Kommentar
Ministerpräsident Laschet bleibt der Ruhrtriennale …

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Kommentar Ministerpräsident Laschet bleibt der Ruhrtriennale …

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Bielefeld (ots) – Kunst muss frei sein. Sie muss, auch wenn sie staatlich gefördert wird, mit den ihr eigenen ästhetischen Mitteln frei die Welt ergründen können – und diese sind eben nicht immer politisch korrekt, sondern auch abwegig, sperrig, unbequem, aufrüttelnd, berührend, verstörend und schon gar nicht parteipolitisch kompatibel. Nur wenn Kunst sich quer zu den Dingen stellen kann, dann gewinnt sie überhaupt Relevanz, dann ist sie in der Lage, uns neue Sichtweisen und Sehgewohnheiten zu eröffnen und unser Denken zu erweitern. Gerade ein Festival wie die Ruhrtriennale, das 2002 gegründet und seitdem durchaus großzügig gefördert wurde, lebte bisher davon, dass es seinen jeweiligen Intendanten Frei- und Spielräume eingeräumt hat, international renommierte Künstler ins Ruhrgebiet zu holen, die sich mit ästhetisch anspruchsvollen Inszenierungen eben auch in die politischen, gesellschaftlichen, kulturellen Diskurse und Verhältnisse eingemischt haben. Genau das sollte auch in Zukunft so bleiben. Insofern ist es mit einigem Befremden zu beobachten, dass NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) nun dem Festival fernbleibt, weil dessen neue Intendantin Stefanie Carp die schottische Band Young Fathers eingeladen hat. Die steht der Israel-Boykott-Bewegung BDS nahe, die seit 2005 existiert, aus rund 150 zivilgesellschaftlichen palästinensischen Gruppen besteht und unter anderem zum zweifelhaften Boykott israelischer Waren aufgerufen hat. Ja, es war falsch gerade in diesem Land, in dem einst mit dem Boykott jüdischer Geschäfte die Entrechtung der Juden und der Holocaust begannen, mit einer gewissen Arglosigkeit die Band – die allerdings nie durch antisemitische Texte aufgefallen ist – ein-, aus- und wieder einzuladen, bis diese schließlich selbst absagte. Auch dass Carp die anstelle des Konzerts angesetzte Podiumsdiskussion über die Freiheit der Kunst eher unglücklich besetzt und auf den Sabbat – also den jüdischen Ruhetag – gelegt hat, war wenig geschickt, ist aber noch lange kein Grund, sie generell unter Antisemitismus-Verdacht zu stellen. Aber genau das Geschäft betreibt Laschet mit, der mit seiner Ansage, nun gar keine Veranstaltung des Festivals besuchen zu wollen, indirekt unterstellt, dass die gesamte Ruhrtriennale politisch kontaminiert sei. Das aber ist nicht der Fall. Die Reaktion des Ministerpräsidenten ist überzogen und diskreditiert das Festival. Er hätte besser selbst an der Debatte über die Freiheit der Kunst teilgenommen, statt ein solch falsches Signal in Sachen Kunstfreiheit zu setzen.

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