Kolumbien vor der Wahl: Das Land leidet weiterhin an den …

Zur Vollansicht bitte auf das Bild klicken!

Kolumbien vor der Wahl: Das Land leidet weiterhin an den …

5 min

München (ots) –

Auch nach dem Friedensschluss mit der Guerillaorganisation FARC bleibt für die Zivilbevölkerung in vielen Regionen das tägliche Leben bedroht. Denn Kolumbien gehört weiterhin zu den am stärksten verminten Ländern der Welt. Die explosiven Kriegsreste, die verborgen in Feldern, Ruinen oder auf Schulwegen liegen, töten und verletzen zu 90 Prozent Zivilist/-innen. Landwirtschaft, Handel und das alltägliche Leben sind dadurch stark eingeschränkt. Oft trifft es Kinder wie den heute dreizehnjährigen Jemerson aus Corinto. Ein Blindgänger riss ihm eine Hand ab – da war er zehn Jahre alt. Um das weitläufige Land wieder sicher zu machen, arbeiten Dutzende Minenräum-Trupps, um in mühevoller Kleinarbeit die explosiven Überreste zu finden und unschädlich zu machen. Sie werden noch viele Jahre tätig sein müssen.

Jemerson hatte im Mai 2015 auf dem Weg zu einem Nachbarn ein Metallteil gefunden. Es sah fast aus wie ein Ball. Als er es aufhob, explodierte der Blindgänger und riss ihm die linke Hand ab. Jemerson musste viele Operationen überstehen und kämpft bis heute mit den psychischen Folgen des Unfalls. Die Hilfsorganisationen Handicap International und Tierra de Paz unterstützen den Jungen seitdem mit Rehabilitations-Maßnahmen und psychologischer Hilfe. Um derartige Unfälle zu verhindern, sind in Kolumbien Dutzende Minenräum-Teams im Einsatz. Sie erheben und werten Daten aus, erstellen Landkarten, markieren Gefahrenstellen, fertigen genaue Dokumentationen an und zerstören Sprengkörper. In unwegsamem Gelände müssen die Expert/-innen oftmals auf den Knien die Erde untersuchen – Meter für Meter. Erst nach der Arbeit der Teams können die Gemeinden die entminten Gebiete der Bevölkerung zurückgeben.

Angst begleitet die Entminungs-Teams

Johana ist Leiterin eines sechsköpfigen Entminungs-Teams. „Wir starteten im vergangenen Juli mit einem Gebiet in einem Stadtbezirk von Cajibo (Cauca). Dort haben wir, entlang des Panamerikanischen Highways, ein 411 Quadratmeter großes Feld von Sprengsätzen befreit. Die Arbeit dort war sehr mühsam, kompliziert und zeitaufwendig, da die Straße sehr laut und das Gebiet mit Metall verschmutzt ist. Daher konnten wir in diesem Fall keine Metalldetektoren verwenden. Sie würden die Sprengsätze nicht erkennen und wir würden das ertönende Signal nicht hören. Daher musste das Team die Grasflächen kurz schneiden und manuell in der Erde entlang des Felds sondieren.“ Angst verspüre sie dabei immer, berichtet Johana weiter. Das Wichtigste sei, die Sicherheitsregeln zu befolgen und den Vorgang Schritt für Schritt durchzuführen. „Man muss sich die Zeit nehmen und darf nicht hetzen“, bekräftigt die 26-Jährige.

Räumung der Minen wird noch Jahrzehnte dauern

„Explosive Kriegsreste verhindern nach dem Krieg die sichere Rückkehr der Bevölkerung in ihr Zuhause“, erklärt Eva Maria Fischer, Leiterin der politischen Abteilung von Handicap International. „In Kolumbien sind 31 von 32 Departamentos vermint. Wir sind mit mehreren Räumungs-Teams im Einsatz, doch es wird auch nach dem Friedensschluss noch Jahrzehnte dauern, bis alle explosiven Kriegsreste beseitigt sind“, so Fischer weiter. Die Expert/-innen von Handicap International veranstalten darüber hinaus Programme zur Gefahrenaufklärung über Minen und Blindgänger, um vor allem Kinder, die in den betroffenen Gebieten leben müssen, im Umgang mit der Gefahr zu schulen und somit die Zahl der Opfer zu verringern.

Handicap International

Zur Organisation: Handicap International ist eine unabhängige gemeinnützige Organisation, die bei Armut und sozialer Ausgrenzung, bei Konflikten und Katastrophen interveniert. Sie unterstützt Menschen mit Behinderung und andere besonders schutzbedürftige Menschen, damit ihre grundlegenden Bedürfnisse gedeckt werden, sich ihre Lebensbedingungen verbessern und ihre Grundrechte besser respektiert werden. Insgesamt ist die Organisation in ca. 60 Ländern aktiv. Handicap International ist eines der sechs Gründungsmitglieder der Internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen (ICBL), die 1997 den Friedensnobelpreis erhalten hat, und aktives Mitglied der internationalen Koalition gegen Streubomben (CMC).

