Vollbremsung,
Kommentar zu Schaeffler von Helmut Kipp

Zur Vollansicht bitte auf das Bild klicken!

Vollbremsung, Kommentar zu Schaeffler von Helmut Kipp

3 min

Frankfurt (ots) – Das hatten sich die Finanzingenieure bei Schaeffler schön ausgedacht. Mit der Umwandlung von nicht börsennotierten Stamm- in gelistete Vorzugsaktien hätte sich die Eigentümerfamilie einen Weg geschaffen, um ohne Verlust an Einfluss Anteile verkaufen oder als Akquisitionswährung einsetzen zu können. Kein Wunder, dass solch ein Konzept so manchem Investor missfällt. Eine auf zwei Jahre verlängerte Haltefrist und eine Ausweitung des Dividendenaufschlags für Vorzugsaktionäre reichen da kaum aus, um kritische Gemüter wohlgesonnen zu stimmen.

Nun bleibt Konzernchef Klaus Rosenfeld und Großaktionär Georg Schaeffler nichts anderes als eine Vollbremsung. Sie verzichten auf ihre Umwandlungspläne. Das ist eine kluge Entscheidung. Zu peinlich wäre eine Abstimmungsniederlage auf der Hauptversammlung am kommenden Freitag gewesen. Solch eine Blamage hätte die Beziehungen zu wichtigen Investoren noch mehr strapaziert.

Das Argument, die Familie wolle sich mit der Umwandlung mehr Flexibilität verschaffen, geht letztlich ins Leere. Wäre das für den Konzern wirklich ein Aspekt von überragender Bedeutung, wäre es ein Leichtes gewesen, den erst zweieinhalb Jahre zurückliegenden Börsengang entsprechend zu strukturieren. Nun rächt sich, dass solche Erwägungen vor dem IPO nicht ausreichend berücksichtigt wurden.

Ohnehin mutet das ganze Umwandlungsprojekt reichlich antiquiert an. Quasi wie ein Relikt aus einer Zeit, als Aktionäre mehr als Geldgeber und weniger als Miteigentümer gesehen wurden. Schon seit langem sind stimmrechtslose Dividendentitel in Deutschland tendenziell auf dem Rückzug. So manches Unternehmen hat börsennotierte Vorzugsaktien in stimmberechtigte Papiere umgewandelt. Sie folgten dem Grundsatz „eine Aktie, eine Stimme“, den gerade angelsächsische Investoren vertreten, wohl wissend, dass diese Linie auch im Mutterland des Aktionärskapitalismus, den USA, längst nicht immer eingehalten wird – man denke nur an den Technologiesektor.

Die grundsätzliche Forderung nach Gleichberechtigung aller Aktionäre dürfte für den Widerstand gegen die Umwandlung von Schaeffler-Aktien ausschlaggebend gewesen sein. Kritiker können zwar mit den in Deutschland nach wie vor vertretenen stimmrechtlosen Papieren leben. Henkel und Volkswagen sind sogar mit Vorzügen im Dax präsent. Doch ein Wiedererstarken der ungeliebten Vorzugsaktien, wie es die Schaeffler-Pläne bedeutet hätte, geht vielen Investoren dann doch zu weit.

Quellenangaben

Textquelle:Börsen-Zeitung, übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/30377/3918148
Newsroom:Börsen-Zeitung
Pressekontakt:Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de

Das könnte Sie auch interessieren:

