Bundestags-Rückkehrerin mit Botschaft an die alte Garde der CDU

Berlin () – Erst wurde sie von der Hoffnungsträgerin zum tragischen Fall – nun kehrt sie mit einem Paukenschlag zurück auf die politische Bühne: Für die junge CDU-Abgeordnete Nadine Schön waren die letzten Wochen eine Achterbahn der Gefühle. Viele in der CDU waren fassungslos, als Schön wegen des schlechten Ergebnisses bei der Bundestagswahl den Wiedereinzug ins verpasst hatte. Ausgerechnet Schön, deren Name immer wieder genannt wurde, wenn es um die Besetzung künftiger Ministerposten ging.

Am Wochenende folgte die Überraschung: Zwei Bundesminister lassen ihr durch Mandatsverzicht den Vortritt. Die 38-Jährige kehrt als Nachrückerin über die saarländische Landesliste in den zurück, weil Annegret Kramp-Karrenbauer und Peter Altmaier auf ihre Mandate verzichten. Auch der 41-jährige Haushaltsexperte Markus Uhl kann auf diesem Weg im Bundestag bleiben. 

Mit ihrem Verzicht wollen die beiden Minister in Signal setzen für die personelle und inhaltliche Erneuerung der CDU. Sie setzten aber auch ein Zeichen der ganz persönlichen Wertschätzung für Nadine Schön. Mit Schöns Wiedereinzug bleibt dem Bundestag eine anerkannte Expertin für Digitalpolitik erhalten – und der von älteren Männern geprägten Unionsfraktion ein Mitglied, das schon allein durch Alter und Geschlecht heraussticht.

Schön war zuletzt als Vizefraktionschefin für digitale Themen zuständig. Sie ist Co-Chefin des Netzwerks der CDU und eine der Autorinnen des Buchs “Neustaat”, einer viel beachteten Thesensammlung über die grundlegende Modernisierung und Digitalisierung von Staat und Verwaltung.

Für eine Konservative hegt Schön fast revolutionäre Ideen: So kann sie sich etwa in einem erneuerten und digitalisierten Staat die Abschaffung aller Ministerien vorstellen – die Mitarbeiter der Bundesverwaltung könnten in einem Pool gebündelt und je nach Bedarf eingesetzt werden.

Dass sie ihre Vorstellungen einer Radikalkur für Staat und Verwaltung nun doch im Parlament weiter verfolgen kann, kommt für Schön selbst überraschend. “Ich hatte mich schon verabschiedet von den Kolleginnen und Kollegen in der Fraktion”, sagt sie am Samstag in Saarbrücken, kurz nachdem sie erfahren hat, dass sie doch noch in den Bundestag zurückkehrt. 

Die Umstände von Schöns Rückkehr lassen auch aufhorchen, weil sie eine unmissverständliche Botschaft an die Spitze der Bundes-CDU enthalten: Die alte Garde soll nach dem Wahldesaster jetzt den Jüngeren das Feld überlassen. Mit ihrem Schritt setzten sich Kramp-Karrenbauer und Altmaier von CDU-Chef Armin Laschet ab, der eine klare Rückzugsankündigung bislang vermied.

Kramp-Karrenbauer sagte, es reiche nicht aus, immer nur zu sagen, dass Land und wichtiger seien als die eigene Karriere. Nun sei eine Situation eingetreten, “wo man es dann auch tun muss”. Die Jüngeren in der CDU verdienten eine Chance, “und die Chancen liegen ganz eindeutig bei Nadine Schön, weil sie schon bisher ein herausragendes Gesicht dieser Fraktion war”.

Schön hat ihr Berliner Abgeordnetenbüro bislang zum Glück noch nicht geräumt, auch eine Wohnung in der hat sie noch – im Gegensatz zu ihrem Mit-Nachrücker Uhl, der seine Wohnung bereits gekündigt hat. “Dann machen wir eine WG in Berlin”, scherzt Uhl am Samstag auf der gemeinsamen mit Schön.

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AFP