Extremer Frauenhass und Amok-Ankündigung: die deutsche Incel-Szene

Mainz (ots) – Eine Y-Kollektiv-Recherche

Sie hatten noch nie Sex, viele von ihnen hassen Frauen und manche kündigen online Amokläufe an: Incels zählen zu den extremsten Usern im Netz. In den USA und Kanada haben Männer mit Verbindungen zur Incel-Szene in den vergangenen Jahren bereits tödliche Anschläge verübt. Doch wie sie sieht die Incel-Szene in Deutschland aus? Und wie gefährlich ist sie? Isabell Beer und Johannes Musial haben für das funk-Format Y-Kollektiv von Radio Bremen neun Monate lang – auch undercover – recherchiert und dabei Besorgniserregendes entdeckt. Das Video ist ab heute, 30.07.2020 um 15 Uhr auf YouTube und funk.net verfügbar.

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Incel steht für involuntary celibate, zu Deutsch: unfreiwillig zölibatär. Als Incels bezeichnen sich online Männer, die noch nie Sex hatten. Viele von ihnen haben begonnen, Frauen zu verachten. Auch beim Attentäter von Halle gibt es Hinweise auf Verbindungen in diese Community. Dazu, wie die Incel-Szene in Deutschland aussieht, gibt es allerdings kaum Infos, keine Statistiken und auch das Bundeskriminalamt (BKA) hat dazu nach eigenen Angaben keine Erkenntnisse.

Isabell Beer und Johannes Musial suchen deshalb selbst nach Antworten, neun Monate lang. Johannes Musial spricht mit BKA und Polizei und kontaktiert einen Männertherapeuten. Er findet über das Online-Forum Reddit einen Incel, der zu einem Telefonat bereit ist. Ein weiterer Incel willigt ein, per Videochat mit ihm zu sprechen. Isabell Beer ist undercover in einem Incel-Forum unterwegs, kommt mit deutschen Männern in Kontakt, die Frauen hassen, online Übergriffe und Anschläge ankündigen.

Anders als erwartet sind die User sehr jung, manche erst 15, kaum jemand ist über 25 Jahre alt. In Berichten zum Thema wird die Incel-Szene oft mit rechtem Gedankengut in Verbindung gebracht, es heißt, die meisten Incels seien weiß. Das trifft nach Recherchen des Y-Kollektiv allerdings nur auf einen Teil der Incels in Deutschland zu. Viele von ihnen berichten online von ihrem Migrationshintergrund und ihren eigenen Rassismus-Erfahrungen in Deutschland.

Die Recherche zeigt: Deutsche Incels sind zahlreich, einige rufen im Netz zu Vergewaltigungen auf, stacheln sich gegenseitig zu Suizid und Amokläufen an, andere suchen Anerkennung und den Austausch mit Gleichgesinnten. Viele der Posts sind besorgniserregend. Das Frauenbild ist extrem.

Den beiden Reporter*innen gelingt es über ein Undercover-Profil einen der Männer zu treffen – und ihn so mit seinen frauenverachtenden Posts und seinen Amok-Ankündigungen zu konfrontieren.

Isabell Beer und Johannes Musial stehen für Interviews zur Verfügung. Anfragen gerne an presse@funk.net.

In einer Themenwoche beleuchtet funk, das Contentnetzwerk von ARD und ZDF, seit 27.07.2020 das Thema Extremismus in Deutschland. Zehn funk-Formate beteiligen sich mit ihren Recherchen am Schwerpunkt. Es geht unter anderem um Themen wie Antifa, Holocaustleugner und Reichsbürger. Die Videos des Schwerpunkts sind auf YouTube und funk.net zu finden. Auch der Beitrag zum Thema Incels ist Teil der Themenwoche.

Das Y-Kollektiv wird von Radio Bremen für funk produziert. Mehr Informationen stehen auf der Formatseite im Presseportal zu Verfügung. Bildmaterial zur Incels-Recherche sowie zum Schwerpunkt ist nach Akkreditierung im Downloadbereich verfügbar.

Ab Freitag, 31.07.2020, bietet das Y-Kollektiv auch einen neuen Instagram-Account für Feedback aus der Community. Neben den Y-Kollektiv-Reportagen gibt es dort Umfragen und Themenvorschläge, Q&A zu den Y-Kollektiv-Reportagen, Hinweise zu Rabiat im Ersten, Tipps zu Inside-Y-Veranstaltungen und Stories der Y-Kollektiv-Reporter*innen.

Quellenangaben

Bildquelle:obs/funk von ARD und ZDF
Textquelle:funk von ARD und ZDF, übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/121916/4665836
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