Jesuit Klaus Mertes wirft Erzbistum Köln bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals …

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Köln (ots) – Der Jesuit Klaus Mertes, der 2010 den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche öffentlich gemacht hat, kritisiert das Vorgehen des Erzbistums Köln zur Aufarbeitung auf das Schärfste. Der aktuelle Umgang mit dem von Kardinal Rainer Woelki 2018 eingerichteten Betroffenenbeirat sei “eine Wiederholung des Missbrauchs”, sagte Mertes dem “Kölner Stadt-Anzeiger” (Dienstag-Ausgabe).

Das Erzbistum hatte seine jüngsten Stopp eines Gutachtens zum Umgang der Kölner Bistumsleitung mit Missbrauchsfällen und die Vergabe eines neuen Gutachter-Auftrags ausdrücklich mit dem Wunsch des Betroffenenbeirats begründet. Mertes verurteilte dies scharf. “Es ist dieselbe Konstellation, in der die Missbrauchstäter nachträglich zu ihren Opfern sagen: ‘Ihr habt doch selbst gewollt und mitgemacht.’ Genau diesen Text müssen sich die Betroffenen nun wieder anhören.”

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Es sei wichtig, dass Betroffenenvertreter von der Institution Kirche unabhängig blieben. Ein Gremium, dessen Mitglieder – wie in Köln – der Kardinal ausgewählt und berufen habe, sei schon strukturell nicht auf Augenhöhe. “Er lädt die Opfer zum Mitmachen ein – aber unter seinen Bedingungen. Er wählt aus den Bewerbungen aus. Die Institution zeigt zwar erst mal ein freundliches Gesicht: ‘Wir machen jetzt, was ihr wollt.’ Aber dann kommt das hässliche Gesicht zum Vorschein – wie jetzt in Köln mit der platten Instrumentalisierung bei diesem Gutachten: ‘Ihr habt das doch so gewollt.'”, sagte Mertes. “Ich bin sehr verwundert über so viel Naivität und Inkompetenz in der Kölner Bistumsleitung.”

Die Bistümer und auch die Ordensgemeinschaften müssten stattdessen die Selbstorganisation von Betroffenen als Gegenüber respektieren und als Verhandlungspartnerin anerkennen. “Der runde Tisch muss eckig bleiben können”, sagte Mertes in Anspielung auf den “Eckigen Tisch” in Berlin, der von Betroffenenvertretern zur Aufarbeitung des Missbrauchs am Canisiuskolleg ins Leben gerufen wurde. Mertes plädierte für eine unabhängige “Wahrheitskommission”. Mit einer solchen Konstruktion käme man sehr viel weiter, so der Jesuit, auch in Fragen der Transparenz.

Beispielsweise könne man Betroffene nicht zum Schweigen verpflichten. “Wenn man Opfern zum Beispiel Akteneinsicht gewährt, dann müssen sie auch offen darüber sprechen können, was sie gesehen haben.” Mertes erinnerte daran, dass die Opfer als Kinder und Jugendliche auf sehr subtile Weise zum Schweigen gebracht wurden – von den Tätern und von Vertretern der Institution Kirche. “Und jetzt will eben diese Institution den Opfern als Erwachsenen wieder vorschreiben, was sie sagen dürfen und was nicht? Sie wieder in eine Schutzverantwortung für die Kirche nehmen? Das ist auf absurde Weise gruselig.”

Quellenangaben

Textquelle: Kölner Stadt-Anzeiger, übermittelt durch news aktuell
Quelle: https://www.presseportal.de/pm/66749/4757751
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