Neue Osnabrücker Zeitung: 23.800 Euro Jahresverdienst nicht genug: “Hartz-IV-Rente” nach 45 Jahren Arbeit in Vollzeit

Osnabrück (ots) –

23.800 Euro Jahresverdienst nicht genug: “Hartz-IV-Rente” nach 45 Jahren Arbeit in Vollzeit

2,5 Millionen Betroffene nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums – Linken-Kandidat Pellmann drängt auf höheres Rentenniveau

Osnabrück. Selbst wer 45 Jahre lang in Vollzeit gearbeitet und dabei jährlich stets 23.800 Euro im Jahr verdient hat, erhält aktuell noch keine Nettorente oberhalb der Grundsicherung. Das galt Ende 2020 rechnerisch für mehr als 2,5 Millionen Rentnerinnen und Rentner. Dies geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Sören Pellmann hervor, die der “Neuen Osnabrücker Zeitung” (NOZ) vorliegt. Pellmann kritisierte gegenüber der NOZ, das Rentenniveau sei deutlich zu niedrig, wenn diese Beschäftigten nur eine “Hartz-IV-Rente” erhielten.

Den Grundsicherungsbedarf im Alter bezifferte das Ministerium mit brutto 833 Euro im Monat (Stand Ende 2020). Dies ist der deutschlandweite Durchschnitt. Im Osten fällt der Betrag deutlich niedriger aus. In Brandenburg liegt er bei 784 Euro, in Mecklenburg-Vorpommern bei 772 Euro, in Sachsen bei 747 Euro, in Sachsen-Anhalt bei 750 Euro und in Thüringen bei 760 Euro.

Pellmann kritisierte: “Dass aktuell ein Jahresverdienst von 23.800 Euro über 45 Jahre nur für eine Hartz-IV-Rente reicht, zeigt, dass das Rentenniveau eklatant niedrig ist.” Der Leipziger Bundestagsabgeordnete, der Ende Juni für den Vorsitz der Linkspartei kandidiert, forderte zugleich: “Löhne müssen auch zu Renten führen, von denen man gut leben kann. Auch angesichts der explodierenden Preise brauchen wir höhere Löhne und ein deutlich höheres Rentenniveau in Deutschland.” In der restlichen EU sei das Rentenniveau im Schnitt um etwa zehn Prozent höher, so Pellmann weiter.

Das deutsche Rentenniveau beträgt aktuell 49,4 Prozent. Es zeigt an, wie stark die gesetzlichen Renten im Schnitt den Löhnen und Gehältern folgen. Bei dem Vergleich wird unterstellt, dass ein Arbeitnehmer 45 Jahre lang Beiträge auf der Basis des jeweiligen Durchschnittslohns gezahlt hat. Die daraus resultierende Rente wird in Relation gesetzt zu den aktuell erzielten durchschnittlichen Einkommen der Arbeitnehmer.

Bis zum Jahr 2025 garantiert der Gesetzgeber ein Rentenniveau in Höhe von mindestens 48 Prozent. Bis zum Jahr 2030 erwartet die Bundesregierung laut der Rentenversicherung 2021 ein Absinken auf 47,6 Prozent. Im Jahr 2035 dürfte der Wert der Prognose zufolge bei 45,8 Prozent liegen.

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