Radeln für die Erinnerung – Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde …

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Radeln für die Erinnerung – Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde …

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Berlin (ots) –

www.nachrichten-heute.net:

Als sich Rudolf Wunderlich am 10. Juni 1944 in Berlin Steglitz auf sein Fahrrad schwang, um in die Schliemann-Straße in Prenzlauer Berg zu radeln, wusste er, dass es jetzt nur noch einen Weg gab: den Weg in die Freiheit. Würde ihn jemand erkennen? Würde er erfolgreich untertauchen können oder wieder im KZ landen und womöglich am Galgen? Rudi wusste, dass Zögern und Angst jetzt seine gefährlichsten Gegner waren, also trat er beherzt in die Pedale. Als er plötzlich den Wagen des Lagerkommandanten auf sich zukommen sah, sah er weg und hoffte das Beste. Nur nicht zögern, nicht auffallen. Die waghalsige Flucht gelang. Rudi konnte untertauchen, zunächst in Berlin, dann in seiner Heimatstadt Leipzig. Nach fünf Jahren im KZ war er noch nicht in Sicherheit, aber er war frei.

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An seine spektakuläre Flucht erinnert die Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde e.V. (IKZ) am 10. Juni mit einer jährlichen Gedenkfahrt. Alle, die mit an das Leid, aber auch den Mut von Häftlingen und Zwangsarbeitern im NS-Staat erinnern wollen, lädt sie ein, mit zu machen. Am Pfingstmontag, den 10.6., um 10 Uhr soll es am Ort des ehemaligen Wirtschaftsverwaltungshauptamtes – dem Startpunkt von Rudis Flucht – los gehen. Heute erinnert an der Adresse Unter den Eichen 126 – 135 in Berlin-Steglitz eine Gedenktafel an den Ort, an dem die wirtschaftlichen Aktivitäten der SS im ganzen deutschen Reich und den von ihm besetzten Gebieten geplant und kontrolliert wurden. Ob es um das Zahngold ermordeter Juden oder die Gewinne SS-eigener Betriebe ging, hier wurde das alles verwaltet. Rudi Wunderlich war hier zur Zwangsarbeit eingeteilt. Er war Häftling im nahegelegenen Außenlager Lichterfelde. Häftlinge aus Sachsenhausen lebten hier im ersten und größten Zwangsarbeiterlager, das die SS für eigene Zwecke in der Reichshauptstadt unterhielt.

“Das Leid der Häftlinge, die Ausbeutung der Zwangsarbeiter fand mitten in Berlin statt,” erklärt Thomas Schleissing-Niggemann, Vorsitzender der IKZ. “Die Häftlinge räumten Bombenschäden und fuhren zu ihren Arbeitseinsätzen quer durch die Stadt, für jeden sichtbar und an ihrer Häftlingskleidung für jeden gut erkennbar. Die Betriebe in Berlin hätten ohne Zwangsarbeiter gar nicht mehr funktionieren können. Fast überall, wo gearbeitet wurde, arbeiteten auch Zwangsarbeiter. Wir wollen daran erinnern, wie sehr das NS-Terrorregime in den Alltag verwoben war. Wir wollen aber auch daran erinnern, dass es Widerstand gab, Hoffnung und Mut.”

Gegen 12 Uhr wird die Gedenkfahrt in der Schliemannstraße 9 in Prenzlauer Berg – Rudis Ziel – enden.

Um an das Schicksal der Häftlinge und den Terror vor der eigenen Haustür zu erinnern, hat die Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde dieses Jahr mit Unterstützung der Lotto-Stiftung die Smartphone-App “Satelllite Camps” herausgebracht. Sie stellt Außenlager des KZ-Sachsenhausen in Berlin vor und stellt dabei auch das Schicksal ausgewählter Häftlinge in Zeitzeugenberichten vor. Einer dieser Häftlinge ist Rudi Wunderlich. Die App ist im Apple Store und Google Play Store kostenfrei verfügbar.

Quellenangaben

Bildquelle:obs/Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde e.V./Annette Pohlke
Textquelle:Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde e.V., übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/133239/4288908
Newsroom:Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde e.V.
Pressekontakt:Thomas Schleissing-Niggemann
0176 64 100 812
vorsitzender@ikz-lichterfelde.de

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