Kirchliches Arbeitsrecht, Kommentar von Peter Kurz zum Urteil …

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Kirchliches Arbeitsrecht, Kommentar von Peter Kurz zum Urteil …

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Düsseldorf (ots) – Es ist schon bemerkenswert, mit welcher Hartnäckigkeit ein katholisches Krankenhaus durch alle Gerichtsinstanzen für den Rauswurf eines Chefarztes streitet – nur, weil dieser nach seiner Scheidung erneut standesamtlich geheiratet hat. Die Erklärung: Es geht ums sehr Grundsätzliche. Denn da hat ein Katholik durch Wiederheirat das Prinzip der Unauflöslichkeit der Ehe verletzt, das zu den wesentlichen Regeln der katholischen Glaubens- und Sittenlehre zählt. Und es geht darum, dass sich die Katholische Kirche nicht gefallen lassen will, dass ihr der Staat mit seinem weltlichen Arbeitsrecht reinredet. Auch die Worte des Europäischen Gerichtshofs über eine mögliche Diskriminierung des Chefarztes will man so nicht stehen lassen. Die Bischofskonferenz beharrt weiter darauf, dass es Sache der Kirche, nicht aber der staatlichen Gerichte sei, welche Loyalitätserwartungen sie an ihre Mitarbeiter stellt. Bei einem Arzt sollte es doch um die Qualität seiner medizinischen Arbeit gehen. Ärzte sollen ihre Patienten heilen und nicht missionieren. Die Katholische Kirche dagegen pocht darauf, dass jedenfalls Inhaber einer exponierten Position – und eine solche ist der Chefarztposten – eine Vorbildfunktion haben. Legt man das kirchliche Ethos zugrunde, dann ist der Chefarzt diesem Anspruch nicht gerecht geworden. Selbst wer diesen Gedankengang noch mitgeht, kann dem Arbeitgeber doch ein Stück Heuchelei vorwerfen. In dem Fall war es nämlich so, dass das Krankenhaus auch nicht katholische Chefärzte beschäftigte. An deren Verhalten konnten gar nicht dieselben Maßstäbe angelegt werden. Insofern wurde der gekündigte Chefarzt im Verhältnis zu diesen diskriminiert. Hinzu kam, dass der Chefarzt vor seiner Wiederheirat – toleriert vom Arbeitgeber – in „wilder Ehe“ mit der von ihm schließlich geheirateten Frau lebte. In „schwerer Sünde“ sozusagen. Es fällt schon schwer, sich in modernen Zeiten in diese Gedankenwelt hineinzuversetzen. In eine Gedankenwelt, in der doch immer von Toleranz und Nächstenliebe die Rede ist. Und in der dann Prinzipien über persönliche Autonomie gestellt werden. Und über Fragen der Qualifikation. Eine Prinzipientreue, von der überdies auch die Partnerin oder der Partner betroffen ist, der den Geschiedenen heiraten möchte. Und der dafür mit dem Verlust seiner Arbeitsstelle bezahlen soll. Wie christlich ist das denn?

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