Voreiliger Abgesang

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Voreiliger Abgesang

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Frankfurt (ots) – Wer hätte das gedacht? Die Euro-Wirtschaft ist doch noch zu positiven Überraschungen fähig. Mit 0,4% fiel das Wachstum zu Jahresbeginn doppelt so stark aus wie Ende 2018 und sogar noch etwas kräftiger als von den meisten Experten prognostiziert. Nun macht eine Wachstumsschwalbe sicher noch keinen Konjunktursommer. Aber die Schwanengesänge auf die Euro-Wirtschaft, die zuletzt selbst in der Europäischen Zentralbank (EZB) zu vernehmen waren, entpuppen sich doch als verfrüht und übertrieben.

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In den vergangenen Monaten konnte man mitunter den Eindruck bekommen, Euroland stehe erneut am (wirtschaftlichen) Abgrund. Dieser Pessimismus war aber ebenso überzogen wie die vorherige Konjunktureuphorie, als noch Anfang 2018 viele dachten, es könne auf Dauer so weitergehen wie im Rekordjahr 2017. Der anhaltende Beschäftigungsaufbau, anziehende Löhne, weiterhin lockere Finanzierungsbedingungen – das alles stützt die Euro-Wirtschaft nach wie vor und macht sie widerstandsfähig(er) gegen all die Risiken von außerhalb. Die Gefahr einer Rezession ist aktuell gering. Bei aller nötigen Vorsicht bei den neuen Daten: Vieles spricht dafür, dass die Wirtschaft weiter wächst – wenn auch nicht so fulminant wie anno 2017.

Das heißt aber auch nicht, dass nun alles gut ist – im Gegenteil! Die Handelskonflikte samt drohender US-Strafzölle auf EU-Autos und das Brexit-Desaster schweben weiter wie ein Damoklesschwert über der Euro-Wirtschaft. Alle Beteiligten müssen Ruhe und Vernunft bewahren und diese Risiken schnellstmöglich im positiven Sinne auflösen. Dazu kommen hausgemachte Probleme wie das aberwitzige Regierungsgebaren in Italien oder der Stillstand bei der Reform der Währungsunion. Die Euro-Politik muss aufhören, sich im Notfall stets hinter der EZB zu verstecken, und endlich ihrer Verantwortung gerecht werden. Dazu gehören auch entschlossene Strukturreformen in allen Ländern – statt Reformrollen rückwärts – und mehr Investitionen in die Zukunft. Nur so lässt sich mehr wirtschaftliche Dynamik entfesseln und dauerhaft höheres Wachstum erreichen.

Und die EZB? Anfang März hat sie bereits mit einer Verschiebung der Zinswende bis mindestens ins Jahr 2020 hinein und neuen Geldspritzen für die Banken auf die Konjunkturschwäche reagiert. Es lässt sich streiten, ob das – zumal zu dem frühen Zeitpunkt – nötig war. In jedem Fall aber besteht jetzt kein Grund, die ohnehin ultraexpansive Geldpolitik erneut stark zu lockern. Aktionismus ist nun genauso wenig angezeigt wie Alarmismus und ein voreiliger Abgesang auf die Euro-Wirtschaft.

(Börsen-Zeitung, 01.05.2019)

Quellenangaben

Textquelle:Börsen-Zeitung, übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/30377/4258886
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