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mein ausland: Irland ganz anders, Sonntag, 6. Januar 2019, 21.45 Uhr

Bonn (ots) – Seit Michael Higgins das erste Mal zum Präsidenten Irlands gewählt wurde, ist das Land kaum mehr wiederzuerkennen. Noch vor sieben Jahren lebte das Land von Finanzhilfen der EU. Inzwischen gilt es als Vorzeigekind für Wege aus der Krise – und das nicht nur im Hinblick auf die Wirtschaft. Ausgerechnet in Irland, wo die katholische Kirche lange Zeit mehr zu sagen hatte als das Parlament, wurden in den letzten Jahren entscheidende Schritte hin zu einem säkularen, fortschrittlichen Staat gemacht.

Regierungschef Leo Varadkar, der offen schwul lebende Sohn eines Einwanderers, ist da nur das augenscheinlichste Beispiel. Im Jahr 2015 setzten die Iren in einem Referendum die Ehe für alle durch, im Mai 2018 beschlossen sie, das strikte Abtreibungsverbot zu reformieren. Sie emanzipieren sich von der langen und autoritären Herrschaft der Kirche.

Viele junge Leute sind zum ersten Mal stolz auf ihr Land. Doch nicht alles ist rosa auf der grünen Insel. Der Brexit wird kein anderes europäisches Land härter treffen als Irland, die Folgen der Finanzkrise sind noch immer spürbar und die Kluft zwischen Arm und Reich ist massiv gewachsen. Auch die Aufarbeitung der kirchlichen Missbrauchsskandale wird noch lange dauern und viel Leid zutage fördern.

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