Evangelische Kirche im Rheinland: Partnerschaft mit Russland: Ich habe nicht erwartet, dass die Zustimmung zum Krieg so …

Pskow/Düsseldorf (ots) –

Oberkirchenrat i. R. Klaus Eberl ist Vorsitzender der Initiative Pskow (https://pskow.ekir.de/). Er ist gerade von einer Reise in die gleichnamige Stadt im Nordwesten Russlands zurückgekehrt. Das Heilpädagogische Zentrum (HPZ) dort ist mit der Evangelischen Kirche im Rheinland eng verbunden. (https://news.ekir.de/meldungen/2022/03/wir-wollen-weiter-den-weg-der-versoehnung-gehen/) Es ist in den 1990er-Jahren aus einer Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirchengemeinde Wassenberg (https://ev-kirche-wassenberg.de/) entstanden und mittlerweile ein Leuchtturmprojekt für die Arbeit mit Menschen mit Behinderung in ganz Russland geworden.

Im mit Ekkehard Rüger spricht der Theologe Eberl über seine Reise, die Haltung der russischen Bevölkerung zum Krieg und die Zukunft des Heilpädagogischen Zentrums.

Herr Eberl, zu Kriegsbeginn haben Sie von Ihrer Sorge gesprochen, wie es mit Pskow weitergeht. Sind Sie besorgter oder unbesorgter von dort zurückgekehrt?

Klaus Eberl: Im Blick auf das Projekt unbesorgter, im Blick auf die politische Situation besorgter. Alle Teilbereiche unserer Partnerschaft arbeiten gut. Unsere Kooperation ist weiterhin sehr wertgeschätzt. Das ist nicht selbstverständlich. Ich habe jedoch nicht erwartet, dass die Zustimmung zum Krieg in der Ukraine in der Bevölkerung so groß ist.

Liegt das an der Propaganda?

Eberl: Es gibt ein weit verbreitetes Geschichtsbild, wonach Russland immer das Opfer ist und seit Jahrhunderten von außen bedrängt wird. Dieses Bild ist so tief in den Köpfen verankert, dass es für die Medien leicht ist, daran anzuknüpfen.

Hat sich die Einstellung auch durch die Teilmobilmachung nicht geändert?

Eberl: Nach meinem Eindruck nicht. Und Pskow ist Garnisonsstadt. Dort sind Fallschirmjäger stationiert und ich weiß, dass es in der Ukraine unter ihnen schon viele Tote gab. Aber das spielt keine Rolle.

Wo sehen Sie die größte Herausforderung für Pskow?

Eberl: Um das Projekt mache ich mir die wenigsten Sorgen. Wir haben in Pskow viele großartige und engagierte Mitarbeiter. Und es wird alles getan, um die Konzepte, die entwickelt worden sind im ganzen Land bekannt zu machen. Wir wollten eine Alternative zum Anstaltssystem schaffen und ein Zeichen der Versöhnung setzen. Das ist im Grunde schon gelungen.

Ist die russische Unterstützung für das Projekt inzwischen nachhaltig?

Eberl: Niemand in Russland würde sagen, wir ziehen uns aus diesem Projekt zurück. Weil man gesehen hat: Das ist die richtige Form, mit Behinderungen umzugehen. Aber es geht bei der Inklusion nicht nur um eine bestimmte Methodik, sondern auch um ein bestimmtes Menschen- und Gesellschaftsbild. Es geht um Wertschätzung von Diversität. Der Inklusionsgedanke stellt auch die Art und Weise, wie gelebt, gearbeitet und gedacht wird, auf den Prüfstand.

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Quellenangaben

Bildquelle: Pfarrer i. R. Klaus Eberl ist gerade aus der russischen Stadt Pskow heimgekehrt. Dort hat er das Heilpädagogische Zentrum besucht, das in den 1990er Jahren mit Hilfe aus der Evangelischen Kirche im Rheinland aufgebaut wurde. / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/79409 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke unter Beachtung ggf. genannter Nutzungsbedingungen honorarfrei. Veröffentlichung bitte mit Bildrechte-Hinweis.
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