Legastheniker sind nicht dumm, sie sind nur wortblind

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Legastheniker sind nicht dumm, sie sind nur wortblind

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Keine Lust zu lesen oder zu schreiben, die Unfähigkeit, sich Wortbilder merken zu können und eine feinmotorische Schwäche, die für eine schlechte Schrift sorgt. Das sind nur drei Symptome, die darauf hinweisen, dass ein Kind unter Legasthenie leidet. Für die betroffenen Kinder, aber auch für die Eltern und die Geschwister ist die Lese-Rechtschreib-Störung eine große Belastung. Sie müssen ständig damit leben, das ihr Kind zu dumm ist, richtig lesen und schreiben zu lernen. Dabei sind Legastheniker nicht dumm, sie sind im wahrsten Sinne des Wortes wortblind.

Viele Übungen und nur wenige Erfolge

Kindern, die unter Legasthenie leiden, steht nur ein unvollständiges Wortbild zur Verfügung. Selbst wenn sie sich alle Mühe geben und immer wieder üben, sie kommen in den ersten Schuljahren selten darüber hinaus, ihren Namen und einfache Worte zu schreiben. Dasselbe Wort wird immer wieder falsch geschrieben, denn Legastheniker schreiben Worte so wie sie meinen, sie gehört zu haben. Sie müssen praktisch jedes Wort mühsam rekonstruieren und das verlangt den Kindern sehr viel Kraft ab. Legastheniker verdrehen Buchstaben, sie vergessen ganze Silben oder schreiben sogar spiegelverkehrt. Diesen Kindern fällt es schwer, ein G von einem K zu unterscheiden und ihre Schrift ist nicht selten unleserlich. Druckbuchstaben und die klassische Schreibschrift stehen wild nebeneinander und immer wieder schleichen sich die gleichen einfachen Fehler ein. Legasthenie hat sehr viele Gesichter und laut der Weltgesundheitsorganisation WHO ist es eine Behinderung.

Im Zweifel testen lassen

Legasthenie zeigt sich meist erst, wenn die Kinder in die Schule kommen. Dort fallen Kinder, die unter der Störung leiden, nicht sofort auf, denn nicht jedes Kind kann auf Anhieb sicher und gut schreiben. Die meisten Kinder brauchen eine gewisse Anlaufzeit, um die ersten fehlerfreien Sätze zu Papier zu bringen. Wenn jedoch zum Ende des ersten Schuljahres die Hälfte eines Wortes immer wieder fehlt oder wenn Wörter sinnlos aneinandergereiht sind, ist es an der Zeit, das Kind auf Legasthenie testen zu lassen. Das Institut für Legasthenie in München testet jedes Jahr bis zu 60 Kinder auf die Störung und jedes Jahr sind es mehr Eltern, die ihre Kinder zum Test anmelden. Mittlerweile gibt es eine Warteliste und rein rechnerisch sitzt in jeder Schulklasse in Deutschland mindestens ein Legastheniker.

Auswirkungen für den Lebenslauf

Kinder, die unter Legasthenie leiden und keine Therapie bekommen, müssen mit schwerwiegenden Schäden in ihrem weiteren Lebenslauf rechnen. Die Kinder stehen unter ständigem Stress, sie müssen mit schlechten Noten leben und so viel sie auch üben, sie haben kein Erfolgserlebnis. Vielfach zeigen sich dann Ängste vor der Schule, vor dem Lehrer und den Klassenarbeiten. Die Kinder ziehen sich zurück, sie schämen sich und fühlen sich ausgegrenzt. Das kann zu Aggressionen und schließlich zu einem psychischen Leiden führen.

Welche Therapie für welches Kind infrage kommt, ist ganz unterschiedlich. Mittlerweile gibt es gute online Angebote mit Trainingsprogrammen für Kinder, die unter Legasthenie leiden. Die Eltern betroffener Kinder sollten nicht versuchen, selbst ihren Kindern zu helfen. Es ist immer besser, einem erfahrenen Pädagogen zu vertrauen, der Legasthenikern mit viel Geduld dabei hilft, die Probleme beim Lesen und Schreiben zu überwinden.

Bild: @ depositphotos.com / ginasanders

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.
Ulrike Dietz
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