Wir sollten es besser wissen

Mainz (ots) –

“Klimaterroristen” – mit der Wahl dieses Begriffs zum “Unwort des Jahres” wird sich die Jury nicht nur Freunde machen. Aber das ist auch nicht ihre Aufgabe, im Gegenteil: Sie will Diskussionen anstoßen, Debatten über die Art, wie wir als Gesellschaft miteinander reden. Und sie will da, wo etwas schiefläuft, den Finger in die Wunde legen. Das ist ihr in diesem Jahr gelungen. Denn auch wenn es nicht wenige geben dürfte, die die Entscheidung der Jury nun vor allem einer links-grünen Einstellung zuschreiben werden (und seien wir ehrlich, ganz abwegig ist es nicht, im akademischen Milieu grüne Sympathien zu vermuten) – die Sprachwissenschaftler machen auf einen wichtigen Punkt aufmerksam: Selbst wenn man etwas kritisiert, sollte man darauf achten, mit welchen Worten man es tut. Es gibt gute Gründe dafür, die Klebe- und Blockade-Aktionen von Klimaaktivisten wie jenen der “Letzten Generation” abzulehnen oder sogar zu verurteilen. Wo es sich um Straftatbestände handelt, sollten diese gesetzlich verfolgt und geahndet werden, was ja auch bereits geschieht. Doch auch der härteste Kritiker wird, wenn er wirklich ehrlich ist, eingestehen müssen, dass zwischen solchen Blockade-Aktionen und der radikalen, tödlichen, unmittelbar gegen Menschenleben gerichteten Gewalt der RAF oder heutiger Terroristen ein himmelweiter Unterschied besteht. Beides sprachlich auf eine Stufe zu stellen, verhöhnt die Opfer wirklicher terroristischer Anschläge – und es bedient auf gefährliche Art ein Muster, das zum Lieblingsarsenal von Autokraten gehört: Ob Erdogan oder Putin – beide bezeichnen ihre Gegner mit Vorliebe als “Terroristen” (oder “ausländische Agenten”). Wir in den liberalen Demokratien sollten es besser wissen.

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