DIHK: Merkel muss in China weiter auf Öffnung des Marktes … Osnabrück (ots) - DIHK: Merkel muss in China weiter auf Öffnung des Marktes drängen Viele deutsche Unternehmen betrachten Bedingungen vor Ort als Risiko Osnabrück. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) fordert Bundeskanzlerin Angele Merkel (CDU) auf, sich bei ihrem Besuch in China am Donnerstag und Freitag für eine weitere Öffnung des chinesischen Marktes einzusetzen. Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des DIHK, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch): "Die Kanzlerin muss weiter darauf drängen, dass deutsche Unternehmen in China einen gleichberechtigen ...
Hohe Abbrecherquote bei Azubis – Alarmierend Straubing (ots) - Auch die Unternehmen müssen ihren Teil beitragen. Sie sollten sich um Neueinsteiger mit Defiziten kümmern und ambitionierten Lehrlingen Karriereperspektiven aufzeigen, die eher eine Ergänzung für eine Ausbildung darstellen als eine Alternative dazu. Ein Mindestlohn für Azubis, wie ihn die große Koalition nun einführen will, mag eine Ausbildung in dem einen oder anderen Beruf als Alternative zum Studium attraktiver machen. Aber das wiederum könnte gerade kleinere Betriebe finanziell überfordern. Auch sie brauchen Unterstützung.QuellenangabenTextquelle: Straubinger Tagblatt, üb...
IG BCE: Kein Grund für Bescheidenheit in Chemie-Tarifrunde Düsseldorf (ots) - Kurz vor Bekanntgabe der Tarifforderung für die chemische Industrie hat der Chef der IG Bergbau Chemie Energie, Michael Vassiliadis, erklärt, seine Beschäftigten müssten von der guten Konjunktur profitieren. Der Branche gehe es blendend, sagte er der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Samstagausgabe): "Das hören wir doch gerade auf jeder Bilanz-Pressekonferenz und jeder Hauptversammlung. Insofern sehe ich da auch überhaupt keinen Grund für Bescheidenheit." Eine konkrete Zahl nannte er zwar noch nicht, sagte jedoch: "Es sieht so aus, als würden wir uns nicht auf ...
Einzigartig Kommentar von Karl Schlieker zum Einzelhandel Mainz (ots) - Das Internet wird immer ein größeres Sortiment und oft auch einen günstigeren Preis bieten als der Handel vor Ort. Die Geschäfte müssen also zusätzliche Anstrengungen unternehmen, um die Kunden in die Innenstädte und dann noch in ihre Läden zu locken. Schicke Restaurants und Cafés sind derzeit vom Textilgeschäft über das Kaufhaus bis zum Buch- und Möbelhandel als zusätzliches Angebot in Mode. Das ist eine durchaus sinnvolle Ergänzung, um die Kunden zum Bleiben zu bewegen. Allerdings wird das Lockmittel an Attraktivität verlieren, wenn jeder diesen Trend reitet. So viel essen und ...
Kommunen fordern Investitionsoffensive für Warenhäuser – … Essen (ots) - Angesichts einer möglichen Warenhausfusion von Karstadt und Kaufhof hat der Deutsche Städte- und Gemeindebund eine Investitionsoffensive für die Innenstädte gefordert. "Wir würde die Fusion begrüßen, wenn damit eine Standort-Offensive verbunden wäre", sagte Gerd Landsberg, der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). "Wir brauchen eine Wiederbelebungsstrategie für die Innenstädte", fügte er hinzu. Landsberg warnte die Warenhausbetreiber zugleich vor einem "Kahlschlag" beim Filialnetz. Oft seien die Kaufhäuser präge...
Wo Rauch ist, Kommentar zu Henkel von Annette Becker Frankfurt (ots) - Das Urteil der Börse zum verpatzten Start von Henkel in den neuen Turnus ist recht vernichtend ausgefallen: Die im Dax notierten Vorzüge gaben in der Spitze um fast 6 Prozent nach. Zugegeben, bis zum Handelsende grenzte sich das Kursminus auf 2,3 Prozent ein. Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Düsseldorfer in den vergangenen Monaten viel Vertrauen bei den Investoren eingebüßt haben. Die Aktie ist auf dem Kursniveau von vor 15 Monaten angekommen, die im Vorjahr vollzogene Rekordjagd an den Börsen ging praktisch spurlos an dem Konsumgüterkonzern vorbei. Dabe...
www.presseportal.de - Die große Online-Datenbank für Presseinformationen in Text, Bild, Audio und Video. Pressemitteilungen und Pressematerial zu sehr vielen verschiedenen Themen. Ein Service von news aktuell aus der dpa-Firmengruppe.