Aktionismus Kommentar von Jens Kleindienst zu Kindermedikamenten

Mainz (ots) –

Karl Lauterbach verkündet mal eben im Frühstücksfernsehen, er werde persönlich dafür sorgen, dass die Hersteller von Fiebersäften ab sofort mehr Geld bekommen, damit die Medikamente in den Apotheken wieder verfügbar sind. Ist das die Lösung des Problems? Wohl kaum. Aus dem Aktionismus des Gesundheitsministers spricht eher Hilflosigkeit. Dass simple Arzneimittel in Deutschland plötzlich fehlen – ein Armutszeugnis. Medikamente mit abgelaufenem Patentschutz, also Generika, sind in Deutschland vergleichsweise billig, weil die Preise staatlich gedeckelt werden. Deshalb liefern Hersteller lieber ins Ausland, dort winken höhere Erträge. Also schnell rauf mit den Preisen, so die Lauterbach’sche These. Das wird im konkreten Fall kaum helfen. Zumindest hört man von den Herstellern der Fiebersäfte, dass sie schon produzieren, was geht, und zwar für den deutschen Markt. Es ist einfach zu wenig Ware da. Die Versorgungslage dürfte sich erst mit dem Abflauen der Infektionswelle entspannen. Dennoch hat das akute Elend etwas mit der deutschen Geiz-ist-geil-Mentalität zu tun: Weil sich mit Generika in Deutschland nur schwer Geld verdienen lässt, haben sich Produzenten aus dem Markt verabschiedet. Das lässt sich nicht in ein paar Wochen revidieren. Die dramatische Krise in der Kinderheilkunde ist nur das Symptom einer grundlegenden Fehlentwicklung. Ein rein mengenbasiertes Finanzierungssystem, gepaart mit übertriebenen Sparvorgaben, reichlich Bürokratie und Personalnot: Es wird verdammt schwer, dieses Knäuel zu entwirren und das System neu zu starten. “Wir sind mit der Ökonomisierung zu weit gegangen”, sagt der Gesundheitsminister heute. Das ist wohl richtig, wobei Lauterbach selbst vor Jahren als Berater einer seiner Vorgängerinnen maßgeblich an dieser Ökonomisierung beteiligt war.

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