Übergewicht: Forderung nach klaren Vorgaben für Lebensmittel-Industrie

Baierbrunn (ots) –

Pizza, Burger, Schokoriegel, Kekse, Limonaden: Weltweit wird gesunde zugunsten industriell gefertigter, hochgradig verarbeiteter verdrängt. Diese Zubereitungen enthalten oftmals viele Kalorien und treiben den Blutzuckerspiegel schnell in die Höhe. Im Gesundheitsmagazin “Apotheken Umschau” fordern Experten daher, dass die stärker eingreift und verbindliche Maßnahmen in Richtung setzt.

Hochkalorische Nahrung überall günstig verfügbar

Ein Übermaß an Zucker und Weißmehl – das überfordert nachweislich den Stoffwechsel und lässt die Leber verfetten, was wiederum Diabetes und weitere chronische Folgeerkrankungen bis hin zu befördern kann. Weltweit ist Adipositas auf dem Vormarsch. Das Gewicht dieser Menschen gerät auch deshalb außer Kontrolle, weil industrielle, hochkalorische Nahrung fast jederzeit und überall günstig zu haben ist. Ungesunde Lebensmittel herzustellen sei für die Industrie schlichtweg zu lukrativ, beobachtet Oliver Huizinga von Foodwatch : “Die Gewinnspanne bei Keksen, Schoko und Knabberzeug ist drei- bis viermal so hoch wie bei Gemüse und Obst. Die Konzerne haben ein großes Interesse, mehr von jenen Produkten zu verkaufen, von denen wir eigentlich weniger essen sollten.”

“Beweg dich mehr, iss gesünder” – mit solchen Appellen verschiebt die Politik die Verantwortung auf die Konsumentinnen und Konsumenten. Zudem setzt sie fast ausschließlich auf Aufklärung, sagt Barbara Bitzer, Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes (DDG). Appelle seien bisher jedoch gescheitert: “Erreicht werden dadurch vor allem diejenigen, die sowieso schon gesundheitsbewusst leben”, beklagt Bitzer. “Bildungsferne Schichten hingegen werden abgehängt.” Fakt ist: In armen Familien ist die das Risiko für Kinder, adipös zu werden, vierfach erhöht. Es brauche, so Bitzer, deshalb verbindliche Maßnahmen, die es allen erleichtern, sich gesund zu ernähren, das Gewicht unter Kontrolle zu halten – und Vorgaben an die Industrie.

Steuerliche Erleichterung für gesunde Lebensmittel

Die DDG empfiehlt genauso wie die Weltgesundheitsorganisation WHO (euro.who.int/de) und das Wissenschafts- und Medizinbündnis DANK (dank-allianz.de) drei verbindliche Maßnahmen: eine “gesunde Mehrwertsteuer” mit steuerlicher Erleichterung für gesunde Lebensmittel wie Nüsse, Gemüse oder Obst, einen deutlich erhöhten Steuersatz für zuckerhaltige sowie eine transparente Kennzeichnung von Produkten wie auch ein Werbeverbot für ungesunde Produkte in Bezug auf Kinder.

Einen Lichtblick gibt es immerhin: In Deutschland und in anderen europäischen Ländern wurde der Nutri-Score eingeführt, allerdings nur auf freiwilliger Basis. Die Farbampel von Rot für ungesunde bis Grün für gesunde Lebensmittel vermittelt einen schnellen Überblick zu Nährwerten und ist auf der Packung abgedruckt. In Frankreich soll der Nutri-Score das Einkaufsverhalten schon positiv beeinflussen, und erste Hersteller haben ihre Rezepturen bereits angepasst.

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