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Die Zukunft der Stiftung

Berlin (ots) – Kurzform:

Die Idee der Auflösung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) und der Stärkung der einzelnen Institutionen ist ein radikaler Vorschlag. Man sollte skeptisch bleiben, ob sie sich auch als das richtige Rezept erweist. Denn erstens wird sich zeigen müssen, ob sie den parlamentarischen Aushandlungsprozess überleben wird. Die Länder – mit Ausnahme des Landes Berlin – aus ihrer Pflicht zu entlassen und den Einfluss der Bundespolitik so maßgeblich zu erhöhen, könnte sich für ihre Nachfolgeorganisationen als kulturpolitische Fußangel entpuppen. Und zweitens gibt es eine Unmenge von Fragen der Reorganisation, die das Gutachten unbeantwortet lässt. Das Gutachten des Wissenschaftsrates taugt als kraftvoller Anstoß zu einer grundlegenden Debatte. Nun sollten die Praktiker das Wort haben.

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Der vollständige Leitartikel:

Als in der vergangenen Woche erste Details aus den Evaluierungsgutachten des Wissenschaftsrates zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) in die Öffentlichkeit sickerten, war die Aufregung groß und schnell ein schiefer Ton gesetzt. Von “Dysfunktionalität” war da zu lesen und davon, dass die SPK nunmehr “zerschlagen” werden sollte – als wäre Deutschlands größte Kulturstiftung ein einziges Ärgernis, dessen man sich schnellstmöglich entledigen sollte. Natürlich ist sie das nicht. Die SPK ist mit ihren fünf Einrichtungen – den Staatlichen Museen, der Staatsbibliothek, dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, dem Ibero-Amerikanischen Institut und dem Staatlichen Institut für Musikforschung – ein weltweit einzigartiges Konglomerat kultureller Überlieferung. Nach der Wiedervereinigung hat sie es in einem großen Kraftakt geschafft, die Sammlungsbestände aus Ost und West wieder zusammenzuführen. Und unter ihrem aktuellen, seit 2008 amtierenden Präsidenten Hermann Parzinger schultert sie eine eindrucksvolle Zahl zusätzlicher Belastungen: Die Digitalisierung musealer Bestände, die großen Sanierungsprojekte wie an der Museumsinsel, das Engagement der Staatlichen Museen im Humboldt Forum oder die Vorarbeiten für das am Kulturforum geplante Museum des 20. Jahrhunderts sind nur ein paar Beispiele. Dass die Stiftung dringend der Reform bedarf, weiß auch Parzinger, der das Gutachten maßgeblich unterstützt hat. Die Besucherzahlen in den Staatlichen Museen bleiben schon seit vielen Jahren hinter den Erwartungen zurück – auch wenn mit der Eröffnung der James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel zuletzt ein ermutigender Aufwind zu spüren war. Beklagt wird ein Mangel an spektakulären Ausstellungsprojekten mit internationaler Strahlkraft sowie eine unscharfe Profilierung der einzelnen Einrichtungen. Dass sich im Lauf der Jahre in der Stiftung vielerorts ein undurchsichtiges Geflecht aus Kompetenzen und Zuständigkeiten herausgebildet hat, das schnelles Agieren oft ausbremst, ist mit Blick auf die einschlägigen Organigramme nur schwer zu bestreiten. Die Idee der Auflösung der Stiftung und der Stärkung der einzelnen Institutionen ist aus dieser Perspektive ein radikaler Vorschlag, der ein bisschen an das Durchschlagen des Gordischen Knotens erinnert. Man sollte aber skeptisch bleiben, ob sie sich auch wirklich als das richtige Rezept erweist. Denn erstens wird sich erst noch zeigen müssen, ob sie den parlamentarischen Aushandlungsprozess überleben wird. Als problematisch könnte sich dabei die Beteiligung der Länder erweisen, die dem Vorschlag zufolge mit Ausnahme des Landes Berlin zukünftig keine Rolle mehr spielen sollen. Das Erbe des Staates Preußen ist aber aus guten historischen Gründen auch eine föderale Aufgabe, weshalb sich die Länder derzeit mit 25 Prozent am Betriebshaushalt beteiligen und im Stiftungsrat vertreten sind. Die Länder aus ihrer Pflicht zu entlassen und den Einfluss der Bundespolitik so maßgeblich zu erhöhen, die SPK also von künftigen Bundesregierungen noch stärker abhängig zu machen, könnte sich für ihre Nachfolgeorganisationen als kulturpolitische Fußangel entpuppen. Und zweitens gibt es eine Unmenge von Fragen der Reorganisation, die das Gutachten unbeantwortet lässt. Denn natürlich hat die Stiftung in ihrem 60-jährigen Bestehen auch viele sinnvolle, institutionsübergreifende Einrichtungen hervorgebracht, über deren Restrukturierung nun gesprochen werden muss – in einer Zeit, in der es für die SPK ohnehin alle Hände voll zu tun gibt. Das Gutachten des Wissenschaftsrates taugt als kraftvoller Anstoß zu einer grundlegenden Debatte. Nun sollten die Praktiker das Wort haben.

Quellenangaben

Textquelle:BERLINER MORGENPOST, übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/53614/4650973
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