Bürgerdelegation Sachsen-Anhalt – “Mein Ehrenamt ist wie eine Reise durch viele …

Halle (S.) (ots) –

Armin Trautwein (70) aus Halle engagiert sich seit seiner Verrentung ehrenamtlich als Berufspate. Heute hilft er vor allem Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung dabei, ihre beruflichen Ziele zu erreichen. Eine große Freude und eine schöne Aufgabe, wie Armin Trautwein es beschreibt. Ehrenamtlich zu arbeiten, ist eine Chance, die ihm durch die Wende ermöglicht wurde – auch wenn ihm die Wiedervereinigung zunächst mehr Nach- als Vorteile eingebracht hatte.

Ich habe immer viel gearbeitet, auch körperlich. Heute würde man vielleicht sagen, dass ich mich kaputt geschafft habe, aber früher war es einfach normal, sich viel einzubringen. Ich habe auf dem gearbeitet. Irgendwann wurden aber die Schmerzen in meinem Rücken zu groß, da bin ich eben nochmal studieren gegangen. 37 Jahre war ich da schon alt. Aber was soll’s – mit einem Studium kann man ja auch nochmal mehr erreichen, dachte ich.

Als dann die Wende kam, hat sich viel für mich verändert. Das Werk, in dem ich als Betriebsleiter gearbeitet habe, wurde geschlossen. Erst wurde ich von der Firma aus München, die das Werk gekauft hatte, übernommen. Aber das ging nicht lange gut. Ich war dann auch lange arbeitslos, bis 2006 ungefähr. Ich habe mich danach immer wieder von einem Projekt zum anderen gehangelt, aber das war auch fürs Gemüt sehr belastend.

Ich habe immer wieder versucht, mich zurück zu kämpfen: Mit über 50 habe ich dann an der Fachhochschule in Merseburg auch nochmal mein Diplom als Betriebswirt nachholen wollen. Aber in dem Alter nochmal einen Job zu finden, ist fast unmöglich. Dann habe ich die letzte Prüfung auch nicht mehr geschrieben. Aber es hat mich auch so weitergebracht, das Studium macht einen ja immer schlauer.

Letztendlich geht es nicht ums Geld, sondern darum, etwas zu tun zu haben. Deswegen ist mir das Ehrenamt auch so wichtig. In der Zeitung habe ich gelesen, dass die Freiwilligen-Agentur Berufspaten sucht. Und da habe ich dann erstmal viel mit Langzeitarbeitslosen gearbeitet. Später dann auch mit Geflüchteten.

Für meine war ich immer viel unterwegs, auch im Ausland. Ich weiß, dass es schwer sein kann, wenn man in einem fremden Land Fuß fassen will. Ging mir auch schon so. Deswegen ist es mir wichtig, den Leuten, die neu nach kommen, helfen zu können, einen zu finden. Arbeit hilft ja auch bei der Integration, finde ich. Und ich merke richtig, dass die die Motivation haben, etwas zu erreichen, die haben ihr Ziel klar vor Augen, das finde ich toll. Und für mich ist das auch spannend – so lerne ich immer neue Menschen und neue Kulturen kennen. Die Leute sind einfach nett, da macht es auch sehr viel Spaß.

Deswegen war es auch eine große Freude für mich, als ich erfahren habe, dass ich als Anerkennung für meine ehrenamtliche Arbeit zum Mitglied der Bürgerdelegation gewählt wurde. Das macht mich sehr stolz. Und ich bin auch schon richtig aufgeregt! Ich stelle es mir sehr gut vor, dass wir alle gemeinsam zusammensitzen können und Meinungen austauschen. Das finde ich immer sehr wichtig, nur so kann man sich weiterentwickeln.

Das tut den Deutschen auch gut, finde ich, wenn man einander zuhört. So kann man auch Vorurteile über Menschen aus anderen Bundesländern abbauen. Am besten fängt man damit schon in der an – für die Deutsche Einheit gibt es da auch noch ein bisschen was zu tun. Ich finde es gut, dass alles so gekommen ist, wie es ist – auch wenn es für mich erstmal ein paar Nachteile hatte. Das ist alles eine Sache der Einstellung – und schließlich können wir sowieso nur nach vorne schauen, oder?

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Quellenangaben

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