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Zur “neuen Normalität” an Schulen gehört auch digitaler Unterricht

Potsdam (ots) – Anmoderationsvorschlag: Die Corona-Pandemie hat gerade Schulen besonders hart getroffen. Als die Schulen geschlossen wurden, war schnell klar: Auf digitalen Unterricht sind die wenigsten vorbereitet. Engagierte Lehrkräfte mussten irgendwie improvisieren und sich selbst digitale Tools und Lösungen suchen. Das hat mal mehr und mal weniger gut geklappt. Auch im neuen Schuljahr wird uns das Thema digitale Schulbildung weiterhin beschäftigen.

1. Frage: Über die Bedeutung des digitalen Lernens in der Schule und die Möglichkeiten spreche ich heute mit Prof. Dr. Christoph Meinel. Er ist wissenschaftlicher Direktor des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam und engagiert sich seit vielen Jahren im Bereich Digitale Bildung. Seit 2017 wird unter seiner Leitung, die vom Bund geförderte HPI Schul-Cloud entwickelt. Herr Professor Meinel, auch in Baden-Württemberg startet in wenigen Tagen das neue Schuljahr. Was hat sich denn in puncto digitale Schulbildung in den letzten Monaten verändert?

O-Ton 1: (00:00:34 Prof. Christoph Meinel) Die letzten Monate haben die Defizite der digitalen Schulbildung in Deutschland ganz deutlich aufgezeigt. Es gab Schulen, wenige Schulen, die waren vorbereitet. Als dann unerwartet durch Corona die Schulen geschlossen wurden, mussten sie auch digitale Möglichkeiten für den Unterricht nutzen, um im Kontakt mit den Schülern zu bleiben, Aufgaben geben zu können, einsammeln zu können, gemeinsamen Unterricht über Videokonferenz Systeme zu machen. Und dann gab es aber die große Mehrheit, die weder technisch dazu in der Lage gewesen wäre – ausstattungstechnisch, was die Internet-Anbindung oder was die Verfügbarkeit von Geräten betrifft. Da gab es dann große Aufregung. Mit viel Engagement haben die Schulleitungen und die Lehrer und Lehrerinnen dann versucht, einzelne Tools, digitale Tools, für den Unterricht einzurichten. Das war toll, dass wenigstens etwas funktionieren konnte und nicht wie an manchen Schulen Aufgabenzettel mit dem Fahrrad ausgeteilt wurden. Aber es hat natürlich für alle Beteiligten große Fragen aufgeworfen. Die Eltern waren genervt, dass dann in jedem anderen Unterricht auch ein neues System genutzt wurde. Die Einarbeitung, der Umgang mit diesem System musste geübt werden. Also da ist ein bisschen chaotisch, etwas entstanden. Zumindest aber ist klargeworden, dass es um solche Nutzung solcher digitalen Tools im Unterricht kein Weg herum gibt. Auch wenn wir nach vorne schauen mit der Erwartung, dass dann doch die eine oder andere Schule dann auf solch digitalen Unterricht ausweichen muss, ist es ganz wichtig, dass sich hier etwas tut und sich die Lage verbessert.

2. Frage:Unter Ihrer Leitung wird am Hasso-Plattner-Institut seit 2017 mit der HPI Schul-Cloud eine einheitliche IT-Infrastruktur geschaffen. Was ist denn das Ziel der HPI Schul-Cloud?

O-Ton 2: (00:02:35 Prof. Christoph Meinel) Entwickelt habe ich die HPI Schul-Cloud seit 2017 mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Kontext des Digitalpakts Schule. Es geht darum, eine Infrastruktur zu schaffen, dass Lehrer, Lehrerinnen, wann immer sie es für sinnvoll halten, im Unterricht auch digitale Lerninhalte nutzen können. Also da gibt es den Bereich, der für alles digitale Arbeiten notwendig ist. Da steht ein Office System bereit, für das virtuelle Classroom-Konzept gibt es ein Videokonferenz-System. Es gibt einen Messenger, ein Design-Thinking-Board, eine Dateiablage – alles das, was gebraucht wird, wenn man mit digitalen Inhalten zu tun hat. Und dann gibt es den Lern-Store der HPI Schul-Cloud. In dem Lern-Store, sind zum Beispiel die Inhalte, die kuratierten Angebote aus der Lernplattform “Wir lernen Online”, ist über die HPI Schul-Cloud zugreifbar. Also auf Unterrichtsmaterialien für jede Klassenstufe, für jedes Unterrichtsfach kann – und das ist ganz wichtig in der HPI Schul-Cloud – datenschutzsicher zugegriffen werden. Das heißt, die personenbezogenen Daten bleiben allein in der HPI Schul-Cloud. Wenn es um externe Systeme und Angebote in den Schulmedien geht, dann kommen dort nur pseudonymisierte Nutzerdaten zu Tage.

3. Frage: Welche Schulen können sich denn für die HPI Schul-Cloud anmelden und wo?

O-Ton 3: (00:04:10 Prof. Christoph Meinel) Dank der Hilfe der Bundesregierung kann jetzt seit März jede Schule, die daran interessiert ist, die HPI Schul-Cloud nutzen. Einfache Anmeldung, auf der Website steht der Link. Auch Bundesländer haben sich inzwischen entschieden, die HPI Schul-Cloud auszurollen. Thüringen, Brandenburg, Niedersachsen sind dabei, die HPI Schul-Cloud allen Schulen als digitale Lern- und Arbeitsumgebung zur Verfügung zu stellen. Und natürlich die Frage: Wie geht man dann damit um? Wie nutzt man das? Wie funktionieren die Tools? Da haben wir als HPI eine Plattform aufgesetzt, “Lernen.cloud”, wo Lehrer alles lernen können, was sie wissen müssen, um mit solchen digitalen Plattformen Unterricht neu zu gestalten.

4. Frage:Und wie viele Schulen arbeiten jetzt aktuell mit der HPI Schul-Cloud?

O-Ton 4: (00:05:12 Prof. Christoph Meinel) Also bundesweit nutzen zurzeit knapp zweieinhalbtausend Schulen die HPI Schul-Cloud. Das sind etwa 450000 Schüler, Schülerinnen, Lehrer, Lehrerinnen. Das System wird weiterentwickelt, insbesondere werden neue Lernmedien integriert. “Wir lernen Online” ist über die HPI Schul-Cloud erreichbar. Das ist das Edu-Sharing-Angebot an kuratierten Inhalten. Wir erweitern das um weitere Inhalte, sodass für jeden, für jedes Unterrichtsfach, für jede Klassenstufe auch Lerninhalte bereitgestellt sind in der HPI Schul-Cloud.

5. Frage: Vielen Dank, Herr Professor Meinel für das Gespräch. Prof. Dr. Christoph Meinel ist wissenschaftlicher Direktor des Hasso-Plattner-Instituts und Leiter des HPI Schul-Cloud-Projekts.

Abmoderationsvorschlag:

Weitere Informationen zur digitalen Lernplattform HPI Schul-Cloud und zur Anmeldung finden Sie unter: https://hpi.schul-cloud.org/

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Quellenangaben

Textquelle: HPI Hasso-Plattner-Institut, übermittelt durch news aktuell
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