Leidenschaft und Qualifikation in der Pflege: Wie gelingt die Motivation der Pflegekräfte in …

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München (ots) – Der Personalmangel in der Pflege ist seit Jahren spürbar und hat sich in Zeiten der COVID-19-Pandemie noch weiter zugespitzt. Was kann getan werden, damit sich die Pflegenden in ihren Berufen wohl fühlen, damit sie motiviert sind und auch von motivierten Kollegen unterstützt werden? Wie können Selbstvertrauen und Eigeninitiative von Pflegekräften gestärkt werden? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines von dem Unternehmen Servier unterstützten Symposiums im Rahmen des Deutschen Pflegetages, der in diesem Jahr aufgrund der Pandemie in einem innovativen Online-Format durchgeführt wurde.

Vertreter aus Politik, Ärzteschaft und Pflege beleuchteten jeweils aus ihrer Perspektive die Herausforderungen im Bereich der Pflege und erörterten potenzielle Lösungsansätze.

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Dabei wurde eines deutlich: Die Säulen für ein modernes, tragfähiges Pflegekonzept sind Fortbildung und Qualifikation der Pflegekräfte, flache Hierarchien und Teamarbeit im klinischen Alltag, Übertragung von Verantwortung durch Delegation bestimmter Leistungen von Ärzten an Pflegende, Anerkennung des Berufsbildes und eine angemessene Vergütung. All das zusammen könnte die Motivation der Pflegekräfte steigern, stimmten die Referenten überein.

Kompetenzen steigern, Verantwortung übernehmen

Das Thema COVID-19 in Kombination mit der bereits zuvor angespannten Situation in der Pflege ist eigentlich nicht neu. Schon vor der Pandemie wurde zunehmend klar, dass Veränderungen in der Pflegebranche unabdingbar sind. Den Pflegenotstand habe die Politik versucht, mit dem Pflegestärkungsgesetz zu verbessern, berichtete Erich Irlstorfer (MdB), der als Mitglied im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags maßgeblich an der Gesetzgebung beteiligt war. Als nächstes habe man sich darauf fokussiert, Rahmenbedingungen für pflegende Angehörige, für Betroffene und Pflegekräfte zu schaffen. Anerkennung allein reiche nicht aus. “Pflegekräfte sind keine ‘kleinen Helden’, sondern gut ausgebildete Menschen, die einen enorm wichtigen Beruf ausüben”, konstatierte Irlstorfer. “Mit Applaus von Balkonen kann man keine Miete zahlen und auch nicht die Arbeitsplatzbedingungen verbessern.” Hier brauche es schon andere Maßnahmen und “Geld, das man in die Hand nehmen muss.” Eine adäquate Vergütung sei Basis und Voraussetzung einer besseren Wertschätzung von Pflegekräften. Das erhöhe auch die Motivation. “Da brauchen wir keinen Applaus, sondern Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die das ordentlich verhandeln.” Das gelte nicht nur für den öffentlichen Dienst, sondern auch für den privaten Bereich der Pflege. Auch hier sei tarifliche Entlohnung und Bezahlung zu fordern.

Neben einer den Leistungen von Pflegekräften angemessenen Vergütung gehe es aber auch darum, die Arbeitsbedingungen zu verbessern, ergänzte Irlstorfer. Das Berufsbild sei geprägt von hoher Fachkompetenz. Diese könne nur durch Ausbildung, Weiterbildung, Fortbildung und reellen Aufstiegschancen sichergestellt werden. Deshalb müsse alles darangesetzt werden, entsprechende Qualifizierungsmöglichkeiten zu schaffen. Parallel dazu sei es erforderlich, Planbarkeit für die Einrichtungen zu schaffen. “Für die Menschen, die in der Pflege arbeiten, brauchen wir verlässliche Arbeitspläne mit festen Pausen. Wir brauchen ein solides Personalmanagement und professionelle Teams, die personell gut ausgestattet sind.” Hierarchien sollten möglichst flach gehalten werden. “Wir sollten die Menschen, die in der Pflege arbeiten, stärken durch Wissen”, postulierte Irlstorfer. Zudem dürfe nicht versäumt werden, die Chancen durch die Digitalisierung sinnvoll zu nutzen. In diesem Zusammenhang forderte er, dass Zeitgewinne, die durch die digitale Dokumentation von Patientendaten erreicht werden, direkt den Pflegekräften zugutekommen. “Es reicht nicht, den Einrichtungen Geräte und Programme zur Verfügung zu stellen. Wir brauchen die zeitlichen Ressourcen zum Lernen.” Außerdem plädierte er dafür, dass das ärztliche Personal einen Teil seiner therapeutischen und medizinischen Aufgaben an gut ausgebildete Pflegekräfte zu delegieren. Verantwortung abzugeben beweise Vertrauen und fördere wiederum die Motivation. Die Umsetzung dieser wegweisenden Veränderungen und Strukturen bedeute einen Motivationsschub für das Personal und sei eine der wichtigsten Aufgaben für die Zukunft.

