Linken-Spitze ruft Partei nach Wahldebakel zur Geschlossenheit auf

Berlin () – Die bei der Bundestagswahl abgestrafte Linke kann nach Überzeugung ihrer Vorsitzenden Janine Wissler politisch nur überleben, wenn sie künftig an einem Strang zieht. Gerade für eine kleinere Fraktion gelte: “Entweder man hält zusammen, oder man geht in der öffentlichen Aufmerksamkeit unter”, sagte Wissler am Samstagabend nach einer Klausursitzung des Parteivorstandes in Berlin. 

Sie sei aber zuversichtlich, dass die solidarisch miteinander umgehen werde. “Das Gute ist, dass wir jetzt noch eine Chance haben”, fügte Wissler hinzu. Die Partei wolle diese Chance auch nutzen. “Denn wir brauchen so etwas wie eine Gerechtigkeitspartei”, die die Interessen von Mietern, Pflegekräften oder Beschäftigten vertrete. 

Die Frage nach personellen Konsequenzen steht nach Angaben von Wissler bei den Linken derzeit nicht im Vordergrund. Dadurch ließen sich die Probleme nicht lösen, sagte die Parteivorsitzende. 

Nach Angaben ihrer Ko-Chefin Susanne Hennig-Wellsow wird die Partei nun auch auf Landesebene sowie bei Veranstaltungen mit der Basis über die Zukunft der Partei beraten. Es sei wichtig, “dass wir die Stimmen der Mitglieder hören”. Es müsse geschaut werden, wo die Ursachen für das Wahldesaster lägen – vom Bundesverband bis hin zur kommunalen Ebene.

Ziel sei es, 2025 eine Linke zu präsentieren, die schlagkräftig sei, “weitestgehend einstimmig” spreche “und eine Attraktivität für die Menschen im Land hat”.

Nach Hennig-Wellsows Angaben ist noch offen, ob die Linke zur Aufarbeitung des Wahldebakels einen vorgezogenen Parteitag abhalten wird. Auch ob dabei dann der Vorstand neu gewählt werden soll. müsse noch geklärt werden. Der nächste reguläre Parteitag findet nach ihren Worten im Frühsommer 2022 statt. 

Nach Hennig-Wellsows Angaben hat die Linke seit dem Wahlsonntag rund 1400 Neueintritte verzeichnet. Es gebe offensichtlich schon die Reaktion, dass die Menschen sagten, jetzt werde die Partei erst recht gebraucht, sagte Wissler dazu.

Die Linke hatte bei der Wahl zwar mit 4,9 Prozent die Fünf-Prozent-Hürde verfehlt, zog wegen drei errungener Direktmandate aber trotzdem in Fraktionsstärke in den ein. Sie verfügt aber nur noch über 39 Abgeordnete. 

Bild: © POOL/AFP Christoph Soeder / Hennig-Wellsow und Wissler

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AFP