ein Leitartikel zur Bienenrettung

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ein Leitartikel zur Bienenrettung

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Bielefeld (ots) – Wenn es so weitergeht, wird die Biene zum neuen deutschen Wappentier. Sie ist ja auch viel niedlicher als der unnahbare Bundesadler, dessen Artgenossen sich ebenfalls auf der Roten Liste eingenistet haben. Selbst im Deckel des Nutella-Glases finden sich derzeit Samenmischungen, die üppige Bienenweiden noch im kleinsten Blumentopf auf dem Balkon versprechen. »Rettet die Bienen!«, lautet der kategorische Imperativ, hinter dem sich tausende und abertausende Unterstützer von Volksbegehren versammeln. Selbst der EU wollen die neuen Bienenfreunde Beine machen. Eine Million Unterschriften müssen binnen eines Jahres eingesammelt werden – das dürfte ein Klacks sein. Es ist doch so schön, ein Bienenfreund zu sein! Insektenkundlern wird schon ganz blümerant angesichts der vielen Blütenteppiche, die auf Gartenbeeten und Gehwegstreifen sprießen. Manchmal finden sich in den Samentüten allerdings nicht einmal einheimische Pflanzensorten, sondern billige Mischungen aus Import-Samen. Die erblühen dann zwar prächtig und verschaffen dem Gärtner ein gutes Gefühl, liefern den Wildbienen, um die es ja geht, aber keine Nahrung. So löblich und punktuell hilfreich das bienenfreundliche Gärtnern mit den richtigen Pflanzensamen am richtigen Ort auch sein mag: Den Verlust an natürlichem Lebensraum der Wildbienen vermag diese Volksbewegung nicht auszugleichen. Fort mit dem Mähroboter! Lasst den Löwenzahn blühen! Schüttet Mutterboden auf die Kiesgärten! Lasst Ranken an den Gabionen wachsen! Da schreckt so mancher Bienenfreund dann doch zurück. Und wenn irgendwo ein Hornissennest am Haus hängt, dann ist es um die Liebe zur Natur geschehen. Das ist ein bisschen wie bei Schülern, die der Klimaaktivistin Greta zujubeln, sich aber mit Muttis SUV zur Demo kutschieren lassen. Wer den Bienen wirklich helfen will, der muss einen Blick über den Gartenzaun hinaus werfen. Auf die Äcker und Wiesen, die gedüngt und bis zum letzten Halm genutzt werden. Weil die Landwirte böse Menschen sind, denen unsere Natur schnuppe ist? Unsinn: Weil Agrarprodukte eben Produkte sind, die sich am Markt gegen die nationale und internationale Konkurrenz behaupten müssen. Die nicht viel kosten dürfen, weil der Verbraucher nun einmal ein Knauser ist, auch wenn er Bienen mag. Halt, werden nun die Landwirte aus OWL einwenden. Allein in diesem Frühjahr haben sie entlang der Felder mehr als 900 Kilometer Blühstreifen angelegt. Da sage noch einer, sie täten nichts für die Bienen! Selbstverständlich ist diese Aktion lobenswert. Aber auch hier geht es am Ende um bloßen Naturersatz. Vielleicht esse ich künftig lieber Honig statt Nutella. Das hilft den Wildbienen zwar auch nicht, ist aber bestimmt gut fürs Gewissen.

Quellenangaben

Textquelle:Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/66306/4272759
Newsroom:Westfalen-Blatt
Pressekontakt:Westfalen-Blatt
Scholz Stephan
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