Aufruf zum Boykott – wie Erdogan die Wahl beeinflussen will

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Aufruf zum Boykott – wie Erdogan die Wahl beeinflussen will » Nachrichten Heute

Ulrike Dietz
3 min

Das ohnehin schon fragile Verhältnis zwischen der Türkei und Deutschland wird einmal mehr schwer belastet, denn Recep Tayyip Erdogan, der Präsident der Türkei, hat seine Landsleute, die in der Bundesrepublik leben, zum Boykott bestimmter Parteien bei der kommenden Bundestagswahl aufgerufen. Die Türken mit deutschem Pass sollen nach Erdogans Willen weder die SPD noch die CDU oder die Grünen wählen. Wenn dieser Appell Wirkung zeigen sollte, dann hat das schwerwiegende Folgen für das Wahlergebnis.

Die Feinde der Türken

Das einst so harmonische Verhältnis zwischen Berlin und Ankara ist offenbar vollkommen zerrüttet. Das liegt vor allem an der Haltung des türkischen Präsidenten, der sich jetzt direkt an seine Landsleute in Deutschland gewandt hat. Er bezeichnete die SPD, die CDU und auch die Grünen als „Feinde der Türkei“ und er erwartet, dass die wahlberechtigten Türken bei der Wahl im September den „Parteien eine Lehre erteilen, die der Türkei keinen Respekt zeigen“. Vor allem die Sozialdemokraten haben sehr gereizt auf den Boykott-Aufruf reagiert, denn die SPD ist besonders auf die 1,3 Millionen Stimmen der türkischstämmigen Deutschen angewiesen. Eine Studie aus dem vergangenen Jahr zeigt, wie sehr der Aufruf Erdogans die SPD treffen könnte, denn damals gaben 70 % der Deutsch-Türken an, dass sie die SPD wählen würden.

Wie kommt Erdogans Aufruf bei den Türken an?

Nicht viele Zuwanderer aus der Türkei würden die Union wählen, denn sie haben der CDU/CSU ein Versprechen nicht verziehen, was sie anlässlich der Wahl 1983 gegeben haben. Damals sollte die Zahl der Ausländer in Deutschland deutlich reduziert werden und die Türken, die bereit waren, in ihre Heimat zurückzukehren, sollten 10.500 Mark Prämie erhalten. Das Angebot war ein Flop und die Türken mit deutschem Pass wandten sich der SPD zu, die sich für die Integration der Ausländer eingesetzt hatte. Wie viele bei der anstehenden Wahl nicht an die Urne gehen werden, ist nicht abschätzbar, aber der türkische Präsident hat viele Anhänger in Deutschland. Bei der letzten Parlamentswahl im Jahr 2015 erhielt die nationalistische Partei des Präsidenten aus Deutschland 59,7 % der Stimmen. Beim Referendum um die Verfassung im Frühjahr waren zwei Drittel für eine Machtausweitung von Präsident Erdogan.

Vom Boykott könnten vor allem die kleineren Parteien profitieren, wie beispielsweise die Linke, die gerne von Kurden mit deutscher Staatsbürgerschaft gewählt wird, und auch der FDP, aber vor allem der AfD könnte es nützen.

Bild: © Depositphotos.com / palinchak

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Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.

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