Fortbildung zum OncoCoach – Eine Win-Win-Win-Situation

Am Beispiel der Onkologie erläuterte Dr. Manfred Welslau, Chefarzt der Hämatologie und internistische Onkologie und Leiter des onkologischen Zentrums am Klinikum Aschaffenburg, die aktuellen Probleme in der Patientenversorgung. Die Zahl der Patienten mit Krebserkrankungen nimmt stetig zu – zum einen wegen der demografischen Entwicklung, zum anderen aber auch wegen der präziseren Diagnostik und der besseren Therapiemöglichkeiten. Krebs wird immer mehr zu einer chronischen Erkrankung und es herrscht Konsens darüber, dass Patienten mit einer unheilbaren Tumorerkrankung frühzeitig eine palliative Begleitung angeboten werden sollte. Die längeren Behandlungs- und Überlebenszeiten stellen Ärzte und Pflegende vor neue Herausforderungen, vor allem im Hinblick auf die in Deutschland favorisierte wohnortnahe palliative Versorgung. In Bezug auf die Digitalisierung seien mittlerweile Fortschritte zu verzeichnen. “Deutschland ist das erste europäische Land, wo digitale Gesundheitsanwendungen rezeptfähig geworden sind”, hob Dr. Welslau hervor. Patienten, die digitale Gesundheitsanwendungen nutzen, müssten aber weiterhin auch ärztlich betreut werden – eine weitere Herausforderung. Dem stehe ein Mangel an Fachärzten und vor allem ein eklatanter Mangel an Pflegekräften gegenüber.

Um eine hohe Versorgungsqualität in der Onkologie aufrechtzuerhalten, werden neuartige Ansätze benötigt. Ein Beispiel ist das innovative Betreuungsmodell OncoCoach. Es basiert auf der Delegation von Versorgungsleistungen an eine speziell geschulte Pflegekraft, dem sogenannten “OncoCoach”. Dieser begleitet den Patienten in strukturierten und bedarfsorientierten Gesprächen zusammen mit dem ärztlichen Team durch die Therapie. Die entsprechende fachliche Grundlage für das Coaching können interessierte Pflegekräfte an einer eigens gegründeten Akademie auf der Plattform des Arbeitskreises klinischer Studien (AKS) erwerben. In den letzten drei Jahren wurden bereits rund 100 OncoCoaches ausgebildet, die bundesweit tätig sind. Die Ausbildung richtet sich an MFAs und Pflegekräfte mit onkologischer Erfahrung. Für den aus 100 Unterrichtseinheiten bestehenden Kurs können 20 Fortbildungspunkte erworben werden. Der zertifizierte Fortbildungskurs ist angelehnt an das Curriculum “Strukturierte Aufbaumodule Onkologie” der Landesärztekammer (LAEK) Hessen, Ärztekammer Westfalen-Lippe, des Wissenschaftlichen Instituts der Niedergelassenen Hämato-Onkologen (WINHO) und des Berufsverbands der Hämato-Onkologen (BNHO). Er ist anerkannt durch die LAEK Hessen und die Kassenärztliche Vereinigung. “Die Fortbildung zum OncoCoach ist eine Win-Win-Win-Situation für den Arzt, für den Patienten und auch für den Pflegenden”, unterstrich Dr. Welslau.

Im Rahmen des kürzlich gestarteten Projekts ONCOPATH wird derzeit untersucht, ob das Onco-Coaching und die frühe palliative Begleitung als patientenzentrierte Versorgungselemente in der Therapie nicht heilbarer Krebserkrankungen integriert werden können. Im Rahmen des Projekts werden an 30 Zentren OncoCoaches ausgebildet. Im Fokus des Projekts steht der kontinuierliche Informationsaustausch zwischen OncoCoach und Onkologen “Der Team-Charakter muss gewährleistet bleiben”, so Dr. Welslau. Die OncoCoaches kooperieren auch mit den palliativen Fachkräften, um unheilbar kranken Patienten einen frühen Zugang zu einer hochwertigen Palliativversorgung zu ermöglichen. Übergeordnetes Ziel des Projektes ist es, die Versorgung onkologischer Patienten insgesamt zu verbessern, die Patientenkompetenz zu stärken und Shared Decision häufiger möglich zu machen.

Motivationsschub durch Fortbildung

Dass Fortbildung und Eigenverantwortung tatsächlich die Zufriedenheit und Motivation in Pflegeberufen steigern können, bestätigte Ines Petzold, Krankenschwester und Assistentin für Hypertonie und Prävention am Städtischen Klinikum Dresden. Motivation und Eigenverantwortung seien aber nicht nur von Pflegenden, MFAs und Ärzten zu erwarten. Auch die betroffenen Patienten sollten nach dem Motto “Hilfe zur Selbsthilfe” aktiv eingebunden werden.

