PETA Deutschland e.V.: Mit Interview: Wolfgang Joop

Stuttgart (ots) –

Engagiert für und Umwelt: Wolfgang Joop stellt ein neues PETA-Motiv (https://www.peta.de/prominente/wolfgang-joop-fleisch/) vor, mit dem er dem Fleischkonsum eine klare Absage erteilt. Die Themen Tier- und liegen dem Modedesigner seit vielen Jahren am Herzen. Schon lange entwirft er keine Mode mehr mit Pelz und lebt seit vielen Jahren fleischfrei.

“In den 80er-Jahren entwarf ich für eine Frankfurter Firma Pelzmäntel. Das Wort Pelz beschrieb für mich lediglich ein Material. Ein Wort wurde gern verschwiegen: Blut. Das allerdings klebte oft getrocknet auf der Lederseite des abgezogenen Fells. Das war auch der Augenblick, in dem ich aufhörte, Fleisch zu essen”, so Wolfgang Joop. “Fleischessen ist ein Auslaufmodell, so oder so. Und als ‘Allesfresser’ können wir uns jederzeit dagegen entscheiden. Zum Wohl der Tiere und für die Umwelt!”

Wolfgang Joop lebt mit seinem Mann und tierischen Mitbewohnern in Potsdam, wo er sich auch für das örtliche Tierheim engagiert. Fotografiert wurde das Motiv von Starfotografin GABO, die PETA seit vielen Jahren pro bono unterstützt.

Vegane Menschen leben meist gesünder

Eine ausgewogene vegane ist gesund und für alle Altersgruppen und Lebensphasen wie Kindheit oder Schwangerschaft geeignet. [1] Vegan lebende Menschen nehmen laut der amerikanischen Fachgesellschaft Academy of Nutrition and Dietetics weniger ungesunde gesättigte Fette zu sich und verzehren mehr gesundheitsförderliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst und Vollkorngetreide. Eine pflanzliche Ernährung kann aber nicht nur fit und gesund halten, sondern auch das Klima schützen.

Produkte tierischer Herkunft sind Klimakiller

Die landwirtschaftliche Tierhaltung ist einer der Hauptverursacher der größten Umweltprobleme unserer Zeit, einschließlich der Klimakrise. Insgesamt sind bis zu 20 Prozent der weltweiten Treibhausgase der Tierwirtschaft zuzuschreiben – mehr als dem gesamten Verkehrssektor. [2] Ebenso stehen die Entwaldung im Amazonasgebiet, die Gewässerverschmutzung an vielen Orten Deutschlands sowie die Feinstaubbelastung in engem Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Tierische Produkte haben eine höhere CO2-Bilanz als pflanzliche Lebensmittel. Ergebnisse aus dem Weltagrarbericht 2018 zeigen, dass die Produktion von 100 Gramm Eiweiß von Rindfleisch aus Weidehaltung 36 Mal mehr CO2-Äquivalente verursacht als die Produktion von 100 Gramm Eiweiß aus Erbsen. [3] Eine Oxford-Studie (2018) kam zu der Schlussfolgerung, dass der Wandel hin zu einer veganen Ernährung die beste Möglichkeit ist, um die Auswirkungen auf das Klima am effektivsten zu bekämpfen. [4]

Über 720 Millionen getötete Landlebewesen pro Jahr – wie tierlieb sind wir wirklich?

Allein in Deutschland werden jährlich über 720 Millionen Landlebewesen wegen ihres Fleisches, ihrer Milch oder ihrer Eier ausgebeutet. Um aus ihnen maximalen Profit zu schlagen, wird ihnen alles genommen, was ein artgerechtes Leben ausmacht: Sie werden enthornt, oft ohne Betäubung kastriert und ihnen werden meist die Schwänze abgetrennt. Im Schlachthof wird ihnen die Kehle durchgeschnitten – nicht selten mit nur unzureichender Betäubung, sodass sie langsam und qualvoll ausbluten. Ganz gleich, ob “bio” oder konventionelle Haltung: 100 Prozent der Tiere werden, lange bevor sie ihre natürliche Lebenserwartung erreichen, getötet.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus (https://www.peta.de/speziesismus) ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen. Daneben wird auch zwischen verschiedenen Tierarten unterschieden: So werden beispielsweise Schweine, Rinder und Hühner gequält und getötet, Hunde und Katzen hingegen liebevoll umsorgt.

Wolfgang Joop im Gespräch:

Du lebst fleischfrei – wie kam es dazu?

In den 80er-Jahren entwarf ich für eine Frankfurter Firma Pelzmäntel. Das Wort Pelz beschrieb für mich lediglich ein Material. Ein Wort wurde gern verschwiegen: Blut. Das allerdings klebte oft getrocknet auf der Lederseite des abgezogenen Fells. Das war auch der Augenblick, an dem ich aufhörte, Fleisch zu essen.

