Plant die EZB das Helikoptergeld für alle?

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Plant die EZB das Helikoptergeld für alle?

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Null Zins und eine noch nie dagewesene Geldflutung. Alle, die in diesen Tagen der Europäischen Zentralbank zuschauen, können nicht verstehen, was dort passiert. Aber die EZB mit ihrem scheidenden Präsidenten Mario Draghi ist noch lange nicht am Ende. Vermutet wird, dass es nun das sogenannte Helikoptergeld für alle gibt. Die Idee zu diesem Helikoptergeld für alle hatte ein Mann mit Namen Milos Friedman. Bei diesem Gedankenexperiment fliegt ein Hubschrauber über die Länder der Europäischen Union und lässt Geldnoten regnen.

Den Konsum steigern

Das Helikoptergeld für alle fällt natürlich nicht vom Himmel, aber der Effekt, den dieser Regen hat, ist der gleiche. Die Menschen sollen mehr Geld zum Konsumieren haben, sie sollen Geld ausgeben und das hilft wiederum der Wirtschaft. Nach Meinung von Milos Friedman sind die Menschen dann so mit dem Ausgeben des Geldes beschäftigt, dass sie nicht mehr über verfehlte Politik und Tricks der Wirtschaft nachdenken. Die Investoren könnten ungestört ihrer milliardenschweren Arbeit nachgehen und niemand stellt mehr unbequeme Fragen. Natürlich ist dieses Szenario nur eine Theorie, andererseits sind Anzeichen zu erkennen, dass das Helikoptergeld für alle nicht mehr allzu weit entfernt ist. Die EZB tagt hinter verschlossenen Türen und feilt offenbar an einem neuen, wirkungsvollen Instrument, dem Helikoptergeld für alle: Geld auf die Girokonten der Bürger.

Kein Tabu mehr

Lange Zeit war das Helikoptergeld für alle ein absolutes Tabu, jetzt hat sich die Situation jedoch grundlegend geändert. Die Banken geben das extrem billige Geld nur zögerlicher weiter, als sich der EZB Chef das wünschte. Dazu kommt eine niedrige Inflation, die unter den Vorgaben der EZB liegt und neue Spielräume eröffnet. Einige Hinweise weisen darauf hin, dass das Helikoptergeld offenbar nicht mehr lange nur ein Planspiel ist. Führende Wirtschaftswissenschaftler sind der Meinung, dass Geld für alle machbar ist und auch Instrumente, die noch nicht erprobt sind, könnten zum Einsatz kommen. Schon vor drei Jahren fand Mario Draghi das Helikoptergeld für alle „sehr interessant“. Für einige bekannte Investoren ist der Geldregen jedoch eine Möglichkeit der Geldpolitik für eine neue Generation.

Wahnsinn mit Methode

Für viele ist der geplante Geldsegen Wahnsinn hingegen ein Wahnsinn mit Methode. Die Leidtragenden dieser Methode sind die traditionellen Sparer, deren Spareinlagen immer weiter schrumpfen. Schon heute steht fest, dass der deutsche Sparer, bedingt durch die immer weniger werdenden Zinsen, bereits fast 360 Milliarden Euro verloren hat. Des Weiteren schrumpft seit 2017 der reale Wert des Geldes auch durch die Inflation. Das wiederum hat eine massive Umverteilung zur Folge, und zwar von denjenigen, die sparen, zu denjenigen, die Schulden haben. Die Politik der Null Zinsen wirkt dabei wie eine Sondersteuer, die alle Sparer in Europa zahlen müssen. Damit stabilisieren sie unfreiwillig die riesigen Schuldenberge, die sich im Süden von Europa auftürmen.

Fazit

Falls die EZB plötzlich beschließt, die Zinsen wieder anzuheben, würden sehr viele Banken in Südeuropa in sich zusammenstürzen. Die Aussicht darauf ist düster, viel besser ist es, Geld zu verteilen, denn das macht den Menschen Freude. Glückliche Menschen sind auch glückliche Wähler, insofern dient das Helikoptergeld auch den Politikern in Europa, die die nächste Wahl gewinnen möchten. Wer das Helikoptergeld toll findet, denkt zu kurzfristig, denn die EZB macht keine Geschenke ohne Gegenleistung.

Bild: @ depositphotos.com / Pixinooo

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.
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