Quellenangaben

Bildquelle:obs/Handicap International/Juan Manuel Vargas/HI
Textquelle:Handicap International, übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/16206/3951519
Newsroom:Handicap International
Pressekontakt:Huberta von Roedern | Handicap International e.V.
Leiterin Öffentlichkeitsarbeit | Head of Communications
Leopoldstr. 236
80807 München – Deutschland
Tel.: +49 (0)89 54 76 06 34
Mob: + 49 (0)15173023206
www.handicap-international.de

Das könnte Sie auch interessieren:

Neustart im Netz: Safer Sex gibt’s jetzt dreifach -- Safer Sex 3.0 http://ots.de/XUoJYo -- Berlin (ots) - Relaunch bei der schwulen Kampagne ICH WEISS WAS ICH TU der Deutschen AIDS-Hilfe / Schwerpunkt Safer Sex 3.0: Vor HIV schützen heute Kondome, die Prophylaxe PrEP und Schutz durch Therapie Eine einfache Webseite für eine Vielfalt an Möglichkeiten: So präsentiert sich der komplett neu gestaltete Internet-Auftritt von ICH WEISS WAS ICH TU (IWWIT), der Kampagne für schwule und bisexuelle Männer der Deutschen AIDS-Hilfe. Sie ist heute unter www.iwwit.de online gegangen. Unter dem Schlagwort "Safer Sex 3.0" macht die Kampagne aktuelle Entwicklu...
Manfred Ländner: SPD offenbart doppelzüngiges Verhältnis zur … München (ots) - "Es ist scheinheilig, wie die SPD mit unseren Polizisten umspringt. Erst beteiligt sich die Partei an Demonstrationen, auf denen die Antifa offen gegen 'Bullen' hetzt und Polizisten beleidigt, nun heuchelt sie Interesse an den Bedürfnissen der Dienststellen." Mit diesen Worten kommentiert Manfred Ländner, Vorsitzender des Innenausschusses im Bayerischen Landtag, den "Praxistag Polizei" der SPD-Landtagsfraktion. "Das ist eine billige Wahlkampfmasche auf dem Rücken unserer Polizisten und zeugt von doppelzüngigem Verhalten. Die SPD muss sich entscheiden, auf welcher Seite sie steh...
Stephan Weil wünscht Andrea Nahles bei Wahl weniger als 100 … Osnabrück (ots) - Stephan Weil wünscht Andrea Nahles bei Wahl weniger als 100 Prozent Niedersachsens SPD-Ministerpräsident unterstützt Kandidatur: "Ich halte viel von Andrea Nahles" Osnabrück. Niedersachsen SPD-Landeschef Stephan Weil wünscht der designierten Bundesvorsitzenden Andrea Nahles ein schlechteres Ergebnis als ihrem Vorgänger Martin Schulz. "Ich wünsche ihr, dass es keine 100 Prozent werden", sagte Weil im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag). Schulz hatte im März 2017 den Parteivorsitz ohne Gegenstimme errungen. "Das hat sich nicht bewährt", sagte Weil. Das Wahle...
Ebola in D.R. Kongo: Erster Fall in Millionenstadt äußerst … Kinshasa/Berlin (ots) - Ärzte ohne Grenzen ist besorgt über den ersten bestätigten Ebola-Fall in der Millionenstadt Mbandaka in der Demokratischen Republik Kongo. "Mit dem Fall in Mbandaka ist die Situation äußerst ernst und besorgniserregend geworden, da die Krankheit erstmals eine Stadt erreicht hat", sagt Henry Gray, Notfallkoordinator von Ärzte ohne Grenzen. "Der aktuelle Ebola-Ausbruch ist der neunte im Kongo in den vergangenen vierzig Jahren. Bisher waren aber alle in sehr isolierten Regionen, wie vergangenes Jahr in Likati, wodurch sich die Krankheit nie weit verbreitet hat." Ärzte ohne...
Massenflucht der Venezolaner: Jagd auf Migranten -- Mehr SOS-Infos http://ots.de/rg3ulK -- München/Caracas (ots) - Hyperinflation, Hunger, Gewalt: Während sich die politische Krise Venezuelas in Straßenschlachten entlädt, Kinder verhungern, Alte und Kranke sterben, fliehen immer mehr Venezolaner vor der wirtschaftlichen und humanitären Krise aus ihrer Heimat in die Nachbarländer - doch dort sehen sie sich inzwischen mit offener Gewalt konfrontiert. "Die brutalen Jagdszenen in Pacaraima in der letzten Woche erfüllen uns mit großer Sorge", sagt Louay Yassin, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit in München. In dem brasilianischen Gren...
Vor EU-Türkei-Gipfel warnt CDU-Außenexperte Elmar Brok vor … Osnabrück (ots) - Vor EU-Türkei-Gipfel warnt CDU-Außenexperte Elmar Brok vor Bruch mit Ankara Europaabgeordneter: Eine Türkei, die ins islamistische Lager wechselt, wäre viel gefährlicher Osnabrück. Vor dem EU-Türkei-Gipfel hat der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok vor dem totalen Bruch mit der Türkei gewarnt. In einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Montag) sagte der langjährige Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Europaparlament: "Die EU sollte nicht mit der Türkei brechen, denn das wäre ein strategischer Fehler." Nach wie vor kooperiere die Türkei mit Europa in wichtigen...
www.presseportal.de - Die große Online-Datenbank für Presseinformationen in Text, Bild, Audio und Video. Pressemitteilungen und Pressematerial zu sehr vielen verschiedenen Themen. Ein Service von news aktuell aus der dpa-Firmengruppe.