Extrawurst für Privilegierte

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Regensburg (ots) – An die 2,5 Millionen Angestellten im Bund und den Kommunen fließen Corona-Boni in Milliardenhöhe. Dass die überlasteten Pflegekräfte davon mehr als alle anderen profitieren, ist erfreulich. Endlich bekommen sie die lange vermisste Anerkennung.Völlig unverständlich ist, dass in Städten wie Regensburg auch die höchste Angestellten-Entgeltgruppe mit 7800 Euro brutto im Monat eine Corona-Prämie einstreicht. Das ist mit 300 Euro nicht viel, aber es summiert sich. Zugleich genehmigt der Freistaat seinen Schulleitern, die durchaus solide verdienen, einen 500-Euro-Bonus. Und das bei hohen Steuerverlusten des Staates und der Kommunen.Doch während sich Pflegekräfte in der Klinik oder Polizeibeamte bei Querdenker-Demos und Durchsetzung der Maskenpflicht aufreiben, machen viele Kommunalangestellte in den hohen Gehaltsgruppen ganz einfach ihre Arbeit. Zum Teil haben sie es sogar versäumt, ihre Mitarbeiter im Homeoffice an die Kandare zu nehmen. Telefonisch oder per Mail war in manchen Ämtern auch zu den Geschäftszeiten niemand zu sprechen. Die schlechte Erreichbarkeit der Bauverwaltungen in Städten und Kreisen alarmierte im Sommer die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Genehmigungen verzögerten sich. Bürger ärgerten sich, weil sie keine Termine für die Vaterschaftsanerkennung oder die standesamtliche Heirat ergatterten. Regensburger mussten fünf Wochen auf den Passtermin warten und einen weiteren Monat, bis das Dokument ausgestellt war. Wenn Autohändler nach dem ersten Lockdown schon mal einen Wagen verkauften, gab es lange keinen Termin bei der Zulassungsbehörde. Doch Regensburg zahlt wie die anderen Städte den Bonus, den die Tarifparteien des öffentlichen Dienstes Ende Oktober ausgehandelt haben. Allein in der Domstadt sind es 1,3 Millionen Euro, im Landkreis Regensburg 190 000 Euro. Immerhin erhalten die untersten Gehaltsstufen mehr als die oberen: 600 Euro.Auf die 225 000 Beamten des Bundes und der Kommunen soll das Ergebnis nach Ansicht der Gewerkschaft Verdi und des Beamtenbundes übertragen werden.Und die Schulleiter? Viele engagieren sich sicherlich immens, aber das verlangt diese verantwortungsvolle Aufgabe. Natürlich müssen sie jetzt unter Druck die Digitalisierung nachholen, die lange Zeit – auch vom Freistaat – verschlafen wurde. Aber wieso ist dafür ein Corona-Bonus fällig?Andere Berufsgruppen verdienen in der Krise überhaupt kein Geld. Bundesweit bekannte Regensburger Kulturschaffende bangen um ihre Existenz, weil die Engagements wegbrechen. Viele andere Menschen arbeiten in der Pandemie hart und verdienen weniger, weil der Arbeitgeber Kurzarbeit anmelden musste, oder fürchten wie Conti- und Krones-Mitarbeiter um ihre Stellen. Minijobber, etwa in der Gastronomie oder dem Handel, beziehen nicht einmal Kurzarbeitergeld. Mehr als 25 000 gibt es in Regensburg. Bei vielen ist der Verdienst von heute auf morgen weggebrochen.Hier handelt es sich nicht um eine Neiddebatte, sondern es geht um mehr. Wenn der öffentliche Dienst seinen Gutverdienern in solchen Zeiten Prämien gewährt, vertieft das die gesellschaftliche Spaltung – auch wenn es sich nur um ein paar hundert Euro handelt. Außerdem haben sich die öffentlichen Kassen in der Krise geleert. So sinnvoll die staatlichen Unterstützungen waren, jetzt gibt es nichts mehr zu verteilen.Regensburger Wirte setzen ein Zeichen. Sie wissen, wie wichtig Zusammenhalt ist, und lassen sich den auch etwas kosten: Kneitinger und Dechbettener Hof zahlen die 450-Euro-Kräfte trotz Schließung.

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Textquelle: Mittelbayerische Zeitung, übermittelt durch news aktuell
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