Preisträger-innen der Obermayer Awards stehen fest

Berlin (ots) –

für herausragendes Engagement zur Bewahrung jüdischer Geschichte und zur Bekämpfung von Vorurteilen in der heutigen Zeit.

Mit den Obermayer Awards (https://widenthecircle.org/de/about-us/obermayer-awards) werden in diesem Jahr Jörg Friedrich aus St. Wendel, Stefan Schirmer und FC Ente Bagdad aus Mainz, Rudolf und Marlies Walter aus Bad Kissingen, Roswitha Weber aus Kenzingen-Bombach, Marion Welsch aus Kleinmachnow sowie der Verein Zweitzeugen aus Essen ausgezeichnet.

Die Obermayer Awards würdigen deutsche Bürger/-innen und Organisationen, die sich in der Erinnerungsarbeit an die durch das NS-Regime zerstörten jüdischen Gemeinden in ihrer Region engagieren und ausgehend von der Lokalgeschichte Antisemitismus und Diskriminierung bekämpfen.

Die Preisverleihung findet am 23. Januar 2023 im Berliner Abgeordnetenhaus im Rahmen der Veranstaltungen anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages statt. Die Feierstunde wird ab 18:00 Uhr als Präsenzveranstaltung begangen und kann darüber hinaus in einem Livestream auf den Websites des Abgeordnetenhauses (https://www.parlament-berlin.de/das-haus/veranstaltungen/obermayer-awards) und von Widen the Circle (https://widenthecircle.org/de/obermayer-awards/obermayer-awards-broadcast) verfolgt werden.

Die Obermayer Awards gehen an deutsche Einzelpersonen und Organisationen, die aufgezeigt haben, welch wichtige Rolle die jüdische Bevölkerung vor der Zeit des Nationalsozialismus über Hunderte von Jahren für die deutsche spielte. Ausgezeichnet wird darüber hinaus das Engagement von Menschen, die sich ausgehend von den Lehren aus der Geschichte der Bekämpfung von Vorurteilen und Rassismus (einschließlich Antisemitismus) widmen und die Verständigung zwischen verschiedenen Gruppen fördern, um dem Aufkommen und der zunehmenden Verbreitung von Vorurteilen etwas entgegenzusetzen.

“In einer Zeit, in der in vielen Ländern Antisemitismus und andere Formen von Vorurteilen und Hass immer mehr um sich greifen, sind die diesjährigen Preisträger*innen Vorbilder für alle, die sich für die Überwindung von brutalem Rassismus, Diskriminierung und Intoleranz einsetzen”, sagt Joel Obermayer, Geschäftsführer der Organisation Widen the Circle, die die Awards verwaltet.

Der Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin Dennis Buchner: “Ich bin dankbar, dass jüdisches Leben in Berlin und Deutschland wieder sichtbarer geworden ist und jüdische Kultur und Traditionen aktiv gelebt werden. Jüdinnen und Juden sind jedoch leider in den vergangenen Jahren auch verstärkt antisemitischen Ressentiments, Angriffen und Schuldzuweisungen ausgesetzt. Mit der Verleihung der Obermayer Awards im setzen wir daher auch in diesem Jahr ein deutliches Zeichen gegen jeden Antisemitismus und für gesellschaftlichen Zusammenhalt, Verständnis und Respekt. Ich gratuliere allen Preisträgerinnen und Preisträgern und bedanke mich für ihr großes persönliches Engagement.”

Die Preisträger/-innen der Obermayer Awards 2023:

· Jörg Friedrich (St. Wendel, Saarland):

Der heutige Lehrer und ehemalige Bankbetriebswirt hat einen innovativen Ansatz entwickelt, um Jugendlichen die jüdische Lokalgeschichte und die von Vorurteilen ausgehenden Gefahren zu vermitteln. Unter dem Titel “Multimediale und inklusive Erinnerungsarbeit – Jüdisches Leben in der Gemeinde Nohfelden” im Landkreis St. Wendel hat er verschiedene Projekte auf den Weg gebracht, darunter eine Wanderausstellung zur jüdischen Geschichte, eine Website, zwei Filme, eine App zu den “Wegen der Erinnerung”, einen Erinnerungspfad mit Gedenktafeln, Wandertage zur jüdischen Geschichte und Kultur sowie Unterrichtsmaterialien mit Komponenten in Brailleschrift oder Audiobeiträge für lernbehinderte Menschen.

· Stefan Schirmer und FC Ente Bagdad (Mainz, Rheinland-Pfalz):

Stefan Schirmer ist beim FC Ente Bagdad zuständig für die Themen Erinnerungskultur und Antidiskriminierungsprojekte. Der Amateur-Fußballverein, bringt über den Sport Spieler*innen aus verschiedenen Ländern zusammen und wirkt so Vorurteilen entgegen. Schirmer organisiert die Mainzer Erinnerungswochen des Vereins im Januar, die sich schwerpunktmäßig sowohl mit der Vermittlung der NS-Geschichte als auch der Bekämpfung von Antisemitismus in der heutigen Zeit befassen. Darüber hinaus hat er Programme zur Aufnahme und Unterstützung junger Geflüchteter aus Ländern wie Syrien, Afghanistan und der Ukraine initiiert, denen unter anderem ein niedrigschwelliger Zugang zum Fußball geboten wird. In den letzten Jahren hat der Verein seine Bildungsarbeit auch auf die Bereiche Diskriminierung von Sinti und Roma, LGBTQ-Personen und Menschen mit Behinderungen ausgeweitet.

