ZDF-Politbarometer Juli I 2021: Corona: Mehrheit für Impfpflicht im Gesundheits- …

Mainz (ots) – Das Thema Corona nimmt wieder an Bedeutung zu. Um für die Bevölkerung einen möglichst großen Schutz zu erreichen, müsste sich ein Großteil der Menschen bei uns impfen lassen. Die meisten Befragten (58 Prozent) bezweifeln, dass dies bis zum Ende des Sommers der Fall sein wird. 40 Prozent glauben, dass die Impfquote dann für eine sogenannte Herdenimmunität ausreichen wird (Rest zu 100 Prozent hier und im Folgenden jeweils “weiß nicht”). Um mehr Menschen dazu zu bewegen, sich impfen zu lassen, sind dafür auch kleine finanzielle Anreize in der Diskussion. Das stößt auf eine klare Ablehnung (84 Prozent), nur 13 Prozent sprechen sich dafür aus. Eine Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheits- und Pflegebereich (dafür: 60 Prozent; dagegen: 38 Prozent) und in Schulen und Kitas (dafür: 55 Prozent; dagegen: 43 Prozent) erhält jedoch mehrheitliche Unterstützung. Sollte es zu einer vierten Corona-Welle kommen, glauben nur 24 Prozent, dass die Belastungen in den Krankenhäusern wieder ähnlich stark wären wie bei den bisherigen Wellen. 70 Prozent gehen davon aus, dass diese weniger heftig ausfallen würden.

Projektion: Union und SPD legen leicht zu – Grüne verlieren

Im Vergleich zu Ende Juni gibt es in der Projektion erneut geringe Veränderungen. Wenn am nächsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre, könnte die Union zum dritten Mal in Folge leicht zulegen und käme auf 30 Prozent (plus 1), die SPD würde sich auf 15 Prozent (plus 1) verbessern. Die AfD bliebe bei 10 Prozent, die FDP erhielte ebenfalls 10 Prozent und die Linke 7 Prozent, alle unverändert. Die Grünen müssten zwei Punkte abgeben und könnten mit 20 Prozent rechnen, die anderen Parteien zusammen erreichten weiterhin 8 Prozent. Damit hätte eine Koalition aus CDU/CSU und Grünen eine Mehrheit, reichen würde es auch für ein Bündnis aus CDU/CSU, SPD und FDP, nicht aber für Schwarz-Rot, für eine Ampel aus Grünen, SPD und FDP sowie für Grün-Rot-Rot.

Top Ten: Baerbock auf Rekordtief

Bei der Beurteilung nach Sympathie und Leistung (“Was halten Sie von?”) liegt Angela Merkel weiterhin auf Platz eins mit einem Durchschnittswert von 2,5 (Jun. II: 2,4) auf der Skala von +5 bis -5. Es folgen mit deutlichem Abstand Winfried Kretschmann mit 1,6 (Jun. II: 1,7) und Markus Söder mit 1,4 (Jun. II: 1,3). Auf Platz vier liegt Olaf Scholz mit 1,0 (Jun. II: 1,0). Danach Robert Habeck mit 0,8 (Jun. II: 1,0), Armin Laschet mit 0,5 (Jun. II: 0,4), Sahra Wagenknecht mit 0,3 (Jun. II: 0,4) und Jens Spahn mit 0,2 (Jun. II: 0,0). Christian Lindner kommt ebenfalls auf 0,2 (Jun. II: 0,1). Annalena Baerbock verliert deutlich und fällt auf minus 0,5 (Jun. II: minus 0,1) zurück, ihren bisher schlechtesten Wert.

Große Bedeutung der Bundestagswahl

Im Vergleich zu den letzten Bundestagswahlen ist die anstehende Wahl für 78 Prozent der Befragten und Mehrheiten in allen Parteianhängergruppen besonders wichtig. Für 20 Prozent ist sie das nicht. Weiterhin ist für viele der Ausgang offen: 79 Prozent meinen, es ist noch nicht klar, wer die Wahl im September gewinnen wird, für 19 Prozent steht das bereits fest.

K-Frage: Laschet weiter vorn

Bei der Frage, wen man am liebsten als beziehungsweise -kanzlerin hätte, liegt Armin Laschet mit 37 Prozent (Jun. II: 34 Prozent) erneut vor Olaf Scholz, den 28 Prozent (Jun. II: 26 Prozent) bevorzugen, Annalena Baerbock wünschen sich 18 Prozent (Jun. II: 24 Prozent). Anders als die Kandidaten von Union und SPD erhält sie damit jetzt weniger Unterstützung als noch vor drei Wochen.

Kanzlerkandidaten-Profil

Beim Vergleich wichtiger persönlicher Eigenschaften und fachlicher Fähigkeiten gibt es bei den Befragten keine klaren Präferenzen. In puncto Glaubwürdigkeit setzen 23 Prozent auf Laschet, 17 Prozent auf Scholz und 10 Prozent auf Baerbock. Für 37 Prozent gibt es da keinen großen Unterschied zwischen den Kandidaten. Enger ist das Rennen, wenn es darum geht, wer am sympathischsten ist: 24 Prozent entscheiden sich für Baerbock, 21 Prozent für Laschet und ebenfalls 21 Prozent nennen hier Scholz (kein Unterschied: 22 Prozent). Den meisten Sachverstand bescheinigen 30 Prozent dem SPD-Kandidaten, 24 Prozent dem Unions-Kandidaten und nur 6 Prozent der Grünen-Kandidatin. 23 Prozent sehen keinen Unterschied zwischen den dreien. Die Lösung der zukünftigen Probleme Deutschlands trauen 22 Prozent am ehesten Laschet zu, 15 Prozent Scholz und 13 Prozent Baerbock (kein Unterschied: 23 Prozent).

Deutsch-amerikanische Beziehungen

Eine große Mehrheit (78 Prozent) bezeichnet die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA als gut, nur 17 Prozent halten sie für schlecht. Damit knüpfen die Einschätzungen an die Zeiten vor der Präsidentschaft von Donald Trump an, in der die deutsch-amerikanischen Beziehungen mit wenigen Ausnahmen durchgängig positiv wahrgenommen wurden. Im Oktober 2020 hingegen, zum Ende von Trumps Amtszeit, sprachen nur 28 Prozent von einem guten Verhältnis, aber 69 Prozent von einem schlechten.

Die zum Politbarometer wurde wie immer von der Mannheimer Forschungsgruppe durchgeführt. Die Interviews wurden in der Zeit vom 13. bis zum 15. Juli 2021 bei 1.224 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch erhoben. Dabei wurden sowohl Festnetz- als auch Mobilfunknummern berücksichtigt. Die Befragung ist repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der Fehlerbereich beträgt bei einem Anteilswert von 40 Prozent rund +/- drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von 10 Prozent rund +/-zwei Prozentpunkte. Daten zur politischen Stimmung: CDU/CSU: 36 Prozent, SPD: 16 Prozent, AfD: 4 Prozent, FDP: 10 Prozent, Linke: 6 Prozent, Grüne: 22 Prozent. Das nächste bundesweite Politbarometer sendet das ZDF am Freitag, 30. Juli 2021.

Weitere Informationen zur Methodik der Umfrage und zu den genauen Frageformulierungen finden Sie auch auf https://forschungsgruppe.de (http://www.forschungsgruppe.de).

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