Der Palmengarten Leipzig – ein Park und viele Möglichkeiten

Palmengarten Leipzig

Wenn die Leipziger ins Grüne wollen, ohne dafür lange Autofahrten machen zu müssen, besuchen sie den Palmengarten Leipzig. Stolze 22,5 Hektar misst der Palmengarten im Leipziger Stadtteil Lindenau und er liegt nur zwei Kilometer vom Zentrum der Messestadt entfernt. Wer im Norden der Stadt durch die Jahnallee geht, kommt in den Palmengarten und im Osten endet der Richard-Wagner-Hain in der schönen Parkanlage. Im Süden führt die Karl-Heine-Straße in den Garten und am Westen wird er von der Bowmanstraße und von der Kleinen Luppe begrenzt.

Die Geschichte des Palmengartens

Das große Vorbild des Palmengartens in Leipzig ist der Frankfurter Palmengarten. Auf dem Gelände des heutigen Gartens befand sich ursprünglich der Leipziger Auenwald. Im Jahre 1893 fand im nördlichen Teil des heutigen Palmengartens eine internationale Gartenbauausstellung statt, der Anlass war das 50-jährige Bestehen des „Leipziger-Gärtner-Vereins“. Dieser Verein rief einen Wettbewerb ins Leben, und zwar sollte ein Garten geschaffen werden, der dem Palmengarten in Frankfurt ähnelt. Der glückliche Gewinner hieß Eduard May und war gelernter Gartentechniker. Otto Moßdorf, der Besitzer einer Gärtnerei in Leipzig-Lindenau, der im Wettbewerb den zweiten Platz belegte, sollte den Entwurf von May in die Tat umsetzen. Moßdorf hatte zuvor bereits das Gelände der Gartenausstellung gestaltet.

Ein nicht ganz einfaches Projekt

Schnell stellte sich heraus, dass die Realisierung des Projekts Palmengarten nicht ganz so einfach war, wie es sich der Gartenverein vorgestellt hatte. Vor allem die Finanzierung stand auf unsicheren Füßen, daher wurde 1896 extra eine Aktiengesellschaft gegründet, um Geld in die Kasse zu bekommen. Diese Aktiengesellschaft pachtete das Hauptgelände von der Stadt Leipzig den südöstlich gelegenen sogenannten Ritterwerder, der später in Klingerhain umgetauft wurde, kaufte die Aktiengesellschaft. Am 29. April 1899 war es dann endlich so weit und der Leipziger Palmengarten wurde mit einer Rede des Oberbürgermeisters Otto Georgi feierlich für Besucher geöffnet. In den ersten Jahren galt der Palmengarten als eine sehr „vornehme Erholungsstätte Leipzigs“ und nur die bessere Gesellschaft der Stadt durfte sich dort aufhalten.

Wie kam der Palmengarten zu seinem Namen?

Der Park wurde schnell zu einem echten Publikumsmagneten, vor allem, weil es ein Konzert- und Gesellschaftshaus gab, was vom Leipziger Architekturbüro Schmidt & Johlige entworfen wurde. Das imposante Haus war im nordöstlichen Teil zu finden und in unmittelbarer Nähe befand sich das Haus, was dem Park seinen Namen verdankt: das Palmenhaus. Dieses knapp 1300 Quadratmeter große Haus wurde zur Heimat von Palmen und anderen exotischen Pflanzen aus den Tropen. Einen weiteren Höhepunkt des Palmengartens ist bis heute der 11.100 Quadratmeter Teich mit einer Wasserfontäne.

Das Unglück im Gesellschaftshaus

1901 kam es zu einem schweren Unglück im Gesellschaftshaus. Während eines Konzerts brachen gleich mehrere bis zu 50 Kilogramm schwere Stuckstreifen von der Decke und fielen aus einer Höhe von 14 Metern auf die Besucher. Eine junge Frau wurde dabei getötet, zwei weitere Besucherinnen des Konzerts erlitten schwere Verletzungen. Die beiden Verletzten klagten schließlich gegen die Stadt Leipzig, gegen die Aktiengesellschaft des Palmengartens, gegen die Architekten sowie gegen das Berliner Bauunternehmen Boswau & Knauer. Allerdings kamen weder das Landgericht Leipzig noch das Oberlandesgericht in Dresden zu einem Urteil und so endete der Prozess mit einem Vergleich.

