Polens Ministerpräsident verteidigt Reparationsforderungen

Warschau ( Nachrichtenagentur) – Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hat die Reparationsforderungen seines Landes für Schäden im Zweiten Weltkrieg erneuert. “Unsere deutschen Partner müssen endlich die politische, historische, rechtliche und finanzielle Verantwortung für alle Folgen des Überfalls auf unser Land zu übernehmen”, schreibt er in einem Gastbeitrag für den “Spiegel”.

Auf 6.220.609.000.000 Zloty (rund 1,3 Billionen Euro) hat eine von der nationalkonservativen in Warschau eingesetzte Kommission Polens materielle Verluste berechnet. Die betrachtet die Reparationsfrage jedoch als juristisch erledigt und hat der Warschauer Forderung unlängst eine erneute Absage erteilt. “Der deutsche Überfall auf unser Land und die sechs Jahre währende Besatzung haben eine Wunde gerissen, die bis heute nicht verheilt ist”, so Morawiecki. 5,5 Millionen Menschen seien in Polen gestorben oder verschwunden; systematisch hätten die Deutschen polnische Schriftsteller, Künstler, Lehrer, Geistliche und Wissenschaftler terrorisiert: “Im Zuge der sogenannten `Intelligenzaktion` gegen die polnische Führungsschicht verlor der Staat die Hälfte seiner Juristen, 40 Prozent der Ärzte, 20 Prozent der Hochschullehrer – insgesamt etwa 100.000 Menschen.”

Zudem hätten die Besatzer Kunstwerke als Kriegsbeute weggeschleppt, Bibliotheken verbrannt, historische Gebäude zerstört. “An diesem Raubzug beteiligten sich die Besatzungsbehörden genauso wie Privatleute; Wehrmachtssoldaten etwa ließen Schmuck oder Gemälde der Polen mitgehen”, so Morawiecki. “Polen sollte vom Angesicht der Erde getilgt, die Erinnerung daran ausgelöscht werden. Das Ziel war die vollständige Zerstörung.”

Morawiecki kündigte an, seine Regierung werde sich mit dem Entschädigungsanliegen an die Vereinten Nationen sowie Partner in wenden – “und natürlich an die Deutschen, um sie für dieses Thema zu sensibilisieren”.


Foto: Mateusz Morawiecki, über dts Nachrichtenagentur

Polens Ministerpräsident verteidigt Reparationsforderungen

dts Nachrichtenagentur