· Rudolf und Marlies Walter (Bad Kissingen, Bayern):

Das Paar engagiert sich seit mehr als 30 Jahren federführend in der Erinnerungsarbeit in Bad Kissingen, um die Bedeutung der jüdischen Gemeinde für die Stadt aufzuzeigen und die NS-Geschichte der Region ans Licht zu bringen. Am Anfang stand 1988 die Konzeption und Umsetzung einer bahnbrechenden Ausstellung zur jüdischen Geschichte zusammen mit Schüler/-innen des Bad Kissinger Gymnasiums, die heute als Dauerausstellung fest in der Stadt verankert ist. Sie organisierten nach der Schändung des jüdischen Friedhofs eine Protestdemonstration, setzten sich maßgeblich für die Umbenennung des Gymnasiums nach einem ehemaligen jüdischen Schüler, dem Holocaust-Überlebenden und Nobelpreisträger Jack Steinberger ein, schufen ein Online-Gedenkbuch mit Biographien ehemaliger jüdischer Bürger*innen und beteiligten sich aktiv an zahlreichen Erinnerungsprojekten.

· Roswitha Weber (Kenzingen-Bombach, Baden-Württemberg):

Die ehemalige Grundschullehrerin hat Pionierarbeit zur Vermittlung des Holocaust an Grundschulen (vorwiegend in der Altersgruppe der 6- bis 10-Jährigen) geleistet. Ein Schwerpunkt ist dabei ihre Arbeit zu und mit der Holocaust-Überlebenden Inge Auerbacher, die aus dem nahegelegenen Kippenheim stammt und heute in den USA lebt. Roswitha Weber hat eine Reihe von niedrigschwelligen Unterrichtsmaterialien zu den Lebenserfahrungen von Inge Auerbacher erstellt und den “Inge-Auerbacher-Tag” initiiert, der inzwischen seit 2006 regelmäßig an ihrer ehemaligen Schule begangen wird. Darüber hinaus hat sie das Thema in den Austausch mit anderen Lehrenden eingebracht und Begegnungen zwischen Kindern bzw. der Stadtbevölkerung und noch lebenden Zeitzeugen der NS-Verbrechen organisiert.

· Marion Welsch (Kleinmachnow, Brandenburg):

Das Werk der Autorin und pensionierten Lehrerin umfasst unter anderem die Bücher “Eine Waschmaschine in Haifa” (eine Chronik der Geschichte einer jüdischen Familie mit Wurzeln in der Heimatstadt ihrer Mutter) und “Sprich mit mir” über ihre Suche nach der Wahrheit über die Nazivergangenheit ihrer Familie väterlicherseits. Marion Welsch hat das Fundament für die Erinnerungsarbeit an ihrem Wohnort gelegt – trotz mancher Vorbehalte und Unbehagen in der Bevölkerung – und war federführend an den Recherchen zu den Stolpersteinen und deren Verlegung vor den Häusern ehemaliger jüdischer Nachbarn in Kleinmachnow beteiligt. Als Leiterin der Begegnungsstätte Schloss Gollwitz hat sie heilsame Beziehungen zwischen jüdischen und nichtjüdischen Menschen hergestellt, unter anderem mit Holocaust-Überlebenden aus Israel und Deutschland und ihren Nachfahren.

· Zweitzeugen (Essen, Nordrhein-Westfalen):

Der Zweitzeugen e.V. lässt junge Menschen anhand der Lebensgeschichten von Holocaust-Überlebenden zu “zweiten Zeugen” werden. Bis heute hat der Verein mit 37 Überlebenden zusammengearbeitet, ihre Lebensgeschichten in großer Detailtiefe recherchiert und diese öffentlich zugänglich gemacht: über vielfältige Workshops sowie Videos, Wanderausstellungen, Zeitschriftenartikel, TV-Beiträge und auf verschiedenen Plattformen. Es wurden pädagogische Konzepte entwickelt, um den Kindern und Jugendlichen Empathie und einen emotionalen Zugang zu den Überlebenden zu vermitteln und sie gleichzeitig für Diskriminierung im heutigen Deutschland zu sensibilisieren. Die Herangehensweise des Vereins, der mit Kindern ab dem Alter von 10 Jahren arbeitet, wurde bereits von anderen Schulen in Nordrhein-Westfalen und deutschlandweit übernommen.

Hintergrundinformation

Die Obermayer Awards wurden im Jahr 2000 von Dr. Arthur S. Obermayer (1931-2016), einem vielfältig engagierten amerikanischen Unternehmer und Philanthropen, und seiner Frau Dr. Judith H. Obermayer ins Leben gerufen. Die Verwaltung erfolgt durch Widen the Circle. Die Preisverleihung in Berlin wird durch das Berliner Abgeordnetenhaus finanziell und organisatorisch unterstützt. Co-Sponsor ist das Leo Baeck Institut (New York). Unter WidentheCircle.org finden Sie Informationen über die Awards sowie Porträts zu den Preisträger*innen der Vorjahre.

Widen the Circle arbeitet mit Menschen in Deutschland und den USA, die zur Aufklärung der Geschichte der Unterdrückung und Diskriminierung in ihrer Region beitragen und sich ausgehend von den Lehren aus dieser Geschichte für eine gerechtere Welt einsetzen. Widen the Circle wurde 2019 als gemeinnützige Organisation gegründet und wird von der Obermayer-Stiftung unterstützt. Derzeit konzentrieren sich die Aktivitäten auf drei Bereiche: Obermayer Awards, Widen the Circle Network, und International Bridge-Building (Internationaler “Brückenbau” durch Begegnungen).

Link zur Preisverleihung: https://agh.berlin/oa

Pressekontakte:

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Newsroom: Abgeordnetenhaus von Berlin

Quellenangaben

Textquelle: Abgeordnetenhaus von Berlin, übermittelt durch news aktuell
Quelle: https://www.presseportal.de/pm/128557/5413881

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