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Zehn Jahre nach der Loveparade-Katastrophe¶ Schuld ohne Sühne¶

Bielefeld (ots) – Florian Pfitzner¶ Liebe hört niemals auf”, steht auf der Erinnerungstafel am Fuße der Zugangsrampe des ehemaligen Duisburger Güterbahnhofs – des Geländes der Loveparade, bei der vor zehn Jahren 21 Menschen im Gedränge ums Leben kamen und mindestens 650 verletzt wurden. Angehörige der Toten gehen noch immer regelmäßig zu den Stufen des Mahnmals. Am ersten Jahrestag der Katastrophe konnte man an der Rampe den eingerahmten Brief eines Vaters an seine Tochter finden. Die Erinnerung sei “das Einzige, was uns geblieben ist”. Aus ihr schöpfe er Kraft, um “das alles auszuhalten: die Trauer, den Kampf um Gerechtigkeit”. Bevor sie sich die Prestigeveranstaltung nach Duisburg holte, hatte man in der Stadtverwaltung geahnt, dass es womöglich eine schlechte Idee ist, die feierlustigen Massen durch einen Tunnel über eine viel zu enge Rampe zum Festivalgelände zu schleusen. Angeklagt wurden im dann doch noch geführten Strafverfahren ein früherer Baudezernent, fünf Mitarbeiter der Stadt und vier Angestellte der Veranstaltungsfirma des Fitnessstudio-Betreibers Rainer Schaller. Nicht angeklagt wurden Schaller, der frühere Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland und ein ehemaliger Ordnungsdezernent, der die Loveparade intern durchgefochten und vorbehaltlos den Forderungen des Veranstalters stattgegeben haben soll. Das Landgericht Duisburg stellte das Strafverfahren drei Monate vor dem Ende der Verjährungsfrist ein. Das objektive Geschehen um die Katastrophe sei nach mehr als 180 Verhandlungstagen weitgehend aufgeklärt. Zudem argumentierte man mit möglichen Verfahrenshemmungen durch die Corona-Pandemie. Im Einstellungsbeschluss steht nur ein vager Erklärungsversuch. Demzufolge führte im Juli 2010 ein “multikausales Geschehen” zu der Katastrophe. Völlig offen bleibt die Frage, weshalb die Party überhaupt genehmigt wurde, wo doch von vornherein klar gewesen sein muss, dass die Lage gefährlich ausufern kann. Wenngleich der Befund strafrechtlich nicht relevant ist, hat die Staatsanwaltschaft die Ereignisse mit “organisierter Verantwortungslosigkeit” prägnanter zusammengefasst. Ein Untersuchungsausschuss hätte einen wirksamen Beitrag leisten können, um das Unglück umfangreich und vor allem frühzeitig aufzuklären. CDU und SPD hatten sich im Winter 2010 verweigert – die einen wegen Sauerland, die anderen, weil der damalige Innenminister Ralf Jäger sich voreilig vor seine Polizei gestellt hatte. Die frühere Ministerpräsidentin Hannelore Kraft rang um Fassung, als sie neulich im Landtag der Toten gedachte. “Es werden Wunden bleiben”, sagte sie. “auch Enttäuschung, auch Wut.” In der Tat. Möge die Liebe eines Tages überwiegen.

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