Malische Militäroffiziere nehmen Präsident und Regierungschef in Gewahrsam

Bamako () – Aus Verärgerung über eine Regierungsumbildung in Mali haben malische Militäroffiziere den Präsidenten und den Regierungschef des Landes in Gewahrsam genommen. Zwei hochrangige Beamte sagten der AFP am Montag, dass der Präsident der Übergangsregierung, Bah Ndaw, und Regierungschef Moctar Ouane in das Militärlager Kati am Rande der Hauptstadt Bamako gebracht worden seien. Die Internationale Gemeinschaft verurteilte den Vorfall scharf.

Regierungschef Ouane, der von einem AFP-Reporter kurz am Telefon erreicht werden konnte, bevor die Leitung unterbrochen wurde, deutete an, dass Soldaten gekommen seien, “um ihn zu holen”. Der Fall sorgte für empörte Reaktionen aus aller Welt: Die Vereinten Nationen, die Afrikanische Union (AU), die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas, die EU, die USA und Großbritannien verurteilten in einer gemeinsamen Erklärung die Festnahme der Politiker und forderten ihre “sofortige und bedingungslose Freilassung”. 

Auch die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union verurteilten die “Entführung” der Politiker, wie EU-Ratspräsident Charles Michel am Dienstagmorgen in Brüssel mitteilte. “Was passiert ist, war schwerwiegend und ernst, und wir sind bereit, notwendige Maßnahmen in Betracht zu ziehen”, sagte er vor Journalisten.

In Mali hatte es kürzlich eine Regierungsumbildung gegeben, mit der auf die wachsende Kritik an der Übergangsregierung reagiert werden sollte. Das Militär behielt dabei die Ämter, die es bereits in der Vorgänger-Regierung innehatte. Der ehemalige Verteidigungsminister Sadio Camara und Ex-Sicherheitsminister Colonel Modibo Kone wurden jedoch ersetzt.

Der jüngste Vorfall löste Besorgnis vor einem erneuten Putschversuch aus. Im August vergangenen Jahres hatten Militäroffiziere den gewählten Präsidenten des westafrikanischen Landes, Ibrahim Boubacar Keita, nach anhaltenden Protesten durch einen Putsch entmachtet. 

Die nach dem Putsch installierte Militärjunta hatte sich Anfang des Jahres aufgelöst. Damit wurde eine Forderung der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas erfüllt. Dennoch übt das Militär weiter großen Einfluss aus. Die politische Situation in Mali ist seit 2012 von starker Instabilität und Gewalt geprägt. Neben anderen Ländern ist auch mit der Bundeswehr im Rahmen von Missionen der EU und der UNO in Mali im Einsatz, um zur Stabilisierung des Landes beizutragen.

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AFP