Save the Children Deutschland e.V.: Afghanistan: 9,6 Millionen Kinder müssen täglich Hunger leiden, zeigen neue …

Berlin/Kabul (ots) –

9,6 Millionen in Afghanistan müssen täglich leiden. Dies zeigen neue Zahlen aus der gestern veröffentlichten “Integrated Food Security Phase Classification”-Analyse (IPC) zur akuten Ernährungsunsicherheit in Afghanistan (https://www.ipcinfo.org/fileadmin/user_upload/ipcinfo/docs/IPC_Afghanistan_AcuteFoodInsec_2022Mar_2022Nov_report.pdf). Gründe für diesen erschreckenden Anstieg sind der wirtschaftliche Zusammenbruch des Landes, aber auch die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine und die anhaltende Dürre in der Region. Sofortige Nahrungsmittelhilfe sowie weitere Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft sind notwendig, um Leben zu retten und die schlimmste Hungerkrise des Landes seit Beginn der Aufzeichnungen zu bewältigen, so Save the Children.

Den Zahlen zufolge haben 19,7 Millionen Kinder und Erwachsene in Afghanistan nicht genug zu essen, also fast 50 Prozent der Bevölkerung. Allein von März bis Mai wurden 20.000 Menschen in die Hungersnot getrieben.

Seit der Machtübernahme der Taliban im August vergangenen Jahres reagierte die internationale Gemeinschaft vor allem mit dem Einfrieren von Finanzmitteln und gewährte nur noch in geringem Maß Entwicklungshilfe. Dies brachte die Wirtschaft in eine Abwärtsspirale; Armut und Arbeitslosigkeit nahmen zu und die Lebensmittelpreise stiegen dramatisch an. Viele Eltern müssen zu verzweifelten Maßnahmen greifen, um ihre Kinder zu ernähren.

“Jeden Tag behandeln unsere medizinischen Teams Kinder, die vor ihren Augen immer schwächer werden, weil sie nur einmal am Tag Brot zu essen bekommen – und das sind die Glücklichen”, sagt Athena Rayburn, Direktorin für Advocacy, Kampagnen und Medien bei Save the Children. “Die Kinder in Afghanistan haben nie ein Leben ohne Konflikt erfahren, und wenn nicht bald etwas unternommen wird, werden sie auch keines ohne nagenden Hunger kennen. Die Welt sollte den Kindern in Afghanistan nicht den Rücken zuwenden.”

Von Juni bis November dieses Jahres werden voraussichtlich fast 20 Millionen Kinder und Erwachsene Nahrungsmittelhilfe benötigen, es stehen aber nur genügend Mittel für etwa 3,2 Millionen Menschen zur Verfügung. “Da die Aufmerksamkeit der Welt auf die Ukraine gerichtet ist, schwindet die Hoffnung, diese Krise rechtzeitig zu bewältigen. Mit jedem Tag, der ohne die erforderlichen Mittel verstreicht, sterben Kinder an vermeidbaren Ursachen”, betont Athena Rayburn. “Die internationale Gemeinschaft muss sowohl die Finanzierungslücke als auch den wirtschaftlichen Zusammenbruch Afghanistans angehen, indem sie Wege findet, die Liquidität der Wirtschaft des Landes zu sichern. Solange die Wirtschaftskrise nicht entschärft und die steigende Armut nicht eingedämmt wird, werden die Kinder weiterhin mit einem katastrophalen Ausmaß an Hunger konfrontiert sein. Humanitäre Hilfe allein kann ihr Leben nicht retten.”

Maryam*, 26, lebt mit ihren fünf Kindern in der afghanischen Provinz Faryab, wo viele Familien nur eine Mahlzeit am Tag zu sich nehmen können und die öffentlichen Krankenhäuser mit unterernährten Kindern überfüllt sind. Maryams Ehemann versucht, im Iran Arbeit zu finden, um seine Familie zu unterstützen. “Ich mache mir Sorgen um meine Kinder”, sagt Maryam. “Ich muss mir Geld leihen, um ihnen Essen zu kaufen, aber meistens habe ich nicht genug Essen für sie.”

Maryam hat sich kürzlich eine größere Summe Geld geliehen, um ihr Baby Khal Mirza* ins Krankenhaus zu bringen. Der Säugling leidet an schwerer akuter Unterernährung. Nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, brachte Maryam ihn zu einer der mobilen Kliniken von Save the Children, die in ihrer Gemeinde tätig sind. Die Ärzte von Save the Children konnten Khal Mirza helfen.