Was sich durch die Eigenmotivation von Patienten in Bezug auf das erfolgreiche Management von chronischen Erkrankungen erreichen lässt, erläuterte Petzold am Beispiel Bluthochdruck, dem wichtigsten Risikofaktor für Schlaganfall und Herzinfarkt und damit eine der häufigsten Todesursachen. Viele Patienten könnten ihren Bluthochdruck durch nicht-medikamentöse Maßnahmen erfolgreich senken. Das Selbst-Management ist ein wichtiger Schlüssel für die Reduktion erhöhter Blutdruckwerte. Mit jedem Kilogramm Gewichtsabnahme kann der systolische Blutdruck um etwa 1 mm/Hg, durch ausreichende körperliche Aktivität um knapp 7 mmHg gesenkt werden. Doch Ernährungsumstellung, Gewichtsabnahme und Sport treffen bei den Betroffenen häufig nicht auf hohe Akzeptanz. Ausreichende körperliche Aktivität seien in der gegenwärtigen Corona-Situation für viele Menschen sogar noch schwieriger umzusetzen, gab Petzold zu bedenken.

Nach der Diagnose einer arteriellen Hypertonie sind viele Patienten zunächst überfordert und reagieren mit Unsicherheit und Angst, so die Erfahrung von Petzold. In dieser Situation komme die Hypertonieassistentin ins Spiel. In ihren Verantwortungsbereich fallen Blutdruck-Beratungen, Patientenschulungen, Betreuung von Selbsthilfegruppen und Vorträge für das medizinische Personal. Die Blutdruckberatung erfolgt im Rahmen eines individuellen Gesprächs mit den Patienten. Gemeinsam mit diesem wird die 24-Stunden-Blutdruckmessung ausgewertet und nach möglichen Ursachen für Blutdruckschwankungen gesucht. Zudem schult die Hypertonieassistentin die Patienten in der korrekten Blutdruckmessung. In den Schulungen werden weitere Details rund um das Thema Blutdruck, seine Ursachen und sein Management vermittelt.

Die Patientenschulung besteht aus vier Einheiten. In der ersten Schulung stehen die Risikofaktoren und Folgen im Fokus. Bei der zweiten und dritten Schulung werden nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Blutdruckreduktion besprochen. “Das hilft dem Patienten, selbst aktiv zu werden und nicht-medikamentös den Blutdruck zu senken.” Die vierte Schulungseinheit beschäftigt sich mit der medikamentösen Behandlung. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Aspekt der Therapietreue. In diesem Zusammenhang sei es aber auch wichtig, den Patienten ein realistisches Bild von Nebenwirkungen zu vermitteln, betonte Petzold. Denn viele Patienten seien nach dem ersten Blick auf den Beipackzettel verunsichert. Weiterhin erfahren die Patienten, was sie im Fall einer hypertensiven Krise machen können. Ergänzend zur Durchführung der Patientenschulungen bringen sich Hypertonieassistenten auch in Selbsthilfegruppen und Öffentlichkeitsarbeit ein.

Gefördert wird die Qualifizierung “Assistent/-in für Hypertonie und Prävention” von der Deutschen Hochdruckliga (DHL). Um die Bezeichnung weiter führen zu dürfen, müssen die Hypertonie-Assistenten spätestens alle drei Jahre einen Auffrischungskurs besuchen. Weitere Informationen zu der Fortbildungsmaßnahme und der Antragsstellung finden sich auf der Web-Seite der DHL unter: https://www.hypertonie-akademie.org/informationen-fachpersonal.html

Zusammenfassung und Ausblick

Die Motivation von Pflegekräften steigt mit der Qualifikation, insbesondere wenn sie die Möglichkeit haben, Eigenverantwortung übernehmen zu können, so das übereinstimmende Fazit der drei Referenten. Der Beruf ist unattraktiv geworden – das ist die eigentliche Ursache des Fachkräftemangels in der Pflege. Den Teamgedanken fördern, Hierarchien abbauen und Qualifikation ermöglichen, können dazu beitragen, wieder mehr Menschen für diesen Beruf zu gewinnen und auch in diesem Beruf zu halten. Ärzte müssen lernen, bestimmte Verantwortungsbereiche an die Pflegenden zu übertragen. “Delegieren ist wichtig, aber hier sind Politik und Rechtsprechung aufgerufen, entsprechende Strukturen und rechtliche Voraussetzungen zu schaffen”, hob Dr. Welslau hervor. Heute bestehe in vielen Bereichen noch Rechtsunsicherheit, welche Aufgaben der Arzt überhaupt delegieren darf. “Hier brauchen wir Initiativen von der Politik, die diesen Prozess der Integration von nicht-ärztlichen Leistungen im Gesundheitswesen begleiten.”

Quellenangaben

Textquelle: Servier Deutschland GmbH, übermittelt durch news aktuell
Quelle: https://www.presseportal.de/pm/60008/4767734
Newsroom: Servier Deutschland GmbH
Pressekontakt: Arnd Prilipp
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