Die Ernährung sichern mit Artenschutz

Berlin : Der weltweite Verlust biologischer Vielfalt, und damit von Tier- und Pflanzenarten, beschleunigt sich. Er zerstört die Funktionalität unserer Ökosysteme und gefährdet unsere Ernährungssicherheit. Anlässlich des internationalen Tags des Artenschutzes am 3. März fordert Slow Food Deutschland Politik, Wirtschaft sowie Verbraucher*innen dazu auf, gemeinsam als Gesellschaft die Reform unseres Ernährungssystems auf den Weg zu bringen. Das Handeln aller muss ineinandergreifen. Unausweichlich sind eine ökologischere Wirtschaftsweise in der landwirtschaftlichen Urerzeugung unserer Lebensmittel, aber auch planetengesunde Kauf- und Ernährungsmuster. Aktuelle Entwicklungen wie die Notzulassungen von Neonikotinoiden laufen all dem zuwider.

Das weltweite Rückgang an Arten beschleunigt sich, mit potentiell schwerwiegenden Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Lebensmitteln. Eine aktuelle Studie des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) und der britischen Denkfabrik Chatham House identifiziert das globale Ernährungssystem selbst als die wichtigste Triebkraft dieses Trends und mahnt in aller Dringlichkeit dessen Reform an. Für die Zukunft unserer ist es von zentraler Bedeutung, Landwirtschaft, Fischerei, Lebensmittelverarbeitung und -handel sowie Genuss so auszurichten, dass sie der Diversität dienen statt sie zu reduzieren. “Die Mahnungen der Wissenschaft häufen sich, die umfassende Neuausrichtung unseres Lebensmittelsystems zügig auf den Weg zu bringen. Lebensmittelerzeugung und Ernährung müssen ökologischer, regionaler und pflanzlicher werden. gehört in jedes Wahlprogramm und auf jeden Einkaufszettel!”, fordert Nina Wolff, amtierende Vorsitzende von Slow Food Deutschland (SFD).

Slow Food fordert eine ernährungspolitische Strategie einschließlich administrativer Strukturen, in denen der Schutz der biologischen Vielfalt höchste Priorität hat. Für eine artenschutzfreundliche Landwirtschaft müsse der Ausstieg aus dem übermäßigen Gebrauch von Pestiziden vorangetrieben werden. Die jüngst erschienenen wissenschaftlichen Empfehlungen belegen für Slow Food einmal mehr, wie inakzeptabel die aktuellen Notzulassungen von Neonikotinoiden in bereits sieben Bundesländern sind. Ihr Verbot 2018 hatte Slow Food begrüßt. Neonikotinoide kosten nicht nur das Leben vermeintlicher Schädlinge, sondern auch das von Honig- und Wildbienen sowie Bodenorganismen; sie zerstören die Nahrungsketten von Vögeln. Dazu Rupert Ebner, Schatzmeister von SFD: “Wir erleben hier hautnah, was passiert, wenn Politik und Wirtschaft Hintertürchen bleiben, um eine an ökologischen Kriterien ausgerichtete Agrarpolitik auszuhebeln. Wir richten damit heute irreparable Schäden für die Welt von morgen an.”

Die Verbraucher*innen möchte Slow Food ermutigen, eine planetengesunde Ernährung im Alltag und in der Küche zu integrieren. Saisonales aus der Region, möglichst ökologisch erzeugt, kann die Natur entlasten und für mehr Genuss auf dem Teller sorgen. Die Vielfalt, etwa von alten Tierarten und Saatgut alter Obst- und Gemüsesorten, aus der eigenen Region haben das Besondere. Es entsteht durch Klimagegebenheiten, durch die Beschaffenheit der Böden und die Menschen, die daraus Gutes entstehen lassen.

>> Anlässlich des Welttags des Artenschutzes lädt SFD zur kostenfreien Online-Lesung (https://www.slowfood.de/termine/termine_ueberregional/lesung-mit-tanja-busse”) mit der renommierten Umwelt- und Agrarexpertin Tanja Busse ein. Sie liest aus ihrem Buch “Das Sterben der anderen” und spricht dazu mit Nina Wolff | 2. März um 19:30 Uhr.

>> Zur internationalen Kampagne ‘Our Food Our Future’ (https://sfd-presse.news.slowfood.de/i/7LcPGmZw1qRULCVzxHnhvg), welche die Zusammenhänge zwischen industrieller Lebensmittelproduktion und Klimawandel, Armut sowie anderer wichtiger Triebkräfte von Migration aufzeigt. Junge Menschen werden zu politischem Engagement für ein zukunftsfähiges Lebensmittelsystem, welches u.a. Artenschutz und Agrarökologie verbindet, ermutigt.

>>” Zur UNEP-Studie (https://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/2021-02-03-food-system-biodiversity-loss-benton-et-al_0.pdf)

Quellenangaben

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