Moldau sieht keine Abhängigkeit von russischem Gas mehr

Chisinau: Der EU-Beitrittskandidat Moldau hat sich nach Angaben seines Energieministers Victor Parlicov von der vollständigen Abhängigkeit von russischem Gas befreit. “Als Land ist es uns in eineinhalb gelungen, unsere Versorgungsquellen sowohl für Gas als auch für Elektrizität in einem Ausmaß zu diversifizieren, das vorher nicht vorstellbar war”, sagte Parlicov dem “Redaktionsnetzwerk ” in Chisinau.

Zuvor sei die Republik Moldau zu 100 auf russisches Gas angewiesen gewesen. Für Wärme beziehe Moldau gar kein Gas mehr aus , sagte der Minister. Rund 70 Prozent des Strombedarfs decke die frühere Sowjetrepublik allerdings weiterhin mit Elektrizität, die es aus der abtrünnigen Region Transnistrien kaufe. Dort wird russisches Gas im Kraftwerk Cuciurgan in Strom umgewandelt.

Parlicov begründete das mit dem günstigen Preis, da Russland Transnistrien Gas quasi zum Nulltarif liefert. Indirekt subventioniere Moskau damit auch den Strompreis Moldaus. Anders als früher sei Moldau nach der Synchronisation mit dem europäischen Stromnetz aber nicht mehr auf den Strom aus dem pro-russischen Transnistrien angewiesen, sagte Parlicov. “Das ist jetzt eine Option, es ist kein Muss.”

Theoretisch könne Moldau den Bezug aus Transnistrien stoppen und teureren Strom aus anderen europäischen Quellen beziehen. “Ja, das wäre teuer, ja, es wäre nicht sehr bequem für unsere Verbraucher, aber wir könnten damit leben.” Für das Regime in Transnistrien ginge es “um Leben und Tod”, so der Minister. “Nach ein paar Monaten würden sie einfach zusammenbrechen.”

Transnistrien, das an die angrenzt, hat sich Anfang der 1990er-Jahre abgespalten und versteht sich als Nachfolger der sozialistischen Sowjetrepublik Moldau. Es beharrt auf seiner Unabhängigkeit, wird allerdings von keinem Staat der Welt anerkannt, auch nicht von Russland. Das Regime überlebt nur durch die russischen Gaslieferungen. Moskau sichert sich damit erheblichen Einfluss in der Region.

In Transnistrien sind rund 1.500 russische Soldaten stationiert.

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Text-/Bildquelle: Übermittelt durch dts Nachrichtenagentur
Bildhinweis: Gasleitung (Archiv)

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