Internationale Anwaltskanzlei will Universität von Hongkong nicht mehr vertreten

Hongkong () – Die internationale Anwaltskanzlei Mayer Brown hat sich im Streit um eine Skultpur zum Gedenken an die Opfer auf dem Pekinger Tiananmen-Platz von der Universität Hongkong (HKU) abgewandt. “Mayer Brown wird seinen langjährigen Mandanten in dieser Sache nicht mehr vertreten”, erklärte das am Freitag laut “Washington Post”. Die ursprünglich in Chicago gegründete Firma war wegen des Streits international in die Kritik geraten.

Die acht Meter hohe “Säule der Schande” erinnert an die die gewaltsame Niederschlagung der Demokratieproteste in Peking 1989. Das Kunstwerk des dänischen Künstlers Jens Galschiot zeigt 50 Menschen mit gequälten Gesichtern und steht seit 1997, als die frühere britische Kronkolonie Hongkong an zurückgegeben wurde, auf dem Campus der HKU.

Mayer Brown hatte im Namen der Universität die kürzlich aufgelöste Hongkonger Allianz, die jahrelang die traditionellen Tiananmen-Mahnwachen in Hongkong organisiert hatte, zum Entfernen der Skulptur aufgefordert. Die Universitätsleitung setzte demnach eine Frist bis Mittwochnachmittag. Die Frist verstrich jedoch, ohne dass zunächst etwas geschah.

Der Schöpfer der Skulptur, der dänische Bildhauer Jens Galschiot, kündigte daraufhin an, sich dafür einzusetzen, dass sein Werk aus Hongkong fortgebracht wird. Er hoffe, dass seine Urheberschaft und Eigentumsrechte respektiert würden und “ich in der Lage sein werde, die Skulptur unter geordneten Bedingungen aus Hongkong zu transportieren, ohne dass sie Schaden nimmt”, erklärte er in einer E-Mail.

US-Politiker übten daraufhin scharfe Kritik an Mayer Brown. Der Senator Lindsey Graham warf der Kanzlei vor, “auf Geheiß der Kommunistischen die Erinnerung an die mutigen jungen chinesischen Studenten auslöschen, die auf dem Platz des Himmlischen Friedens ihr Leben für die Freiheit geopfert haben”. “Amerikanische Firmen sollten sich für ihre Beteiligung (am Entfernen der Skulptur) schämen”, sagte Senator Ted Cruz.

In Hongkong hatte es 2019 monatelang Massenproteste gegen den wachsenden Einfluss Pekings gegeben. Seitdem gehen die mit zunehmender Härte gegen Kritiker in der Sonderverwaltungszone vor. Im Juli 2020 trat das sogenannte Sicherheitsgesetz in Kraft: Es erlaubt den Behörden ein drakonisches Vorgehen gegen alle Aktivitäten, die nach ihrer Auffassung die nationale Chinas bedrohen.

Zahlreiche Führungsfiguren der Opposition wurden seither festgenommen oder gingen ins Exil. Die Behörden erklärten, dass Gedenkveranstaltungen zu den Ereignissen auf dem Tiananmen-Platz als “umstürzlerisch” gewertet und bestraft werden könnten. In den vergangenen Tagen kamen zahlreiche Studenten und Anwohner zur “Säule der Schande”, um dort Fotos zu machen.

Bild: © AFP/Archiv Peter PARKS / Die "Säule der Schande"

Internationale Anwaltskanzlei will Universität von Hongkong nicht mehr vertreten

AFP