Ein Park für alle Leipziger

Lange Zeit war der elegante Palmengarten nur der vornehmen Leipziger Gesellschaft vorbehalten, erst 1921 änderte sich das, als der Palmengarten an die Stadt Leipzig verkauft wurde. Jetzt durfte jeder Einwohner der Stadt die Schönheit des Gartens und die exotischen Pflanzen bewundern. 1936 bekam die Stadt finanzielle Sorgen und sah sich gezwungen, den Park zu verkleinern, bis auf das Gebiet nördlich der Elster. Die Mauer, die bislang an der Plagwitzer Straße stand, wurde entfernt und direkt hinter der Klingerhainbrücke wurde ein Kassenhäuschen aufgestellt. Wer den Palmengarten besuchen wollte, musste künftig Eintritt bezahlen. Da für das Jahr 1940 eine große Ausstellung geplant war, wurden bereits ein Jahr zuvor das Palmenhaus und das vornehme Gesellschaftshaus gesprengt. Zur geplanten Ausstellung kam es jedoch nicht mehr, da der Zweite Weltkrieg ausbrach.

Der Neuanfang

Erst zehn Jahre nach dem Ende des Krieges wurde ein Neuanfang geplant. Die Stadt Leipzig entschloss sich, den Johannapark, den König-Albert-Park und den Scheibenholzpark zum Clara-Zetkin-Park zusammenzuschließen. Nach dem Fall der Mauer und dem Ende der DDR bekam der Park 2011 auch offiziell wieder seinen ursprünglichen Namen: Palmengarten. Heute ist der Garten die Heimat sehr vieler wertvoller Pflanzen und Gehölze, die zum größten Teil aus der Baumschule des Botanischen Gartens stammen, der im Jahre 1960 aufgelöst wurde. Das Revuetheater am Palmengarten wurde bereits 2009 eröffnet, es bot bis zu 150 Besuchern Platz und war ursprünglich mal eine Gastankstelle. Das Gebäude selbst stammt noch aus dem Jahr 1944 und steht heute unter Denkmalschutz. Da das Theater aber nicht sonderlich rentabel war, wurde es vor drei Jahren wieder geschlossen.

Was bietet der Palmengarten heute?

Im Laufe der Jahre hat sich im Palmengarten Leipzig einiges verändert und von den ursprünglichen Attraktionen ist leider nicht mehr viel geblieben. Fast alle historischen Gebäude wurden gesprengt oder während der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstört. Heute können sich die Besucher nur noch am exotischen Baumbestand und an den Teichen erfreuen. Wer sich für die lange und spannende Geschichte des Gartens interessiert, wird auch weitere Fundstücke aus der Vergangenheit finden, wie beispielsweise den 1897 entstandenen Pavillon aus Gusseisen. Zu sehen sind außerdem noch die Reste einer Grotte, die mit einem künstlichen Wasserfall kombiniert war. Der Park ist rund um die Uhr geöffnet und niemand muss mehr Eintritt zahlen.

Ideal für Familien

Wer in Leipzig zu Hause ist und am Wochenende mit der Familie einen Ausflug plant, sollte den Palmengarten besuchen. Die Spazierwege sind gepflegt, es gibt große Rasenflächen, auf denen die Kinder toben können und die Enten am Teich lassen sich bereitwillig füttern. Interessant ist der Palmengarten jedoch bis heute durch seinen Bestand an seltenen Bäumen. Einen Parkführer zu kaufen, ist daher eine sehr gute Idee, denn anhand des Führers lassen sich die Bäume erkennen und die Besucher erfahren viel über die Gewächse aus den Tropen. An Sommertagen ist ein Picknick eine ebenso gute Idee, denn die Bäume spenden angenehmen Schatten und in der Idylle des Parks vergessen die Besucher schnell, dass das Stadtzentrum von Leipzig nur zwei Kilometer entfernt ist.

Bild: @ depositphotos.com / PantherMediaSeller

Ulrike Dietz
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