Psyche auf der Warteliste – MDR-Reportage über die schwierige Suche nach …

Leipzig (ots) – Zu einer monatelangen Hängepartie wird für psychische Erkrankte in aller Regel die Suche nach einem Therapieplatz. „Exakt – Die Story“ begleitet Betroffene und fragt nach, warum die Wartelisten immer länger werden. Zu sehen am 28. Juli um 20.45 Uhr im MDR- sowie ein Jahr in der ARD-Mediathek.

Vom ersten Anruf in der Praxis bis zur Behandlung warten psychisch Erkrankte bundesweit rund 20 Wochen. Wochen, in denen sich die Erkrankung verschlimmern und chronisch werden kann. Der Anrufbeantworter vertröstet und Therapeutinnen und Therapeuten winken ab. Es fehle schlicht an Therapieplätzen. Stimmt nicht, sagen die gesetzlichen Krankenkassen. Deutschland sei gut versorgt. Wie kommen Betroffene und Praxen mit den langen Wartezeiten zurecht? Wie überbrücken Suchende die Zeit? Und: Lohnt sich Onlinehilfe? „Exakt – Die Story“ geht diesen Fragen nach.

„Wenn ich überlege, dass ich in meiner kompletten Tiefpunktphase einen Therapeuten hätte suchen müssen – ich wüsste nicht, ob ich es geschafft hätte“, sagt Louisa aus Weißenfels. Die 25-Jährige leidet an einer Depression. Nach einem Klinikaufenthalt hat sie mehr als anderthalb Jahre lang nach Therapeutinnen und Therapeuten gesucht. Weil sie in ihrer Nähe niemanden fand, pendelt sie nun wöchentlich in die nächstgrößere Stadt. Eine andere Betroffene aus Magdeburg schildert anonym: „Ich habe die Therapieplatzsuche und meine Lebensziele aufgegeben und lebe jetzt einfach damit, dass ich nie ein produktives und erfolgreiches Mitglied der Gesellschaft sein werde.“

Wer in Deutschland nach einem Therapieplatz sucht, muss vor allen Dingen eines mitbringen: Geduld. Viele Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen schlagen Alarm. Denn in Zeiten der Pandemie ist die Nachfrage nach professioneller Hilfe weiter gestiegen. Jeder dritte Suchende muss – je nach Wohnort und Therapieform – laut einer Umfrage sogar sechs Monate und länger auf den Start der Behandlung warten.

Sachsen-Anhalt ist bundesweit Schlusslicht. Auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner kommen 22 Psychotherapeutinnen und -therapeuten. Zu wenig? Ja, sagt Verhaltenstherapeutin Annelene Frey. Die 30-Jährige hat ihre Praxis in Sangerhausen erst im vergangenen Jahr eröffnet. Wer jetzt bei ihr anfragt, muss sich ein Jahr gedulden. Die Therapeutin ist eine von etwa 800 Therapeutinnen und Therapeuten, die sich wegen erhöhten Bedarfs neu niederlassen durften. Laut Berechnungen hätten bundesweit aber dreimal so viele neue Stellen geschaffen werden müssen.

Deutschland sei gut aufgestellt, sagt hingegen Florian Lanz, Pressesprecher des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen: „Theoretisch gibt es ausreichend Therapeutinnen und Therapeuten. Praktisch versorgen sie beispielsweise nur mit drei Viertel ihrer Zeit Patientinnen und Patienten. Mit dem anderen Viertel machen sie entweder nichts oder sie schreiben Gutachten, machen Coachings oder auf Privatrechnung Lebensberatung.“ Er sieht vor allem die Praxen in der Verantwortung.

Influencerin Victoria Müller hat ihre Depression mittlerweile überwunden. Sie klärt im Netz Hunderttausende Menschen über psychische Erkrankungen auf. Noch immer seien diese Erkrankungen stigmatisiert, sagt sie: „Es müsste an vielen Stellen mehr aufgeklärt werden. Wenn ich zum Arzt gehe, liegen da Prospekte zur Darmkrebsvorsorge. Wieso liegen nicht auch Prospekte da zum Thema: ‚Mir geht es nicht gut?‘“

App-Hersteller und Onlineanbieter haben die prekäre Lage vieler Therapieplatzsuchender erkannt und Angebote entwickelt. Der Markt wird momentan mit Psyche-Apps überschwemmt. Einige wenige lassen sich über die Krankenkassen abrechnen. Was bringen den Betroffenen solche Angebote? Wie überbrücken psychisch Erkrankte die Wartezeit bis zur Behandlung? Woher kommt die Kluft zwischen zahlreichen Suchenden auf der einen und zu wenigen Plätzen für Psychotherapie auf der anderen Seite? „Exakt – Die Story“ begleitet Menschen bei der Suche nach einem Therapieplatz, blickt in den Terminkalender einer Psychotherapeutin und fragt nach, warum die Wartelisten immer länger werden.

Ein Film von Michaela Reith und Pauline Vestring.

Quellenangaben

Bildquelle: AKT – DIE STORY: PSYCHE AUF DER WARTELISTE – HÄNGEPARTIE THERAPIEPLATZ, am Mittwoch (28.07.21) um 20:45 Uhr.
Louisa aus Weißenfels hat anderthalb Jahre nach einem Therapieplatz gesucht.
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