Es fühlt sich ein bisschen an wie Krieg

Es fühlt sich ein bisschen an wie Krieg

Die Straßen sind leer, Wochenmärkte gibt es nicht mehr, Restaurants haben geschlossen, Schulen und Kitas haben dicht, VW und andere Konzerne gehen auf Schicht Null, Feierabend.  Hunderttausende arbeiten von Zuhause, Supermarktkassiererinnen und Krankenschwestern sind die Helden einer noch nie dagewesenen Krise. Noch vor zwei Wochen völlig unvorstellbar. An der Grenze zu Polen 40 Kilometer Lastwagenstau, Grenze dicht, nicht für alle, aber für viele, Verwirrung und Unklarheit.

Die Wirtschaft hustet nicht – sie bekommt keine Luft mehr

Die Wirtschaft, nach Meinung von Experten ohnehin schon seit Monaten angeschlagen, geht in die Knie. Abstürzende Börsenkurse vernichten jeden Milliardenvermögen und es wird, dafür bedarf es keine Experten, Tausende von Firmen nach dem Ende von Corona nicht mehr geben: kleine Hotels, Restaurants, Konzertveranstalter, aber auch Werbeagenturen und sogar traditionsreiche Zeitungstitel. Denn wenn Geschäfte zu haben, wenn es keinen Tourismus mehr gibt, dann haben Werbeanzeigen keinen Sinn mehr. Freie Künstler, Musiker, Bands, Schauspieler – selbst das reiche Deutschland wird keine hunderte von Milliarden Euro aufbringen, um das alles am Laufen zu halten. Und wenn: dann wird dieses Geld anschließend auf viele Jahre fehlen: um die vielerorts marode Infrastruktur zu erneuern, um die ewig verschlafende digitale Zukunft endlich Wirklichkeit werden zu lassen.

„Homeoffice“ hörte sich vor kurzem noch cool an – jetzt ist es ein Härtetest

Was für viele ein Privileg war ist die neue Realität: von zuhause arbeiten. Homeoffice meinte vor sehr kurzer Zeit noch: arbeiten vor dort, wo es einem selbst am besten gefällt. Vom Cafe aus oder nach dem Training im Fitnessstudio in der dortigen kleinen Cafeteria oder natürlich im „CoWorking-Space“, den aus den Boden geschossenen hippen Loft-Flächen mit enger Bestuhlung, aber Szene-gemäßen Kickertisch . Alles vorbei, alles verboten. „WeWork“, einer der teuersten Anbieter mit weltweiten CoWorking-Spaces, war schon vor Corona schwer angeschlagen. Den Namen braucht man sich jetzt nicht einmal mehr merken. „Vapiano“, dieses etwas merkwürdige „bei uns muss der genervte Gast alles selbst machen“- Restaurant mit den endlosen Wartezeiten wechselte schon davor mehrfach hektisch Strategie und Manager – das Schließen dürfte hier zum Endzustand werden.

Ein völlig neuer Begriff macht Karriere – was bitte ist „social distancing“ ?

Natürlich kann man es auf Deutsch sagen, aber dann hört sich das irgendwie noch mehr nach Krankheit an: soziale Distanzierung…. Aber ohne dieses Distanz halten dürften die ohnehin schon vorhergesagten bis zu 9 Millionen Infizierten bis Herbst Realität werden, was niemand wollen kann. Einfach ausgedrückt, es geht ja nur darum, einen Abstand zwischen Ihnen und anderen Menschen zu wahren – in diesem Fall mindestens zwei Meter.

Das bedeutet auch, den Kontakt mit Menschen zu minimieren. Vermeiden Sie öffentliche Verkehrsmittel, wenn immer möglich, schränken Sie nicht unbedingt notwendige Reisen ein, arbeiten Sie von zu Hause aus und lassen Sie gesellschaftliche Zusammenkünfte ausfallen – und gehen Sie auf keinen Fall in überfüllte Bars und Sportstätten. “Jede einzelne Verringerung der Anzahl der Kontakte, die Sie pro Tag mit Verwandten, Freunden, Kollegen und in der Schule haben, wird einen erheblichen Einfluss auf die Verbreitung des Virus in der Bevölkerung haben“, sagte Dr. Gerardo Chowell, Leiter des des Lehrstuhls für Gesundheitswissenschaften an der Georgia State University (USA).

„Ich bin jung, mit Freunden Bier trinken und Party machen“ – geht das jetzt nicht?

Bitte nicht. Es steht außer Frage, dass ältere Menschen und Menschen mit gesundheitlichen Grunderkrankungen am anfälligsten für das Virus sind, aber junge Menschen sind keineswegs immun. Aber das größte Problem ist: selbst Menschen, die nur leichte Symptome zeigen, können das Virus an viele, viele andere weitergeben – insbesondere im frühen Verlauf der Infektion, bevor sie überhaupt merken, dass sie krank sind. Die Infektionskette könnte also direkt zu den eigenen älteren oder gefährdeten Verwandten führen. Sie können auch dazu beitragen, dass die Zahl der Infizierten steigt, wodurch die Pandemie schnell wächst und das Gesundheitssystem überfordert.

Kann ich überhaupt noch mein Haus verlassen?

Auf jeden Fall. Die Experten waren sich in ihrer Antwort auf diese Frage einig. Es ist in Ordnung, an die frische Luft zu gehen und sich zu bewegen – zum Beispiel mit dem Hund spazieren zu gehen, zu wandern oder mit dem Fahrrad zu fahren. Es geht nicht darum, drinnen zu bleiben, sondern den engen Kontakt mit Menschen zu vermeiden. Möglicherweise müssen Sie das Haus auch verlassen, um Medikamente oder andere wichtige Hilfsmittel zu holen. Aber es gibt Dinge, die Sie tun können, um sich und andere während und nach diesen Ausflügen zu schützen.

Wenn Sie das Haus verlassen, wischen Sie alle Oberflächen, mit denen Sie in Kontakt kommen, ab, desinfizieren Sie Ihre Hände mit einem alkoholischen Desinfektionsmittel und vermeiden Sie es, Ihr Gesicht zu berühren. Waschen Sie sich vor allem häufig die Hände – vor allem, wenn Sie von außen kommen, vor dem Essen oder bevor Sie mit sehr alten oder sehr jungen Menschen in Kontakt kommen.

Wann ist dieser Spuk vorbei?

Haben Sie eine Kristallkugel zuhause? 30 Tage sollen die strengen Regeln von heute gelten und es ist sicher nicht übertrieben, wenn Sie sich auch auf einen längeren Zeitraum vorbereiten. Es kann bei diesen 30 Tagen bleiben, aber sicher ist im Moment nichts. Nur das es auch eine Zeit nach Corona geben wird – dann mit guten Gründen für ganz viele Partys.

Bild: @ depositphotos.com / duha127