inzwischen immer weniger zu spüren“, sagte Johannes Gernandt, Chefvolkswirt des Maschinenbauverbands , dem „Spiegel“. „Es braucht echte Reformen und unbequeme Entscheidungen – jetzt.“ Auch Schleswig-Holsteins Energie- und Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) warnte vor den Folgen von Zögerlichkeit: „Zuletzt hat kein Unternehmen mehr Flächen für neue Windkraftanlagen auf See geboten, weil die Unsicherheiten zu groß sind.“ So sei unklar, mit welchen Finanzierungsbedingungen die Firmen rechnen könnten oder wie die Flächenverteilung künftig aussehen werde. Angesichts der Bedeutung der Offshore-Energie müsste Reiche eigentlich „schnellstens einen Krisengipfel aller Beteiligten einberufen, um den weiteren Ausbau sicherzustellen“, findet Goldschmidt. „Stattdessen geschieht nichts.“

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Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Katherina Reiche (Archiv)

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Institutionen, Organisationen oder Verbände kommen im Artikel vor?

CDU, Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, Grüne, VDMA, BMWE

Zu welchem Zeitpunkt hat das beschriebene Ereignis stattgefunden?

Nicht erwähnt

An welchem Ort oder in welcher Region spielt das Geschehen?

Berlin

Wie lässt sich der Inhalt des Artikels in einem Satz zusammenfassen?

Die Amtsführung von Katherina Reiche im Bundeswirtschaftsministerium steht aufgrund von Mikromanagement und unzureichender Fachkräfteeinbindung in der Kritik, was sich negativ auf wichtige Gesetzesvorhaben und die aktuelle Reformbereitschaft auswirkt.

Was war der Anlass oder Auslöser für das berichtete Ereignis?

Der Auslöser für die Kritik an Katherina Reiches Amtsführung ist ihr Mikromanagement sowie die fehlende Einbindung von Fachleuten im Bundeswirtschaftsministerium. Dies äußert sich in detaillierten Vorgaben zur Redevorbereitung und Unzufriedenheit über den langsamen Fortschritt wichtiger Gesetzesvorhaben, was zu wachsender Ungeduld in der Wirtschaft führt.

Wie wurde auf das Ereignis durch Politik oder Öffentlichkeit reagiert?

Die Kritik an Katherina Reiches Amtsführung wächst, da sie mit Mikromanagement und mangelnder Einbindung von Fachleuten konfrontiert wird. Medienberichten zufolge herrscht in der Wirtschaft und innerhalb des Ministeriums Unmut über Verzögerungen bei wichtigen Gesetzesvorhaben, während Experten einen dringenden Handlungsbedarf für Reformen und Entscheidungen einmahnen.

Welche Folgen oder Konsequenzen werden im Beitrag thematisiert?

Die Folgen oder Konsequenzen, die im Artikel erwähnt werden, sind:

Mikromanagement, fehlende Einbindung von Fachleuten, Verzögerungen bei wichtigen Gesetzesvorhaben, Ungeduld in der Wirtschaft, Rückgang an Angeboten für Windkraftanlagen, Unsicherheiten bei Finanzierungsbedingungen, unklare Flächenverteilung, Notwendigkeit eines Krisengipfels, fehlende Reformen und unbequeme Entscheidungen.

Liegt zu dem Thema bereits eine Reaktion oder Stellungnahme vor?

Im Artikel wird die Kritik von Johannes Gernandt, dem Chefvolkswirt des Maschinenbauverbands VDMA, zitiert: Er äußert, dass "von einem Aufbruch inzwischen immer weniger zu spüren" sei und fordert "echte Reformen und unbequeme Entscheidungen - jetzt." Außerdem warnt Schleswig-Holsteins Energie- und Umweltminister Tobias Goldschmidt davor, dass die Unsicherheiten in der Offshore-Windenergie dazu führen, dass Unternehmen keine Flächen mehr anbieten, und fordert von Reiche, schnell einen Krisengipfel einzuberufen.

Deutsche Textservice Nachrichtenagentur