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DIW-Präsident Fratzscher: “Wiederbaufonds ist im deutschen Interesse”

Berlin (ots) – Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, hat begrüßt, dass Deutschland und Frankreich in der Corona-Krise eine Führungsrolle einnehmen.

Der beschlossene Wiederaufbaufonds in Höhe von 500 Milliarden Euro sei ein “wichtiges Signal der Solidarität und der Vernunft”, sagte Fratzscher am Mittwoch im Inforadio vom rbb. Auch aus taktischen Gründen sei es gut, dass dieser Vorschlag aus Berlin und Paris komme und nicht aus Brüssel: “Wenn die EU-Kommission einen Vorschlag vorlegt, dann wird er erstmal von allen zerpflückt. Und wenn ein österreichischer Kanzler Kurz dann erstmal auf die Europäische Kommission einprügelt, dann ist es schwierig für die sich zu wehren. Wenn Angela Merkel und Emmanuel Macron einen Vorschlag vorlegen, dann ist es für Sebastian Kurz deutlich schwieriger die beiden anzugehen und zu attackieren.” Das sei die Logik, die dahintersteckt, so Fratzscher: “Man zieht die Kommission im Prinzip im Windschatten hinter sich her.”

Der DIW-Präsident stellte zugleich klar, dass der Wiederaufbaufonds für ihn etwas vollkommen anderes ist als Corona-Bonds. Es sei eben nicht so, dass Deutschland direkt dafür geradestehen müsste, “wenn beispielsweise Italien in eine Staatspleite laufen würde”: “Das ist dieser Wiederaufbaufonds eben nicht. (…) Es ist keine gemeinsame Haftung.” Außerdem betonte Fratzscher, dass auch Deutschland einen Teil der eingeplanten 500 Milliarden Euro erhalten werde: “Der größte Teil dieses Geldes geht dorthin zurück, wo er eingezahlt wurde.” Das bedeute, dass etwa 60 bis 80 Prozent des von Deutschen eingezahlten Geldes nach Deutschland zurückkommen: “Denn das Geld soll den am stärksten betroffenen Regionen und den am stärksten betroffenen wirtschaftlichen Sektoren und Branchen zu Gute kommen.” Das seien in Deutschland beispielsweise die Gastronomie und das Hotelgewerbe. Fratzscher betonte, der Wiederaufbaufonds sei deshalb nicht nur ein Akt der Solidarität, sondern auch “ein Akt aus Eigeninteresse”. Es gehe darum die eigenen wirtschaftlichen Interessen zu sichern: “Wir Deutschen profitieren davon, wenn es auch in Italien gut läuft. Oder umgekehrt: Wenn wir ein Problem in Italien haben, (…) dann haben auch wir in Deutschland ein Problem. Denn die Hälfte unserer Wirtschaftsleistung sind Exporte und über die Hälfte der Exporte gehen nach Europa.”

Den Podcast “Corona – Das Virus und die Wirtschaft” mit dem DIW-Präsidenten können Sie auf inforadio.de hören sowie auf allen gängigen Podcast-Plattformen und in der ARD-Audiothek.

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