Leider haben nicht alle unterernährten Kinder in Afghanistan das Glück, ärztlich behandelt zu werden. Da es dem Gesundheitssystem eklatant an Ressourcen und Personal mangelt, bekommen viele Mädchen und Jungen nicht die Hilfe, die sie zum Überleben benötigen. Eine Umfrage von Save the Children (https://www.savethechildren.org/us/about-us/media-and-news/2022-press-releases/afghanistan-pneumonia-hunger-crisis) ergab, dass mehr als 50 Prozent der Familien keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung haben, vor allem, weil ihnen das Geld dafür fehlt.

Die Krise in Afghanistan fällt in eine Zeit, in der die Staatengemeinschaft bereits mit der größten Hungerkrise dieses Jahrhunderts konfrontiert ist. Etwa 44 Millionen (https://www.wfp.org/hunger-catastrophe) Kinder und Erwachsene stehen dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) zufolge weltweit am Rande des Hungertodes.

Zusatzmaterial zum Download:

www.contenthubsavethechildren.org/Package/2O4C2SSBA7L9 (https://eur05.safelinks.protection.outlook.com/?url=http%3A%2F%2Fwww.contenthubsavethechildren.org%2FPackage%2F2O4C2SSBA7L9&data=05%7C01%7Cmarie.schwarzer%40savethechildren.de%7Cfa1ca05adf304d9ebf6708da31ae556b%7C7e675e17e6ed49b38fb77005366df847%7C0%7C0%7C637876922387802403%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJWIjoiMC4wLjAwMDAiLCJQIjoiV2luMzIiLCJBTiI6Ik1haWwiLCJXVCI6Mn0%3D%7C3000%7C%7C%7C&sdata=Sk5ddrdGgRU4rBIVKKW%2B8n1QbBJx0oiF7ARfLi%2Brfqs%3D&reserved=0)

Unter © Save the Children ist das Material honorarfrei auch zur Weitergabe an Dritte nutzbar.

*Namen wurden geändert

Hinweis an die Redaktion:

o Das “Integrated Food Security Phase Classification” (IPC) ist ein international anerkanntes Frühwarnsystem für Hungersnöte, das auf einer Skala von eins (Minimale Ernährungsunsicherheit) bis fünf (Hungersnot) basiert. Aus der IPC-Analyse (https://www.ipcinfo.org/fileadmin/user_upload/ipcinfo/docs/IPC_Afghanistan_AcuteFoodInsec_2022Mar_2022Nov_report.pdf) geht Folgendes hervor:

o 19,7 Mio. Menschen (9,6 Mio. Kinder) waren zwischen März 2022 und Mai 2022 mit einem hohen Maß an akuter Ernährungsunsicherheit (IPC-Phase drei und höher) konfrontiert.

o 18,9 Mio. Menschen (9,2 Mio. Kinder) werden voraussichtlich zwischen Juni und November 2022 mit einem hohen Maß an akuter Ernährungsunsicherheit (IPC-Phase drei und höher) konfrontiert sein.

o Ab März 2022 wurde die Hilfe in Afghanistan erheblich ausgeweitet. Nach Angaben des Welternährungsprogramms wurden von März bis Mai schätzungsweise 15,9 Millionen Menschen (38 Prozent) unterstützt.

o Das hohe Niveau der humanitären Nahrungsmittelhilfe (HFA) für den Zeitraum März bis Mai 2022 wird aufgrund der äußerst begrenzten Finanzierungsmöglichkeiten deutlich sinken. Von Juni bis November wird die HFA nur noch acht Prozent der Bevölkerung abdecken und daher nur eine minimale Entlastungswirkung haben.

o Von März bis Mai 2022 gerieten 20.000 Menschen in eine Hungersnot (IPC-Phase fünf).

o Save the Children leistet in Afghanistan lebensrettende Gesundheits- und Ernährungsdienste für Kinder unter fünf Jahren sowie für schwangere und stillende Mütter, einschließlich der Behandlung von Frauen und Kindern, die an akuter Unterernährung leiden.

Über Save the Children: Im Nachkriegsjahr 1919 gründete die britische Sozialreformerin Eglantyne Jebb Save the Children, um Kinder in Deutschland und Österreich vor dem Hungertod zu retten. Heute ist die inzwischen größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in rund 120 Ländern tätig. Save the Children setzt sich ein für Kinder in Kriegen, Konflikten und Katastrophen. Für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet, in der alle Kinder gesund und sicher leben und frei und selbstbestimmt aufwachsen und lernen können – seit über 100 Jahren.

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Mail: marie.schwarzer@savethechildren.de

Quellenangaben

Textquelle: Save the Children Deutschland e.V., übermittelt durch news aktuell
Quelle: https://www.presseportal.de/pm/106106/5218213

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