Ich habe damals nicht überlegt, wie das Kalb, das mir ein Schnitzel lieferte, lebte oder zu Tode kam. Auch das Argument, dass das Pelztier den Menschen schon immer in der Kälte begleitet hat, hörte man zu oft zum Trost.

Und wenn, so kam das Argument für Pelz immer fast zur gleichen Zeit, dass der Mensch, der durch die Antarktis oder über den Mount Everest wandert, erfrieren würde, wenn er sich nicht das Robbenfell, den Fuchs, Bären oder Wolf abgezogen über den Leib schnürte. Heute würde ich fragen: Wer verlangt denn, dass jemand über den schneebedeckten Berg, über das einst ewige Eis wandert?

Das Thema ist ja fleischfrei leben und Klimaschutz – warum ist dir diese Kampagne wichtig?

Der Natur sind unsere Natur, unsere Existenz, unsere Kultur, unser Entdecker-Geist, unsere Abenteuer nur zum Schaden, zum bitteren Nachteil geworden. Massentierhaltung und Massenmord in der Lebensmittelindustrie schamlos weitergeführt – verdient kein gestammeltes “Aber …”. Nein, man muss keine Pelze tragen und wir müssen kein Fleisch essen. Wir Menschen sind genetisch auch Säugetiere, sind Allesfresser. Also haben wir die Wahl, Fleisch zu essen oder nicht. Denn die Massentierhaltung ist ein Hauptfaktor, warum unsere Umwelt und das Klima zerstört werden.

Sollten wir so einfach mit dem Fleischessen fortfahren, müssten wir ab sofort sämtliche verbliebenen Wälder auf der Erde roden, um Platz zu machen für Futtermittel. Es ist eine Illusion zu glauben, dass wir noch 2050 ca. 10 Milliarden Menschen mit Fleisch ernähren können. Fleischessen ist ein Auslaufmodell, so oder so. Mein Wunsch wäre es, eher damit aufzuhören.

Selbstverständlich teilen wir unsere Verwandten in Nutz- und Schmusetiere ein. Missbraucht werden meist beide. Es befinden sich zum Beispiel gerade 1 Milliarde Schweine in Ställen. Man nimmt ihnen das Leben und zersägt ihre Leiber zu Lebensmitteln oder nimmt ihnen die Freiheit und den Lebensraum – und damit Würde und Recht. Tierrecht! Der Begriff sollte vermitteln, dass jedem Leben eine entsprechende Qualität und Lebensdauer zugebilligt wird.

“Name it and you can kill it”, habe ich mal in einem “Western Movie” gehört. Es meint wohl übersetzt und im Original: Sag nur “dreckiges Schwein”, “dummes Schaf”, “blöde Kuh” und man ist von allen Skrupeln zu töten frei. Der Mensch, ein mit Empathie ausgestattetes Wesen, kann beim Tier denselben Kanon an Emotion sehen, wenn er denn will. Es kann nicht sein, dass Tierkinder den Müttern viel zu früh entrissen werden, um aus einem viel zu kurzen Leben eine Mahlzeit oder Bekleidung für den Menschen herzustellen.

Welche Rolle spielen Tiere in deinem Leben?

Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und Tiere gehören schon immer zu meinem Leben. Sowohl privat als auch öffentlich engagiere ich mich sehr für das Tierwohl und den Tierschutz…

[1] Melina, Craig & Levin (2016): Position of the Academy of Nutrition and Dietetics: Vegetarian Diets. Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics. Online abrufbar unter: https://jandonline.org/article/S2212-2672(16)31192-3/fulltext (http://ots.de/UaiZ7a). (16.11.2022) [2] Xu et al. (2021): Global greenhouse gas emissions from animal-based foods are twice those of plant-based foods. Nature Food. Online abrufbar unter: https://www.nature.com/articles/s43016-021-00358-x. (16.11.2022) [3] Weltagrarbericht: Studie: Pflanzliche Produkte belasten die Umwelt am geringsten. Online abrufbar unter: www.weltagrarbericht.de/aktuelles/nachrichten/news/de/33244.html. (16.11.2022) [4] Poore, J. & Nemecek, T. (2018): Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers. Science. Online abrufbar unter: https://www.science.org/doi/10.1126/science.aaq0216. (16.11.2022)

ist mit über 1,5 Millionen Unterstützenden die größte Tierrechtsorganisation des Landes und setzt sich durch Aufdecken von Tierquälerei, Aufklärung der Öffentlichkeit und Veränderung der Lebensweise dafür ein, jedem Tier zu einem besseren Leben zu verhelfen.

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Quellenangaben

Bildquelle: Wolfgang Joop setzt sich für Tiere und Umwelt ein. / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/12276 / Die Verwendung dieses Bildes für redaktionelle Zwecke ist unter Beachtung aller mitgeteilten Nutzungsbedingungen zulässig und dann auch honorarfrei. Veröffentlichung ausschließlich mit Bildrechte-Hinweis.
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