Mindestens drei Tote bei regierungskritischen Protesten in Kolumbien

Bogotá () – Bei regierungskritischen Protesten in der kolumbianischen Stadt Cali sind am Freitag mindestens drei Menschen getötet worden. Die Todesfälle hätten sich bei Zusammenstößen zwischen zwei Gruppen ereignet, sagte der Bürgermeister der Stadt, Jorge Iván Ospina, in einem in den Online-Medien verbreiteten Video. Die Zahl der seit Beginn der Proteste vor einem Monat getöteten Menschen erhöhte sich nach Behördenangaben damit auf 49. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch sprechen von 63 Toten.

Auf Video-Aufnahmen aus Cali war ein in einer Blutlache liegender Mann zu sehen. Unweit von ihm war ein Mann mit einer Schusswaffe in der Hand zu sehen, der von einer Gruppe Menschen angegriffen wurde.

Ospina sprach von einer “Situation des Todes und des Schmerzes”. Gewalt wie diese müsse in Cali in Zukunft verhindert werden. “Wir dürfen nicht der Versuchung der Gewalt und des Todes anheimfallen”, appellierte er. 

In Kolumbien gehen seit Wochen tausende Menschen aus Wut über die Gesundheits-, Sicherheits- und Bildungspolitik der Regierung auf die Straße. Ausgelöst wurden die Proteste durch Pläne für eine Steuerreform, die inzwischen zurückgezogen wurde. Die Proteste richten sich nun aber allgemein gegen die Regierung. 

Die Demonstranten fordern bessere Arbeitsbedingungen, eine Reform des Rentensystems, einen besseren Schutz von Menschenrechtsaktivisten und die vollständige Umsetzung des Friedensabkommens mit der Rebellengruppe Farc. Die Proteste sind die blutigsten seit dem Friedensabkommen mit der Farc im Jahr 2016. 

Die Gewalt bei den Protesten war auch Thema eines Treffens von US-Außenminister Antony Blinken mit der kolumbianischen Vizepräsidentin Marta Lucía Ramírez am Freitag in Washington. Nach Angaben des US-Außenamtssprechers Ned Price gab Blinken bei dem Treffen seine “Besorgnis” und sein “Beileid” für die Todesfälle während der Proteste zum Ausdruck. Auch habe er das “unbestreitbare Recht der Bürger zu friedlichem Protest” hervorgehoben. 

Unter den von den kolumbianischen Behörden gemeldeten Toten durch die Proteste sind zwei Polizisten. Hinzu kommen mehr als 120 Vermisste und etwa 2000 Verletzte.  

Bild: © AFP Luis ROBAYO / Zusammenstöße bei Protesten in Cali

Mindestens drei Tote bei regierungskritischen Protesten in Kolumbien

AFP