Kölnische Rundschau: Wenn Bischöfe versagen

Köln (ots) –

Es gärt in der katholischen Kirche, und das ist gut so. Nach zwei Jahren schwerer Auseinandersetzungen in Köln müssen sich nun auch andernorts kirchliche Amtsträger verstärkt Fragen nach ihren Fehlern beim Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt stellen.

Bemerkenswert am Fall des aus Essen ins Erzbistum München versetzten, später verurteilten Missbrauchstäters Peter H. ist schon der Umstand, wie lange (seit 2010!) so etwas publik sein kann, bevor Bischöfe Schuld bekennen. Erst im Juli 2021 – da hatte der Papst sein Rücktrittsgesuch längst abgelehnt – machte sich der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx in eine betroffene Gemeinde (Garching an der Alz) auf und entschuldigte sich für “Versagen der Institution”. Um eigenes Versagen zu thematisieren, hätte er auch nach Bad Tölz reisen müssen. Dorthin hatte er selbst Peter H. 2008 geschickt. Im Fall Garching war noch Joseph Ratzinger als Erzbischof zuständig.

Der, heute Papst emeritus, will nichts von der Vergangenheit eines von ihm aufgenommenen Priesters gewusst haben. Ein Ex-Papst, der viel über Schuld und Versöhnung gesprochen hat, sich aber nicht der eigenen Verantwortung stellt. Ein Nachfolger in München, der diesem Versteckspiel seit zwölf Jahren zusieht. Ratzinger kann von nichts mehr zurücktreten, Marx könnte es nochmals versuchen.

Aber nach welchen Kriterien entscheidet Papst Franziskus über Rücktrittsgesuche? Der Pariser Erzbischof Michel Aupetit war seinen Job nach Gerüchten über eine erotische Affäre los. Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße und bislang auch Marx müssen weitermachen. Sieht so die Wertehierarchie einer Kirche aus, die sich dem Schutz der Schwächsten verschrieben hat?

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