Deutsche Identität – was ist das eigentlich?

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Deutsche Identität – was ist das eigentlich?

Ulrike Dietz
5 min

Was heißt es in der heutigen Zeit eigentlich, deutsch zu sein? Viele Deutsche sind verunsichert, sie wissen nicht mehr wie sich verhalten sollen, sie zweifeln an ihrem Land und suchen die deutsche Identität, was immer man darunter verstehen darf. Unsicher zu sein gehört in Deutschland schon seit über 70 Jahren zum Alltag, denn schließlich gehört es immer noch zum guten Ton sich schuldig zu fühlen, nach dem, was in der Zeit des Nationalsozialismus geschehen ist. Aber die deutsche Identität war schon vor 200 Jahren ein Thema, allerdings standen damals andere Aspekte im Vordergrund als heute.

Deutschland – wo liegt das?

Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller haben sich die Frage gestellt, wo Deutschland liegt. Damals eine berechtigte Frage, denn Deutschland bestand um das Jahr 1800 aus vielen kleinen Fürstentümern, es war politisch zerrissen und wurde von Frankreich dominiert. Die deutsche Identität wurde, was das Staatsgebiet anging, infrage gestellt. Heute ist der Staat an sich kein Problem mehr, dafür steht die deutsche Kultur auf wackeligen Beinen und die Deutschen fragen sich wieder: Wo stehen wir eigentlich? Aber wo sollen die Bürger eine deutsche Identität finden, wenn selbst die Bundeskanzlerin nicht mehr von Deutschen, sondern von „Menschen, die länger hier leben“ spricht. Bei solchen Aussagen steigt die Unsicherheit und es stellt sich die Frage, wie können diejenigen, die noch auf der Suche nach ihrer nationalen Identität sind, denjenigen „die neu hinzugekommen sind“, die deutsche Lebensart vermitteln?

Was denken die Nachbarn über die deutsche Identität?

Es gab eine Zeit, da wurde Deutschland gefürchtet, dann bewundert und heute? Wie sehen uns die Nachbarn in der heutigen Zeit? Der frühere Erzfeind Frankreich lacht über Deutschland, denn die Franzosen definieren sich über ihre Nation. Man ist zuerst ein stolzer Franzose, erst dann stellt sich die Frage nach der Religion und woher die Ahnen stammen. Die Italiener sind verwirrt, wenn sie an Deutschland denken, sie können nicht verstehen, warum die Deutschen auch noch nach Feierabend arbeiten und warum man Männer, die augenscheinlich nicht allzu viele männliche Attribute haben, als „Warmduscher“ bezeichnen. Polen, Niederländer und Dänen sind fast so verunsichert wie die Deutschen selbst, denn sie gehen unverkrampft mit ihrer Nationalität um und können nicht nachvollziehen, warum die Deutschen daraus ein solches Drama machen.

Sind die Deutschen traumatisiert?

Viele neutrale Beobachter sehen nicht die vielen Migranten als ein Problem, sondern vielmehr die deutsche Identität oder anders ausgedrückt, die verkrampfte Suche nach dieser Identität. Es scheint, als würden die Deutschen immer verzweifelter versuchen, die besudelte Geschichte des Landes wegzuwaschen und sie tun es mit der gewohnten Gründlichkeit, die fast schon an Besessenheit grenzt. Sind die Deutschen so traumatisiert, dass sie vor lauter Selbsthass beginnen, sich unterzuordnen und das auch noch als angenehm empfinden? Das Deutschsein wird immer öfter verleugnet, ohne daran zu denken, dass kein Land dieser Welt ohne eine eigene politische und kulturelle Identität existieren kann.

Immer ein wenig schizophren

Die Nachbarn wundern sich über die deutschen Gewohnheiten, wie zum Beispiel den Braunkohleabbau im großen Stil, die zahlreichen Flurbereinigungen und die aus dem Boden gestampften Autobahnkreuze, also über die Dinge, die die Umwelt zerstören. Noch mehr wundern sie sich aber darüber, dass immer wieder Bürgerinitiativen gegründet werden, die genau diese Umweltzerstörungen verhindern sollen. In Frankreich oder in Polen käme wohl niemand auf die Idee, einen Bahnhof oder einen neuen Flughafen zu bauen, um dann auf die Straße zu gehen, weil Feldhamster und Großtrappen in letzter Minute gerettet werden müssen. Das sieht aus der Ferne ein wenig schizophren aus, die Deutschen selbst halten es offenbar für vollkommen normal.

Die Deutschen lieben uns, aber sie respektieren uns nicht, sagen die Nachbarn, wir aber respektieren sie, lieben tun wir sie allerdings nicht.

Bild: © Depositphotos.com / BlackSpring1


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Ulrike Dietz
Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.

1 Kommentar zu: Deutsche Identität – was ist das eigentlich?

  1. Alexander

    12. April 2017

    Vor 200 Jahren gab es wohl kaum eine „deutsche Identität“, wie es hier behauptet wird. Diese wird aus heutiger Sicht einfach mal so konstatiert. Tatsache ist aber, dass sich die meisten Menschen vor 200 Jahren als Preußen, Bayern, Österreicher, Sachsen, Hessen oder Württemberger empfanden, nicht jedoch als Deutsche. Es existierte nichts, was man als Deutschland im heutigen Sinne hätte bezeichnen können. Der Deutsche Bund war damals vom allgemeinen Denken und Fühlen der Menschen weiter entfernt als es heute die EU oder die UN sind. Die Fragestellung müsste also eigentlich lauten, ob es überhaupt jemals gut und sinnvoll war, einen deutschen Staat überhaupt zu gründen.

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