Börsen-Zeitung: Neue Hürden Kommentar zur Deutschen Bank von Bernd Neubacher

Frankfurt (ots) –

Unverhofft kommt oft: Kaum tritt zutage, dass die Deutsche Bank mit ihrer Groß-Restrukturierung die Kurve kriegt, da türmen sich neue Hürden auf. Hatte der Vorstand bisher vor allem hausgemachte Probleme zu lösen, sieht er sich nun extern Widrigkeiten gegenüber. Dass diese weitaus schwieriger zu bewältigen sind als überfällige Korrekturen im Geschäftsmodell, ist dem Kapitalmarkt offenbar wohl bewusst. Angesichts des Krieges in der Ukraine, seiner unwägbaren Folgen, einer galoppierenden Inflation und gestörter Lieferketten liegen die Nerven einigermaßen blank. Am Mittwoch waren eine minimal über dem Konsens liegende Risikovorsorge sowie ein unerwartet hohes Kostenniveau Anlass genug, die Aktie ans Ende der Performance-Tabelle im Dax zu setzen.

Dass die Investmentbank die Erträge nach einem Sprung im Ausnahme-Startquartal 2021 nochmals gesteigert hat – geschenkt. Dass der Vorsteuergewinn der Unternehmensbank trotz kräftiger Aufstockung der Risikovorsorge um ein Viertel angezogen hat – einerlei. Dass der Kurs der Commerzbank zulegt, während Deutsche-Bank-Titel abschmieren – erklärbar mit der von der gelben Bank auf Dienstagabend vorgezogenen Publikation von Quartalszahlen, die den Konsens weiter hinter sich ließen als nun die Deutsche Bank, nicht aber mit dem Russland-Exposure, das in der Commerzbank mit netto 1,3 Mrd. das 2,6-Fache des Bestands im blauen Institut ausmacht.

Offensichtlich beschleichen die Investoren vielmehr Zweifel, wie sich das als “globale Hausbank” apostrophierte Institut eigentlich schlagen wird, wenn etwa ein russischer Gaslieferstopp, wie er Polen und Bulgarien bereits trifft, dessen Heimatmarkt in eine Rezession abdriften lässt, während außerhalb die Globalisierung rückabgewickelt wird. Besser als Wettbewerber im Ausland, könnte man meinen. Schließlich hat schon in der Pandemie kein anderes Land das Füllhorn öffentlicher Hilfen derart freigebig ausgeschüttet wie die Bundesrepublik, was sich nun zu wiederholen scheint. Die größte Bank des Landes würde nicht fallen gelassen.

Jenseits solcher Extremszenarien hat das Startquartal gezeigt, wie rasch ein sich hartnäckig haltender Personalkostenblock den Ergebnisspielraum begrenzt. Eskaliert die Lage, wäre es jedenfalls rasch Essig mit den von der Bank in Aussicht gestellten milliardenschweren Ausschüttungen. Dass sie den Vergütungsansprüchen der Beschäftigten im Zweifel Vorrang vor Interessen der Anteilseigner gibt, daran haben sich die Aktionäre in den vergangenen Jahren gewöhnen müssen.

(, 28.04.2022)

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